Photovoltaik
22.03.2018

Trumps Stahlzölle bedrohen US-Solarbranche

Foto: The White House/Joyce N. Boghosian, Startseite: iStock
US-Präsident Donald Trump unterzeichnete am 8. März ein Dekret für Zölle auf Stahl- und Aluminium-Importe.

Der Ausbau der Photovoltaik hat sich 2017 in den USA verlangsamt. Marktforscher senken ihre Wachstumsprognosen für 2018. Wegen der neuen Stahl-Schutzzölle von Präsident Donald Trump bangt die Branche um 23.000 amerikanische Jobs.

Die US-Solarbranche schaltet um auf Krisenmodus. Das auf erneuerbare Energien spezialisierte Marktforschungsinstitut GTM-Research in Boston hat die jüngsten Branchendaten analysiert und seine Wachstumsprognosen für die Photovoltaikbranche um 13 Prozent reduziert.

Anzeige

Die USA haben im vergangenen Jahr Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von 10,6 Gigawatt installiert. Dieser Zubau liegt zwar noch auf dem Wachstumsniveau der Jahre 2010 bis 2015, doch er reicht bei weitem nicht an die im Rekordjahr 2016 errichteten Kapazität von 15,1 Gigawatt heran.

Anzeige

Folgenreiche Zölle auf Solarmodule

GTM-Research und der US-Solarindustrieverband Solar Energy Industries Association (SEIA) erklären den außerordentlich starken Zubau des Jahres 2016 damit, dass viele Projekte vorgezogen wurden, um vor dem Amtsantritt Donald Trumps am 20. Januar 2017 und einer auslaufenden 30-prozentigen Steuerförderung ans Netz zu gehen.

Auch die Neuinstallationen des Jahres 2017 standen im Zeichen politischer Entscheidungen. Nach Einschätzung der Marktforscher haben Strafzölle auf Billigimporte von Solarmodulen, die Trump im Januar 2018 einführte, dafür gesorgt, dass viele Projekte aufgeschoben oder sogar aufgehoben wurden. Einen ähnlichen Effekt befürchtet der Solarverband SEIA jetzt von den Schutzzöllen auf Stahl und Aluminium, die Trump erheben will.

Entsetzen über Stahl- und Alu-Zölle

Bereits bei Einführung der Zölle auf Solarmodule warnte SEIA, dieser Schritt werde vor allem den USA selbst schaden. Lediglich 14 Prozent der in der Solarbranche beschäftigten 260.000 Amerikaner arbeiten in der Fertigung von Solarzellen und Modulen. Die große Mehrheit ist im Vertrieb, der Installation und der Wartung der Anlagen tätig. Preisbedingt rückläufige Neuinstallationen würden daher deutlich mehr Jobs kosten als ein eventueller Anstieg der heimischen Produktion bringen würde, wägte die SEIA ab. (Lesen Sie auch: Trumps Zölle auf Solaranlagen – "Fehlgeleitete Entscheidung")

SEIA-Chefin Abigail Ross Hopper zeigt sich vor diesem Hintergrund entsetzt über die von Trump beschlossenen Zölle auf Stahl- und Aluminiumimporte, da diese ebenfalls die Preise für Solarmodule in den USA verteuern. SEIA und GTM Research bekräftigen ihre Warnung, dass Trumps Handelspolitik in der Branche 23.000 heimische Jobs gefährde. Hopper appelliert an die Abgeordneten und Senatoren des US-Kongresses einzuschreiten, falls Trump seine Handelspolitik nicht korrigiere.

Mittelfristig weiter Wachstum

Trotz der zurückhaltenden Wachstumsprognose für das laufende Jahr erwarten die Marktforscher von GTM-Research allerdings, dass der Wachstumstrend mittelfristig bestehen bleibt. So soll sich die installierte Photovoltaik-Leistung bis 2022 verdoppelten. Die jährlichen Neuinstallationen sollen bis 2023 auf 15 Gigawatt anwachsen, also auf das Niveau des Ausnahmejahres 2016.

SEIA-Präsidentin Ross Hopper kann sogar dem Dämpfer im Jahr 2017 Positives abgewinnen. Die Stromerzeugung aus Solarenergie haben sich in der Region vom Südosten bis zum Mittleren Westen der USA immer stärker verbreitet, sagt sie. Explosionsartig sei die Photovoltaik bei kommunalen Trägern gewachsen. Der Verband erwartet, dass das kommunale Engagement auch in diesem Jahr deutlich wachsen wird, mit den Bundesstaaten Maryland und New York an der Spitze.

Den stärksten und den zweitstärksten Zubau indes wiesen –  gemessen an der insgesamt installierten Leistung – Kalifornien und North Carolina auf und festigten damit ihre Position als führende Solarenergie-Staaten der USA.

Lesen Sie auch: US-Energieministerium fördert Solar- und Windbranche

 

Thomas Bauer
Keywords:
Solarenergie | Photovoltaik | Donald Trump | Schutzzölle
Ressorts:
Governance | Markets

Neuen Kommentar schreiben

 

bizz energy – Sommer 2018

Die aktuelle Ausgabe gibt es ab sofort bei unserem Abonnentenservice unter bizzenergy@pressup.de sowie als E-Paper bei iKiosk oder Readly.

 
 

bizz energy Research

Welche Stellschrauben können Sie drehen, um Ihren Bestandswindpark zu optimieren?
Mithilfe des interaktiven Datentools von bizz energy Research sehen Sie die Effekte auf den Netto-Cashflow.


Link zum Cashflow-Rechner von bizz energy Research