Neue Mobilität
13.12.2019

Der große Umbruch: Autoindustrie hadert mit dem Wandel

Foto: Volkswagen AG
Mit dem vollelektrischen ID.3 will VW den Durchbruch in Sachen E-Mobilität schaffen.

Kaum ein Wirtschaftszweig prägt Deutschland so wie die Autobranche. Doch auf den Erfolgen der Vergangenheit können sich die Unternehmen nicht ausruhen. Die gesamte Mobilität ändert sich. Wer den Wandel nicht mitgestalten kann, droht auf der Strecke zu bleiben.

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5. Autonomes Fahren - "Robo-Car" oder Entmündigung? Eng mit der allgemeinen Vernetzung hängt die Entwicklung hochautomatisierter - und eines Tages ganz autonom fahrender - Autos zusammen. Allerdings hinken die Deutschen hier US-Firmen wie der Google-Schwester Waymo, die auch Robotaxi-Services testet, nach Einschätzung von Experten weit hinterher. Das führt zu Bündnissen unter Rivalen, die früher eher unrealistisch gewesen wären: Daimler und BMW kooperieren auf dem Weg zum "Robo-Car" ebenso wie Volkswagen und Ford, die Milliarden in die Firma Argo AI zur Entwicklung selbstfahrender Autos stecken.

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Daimler-Chef Ola Källenius sagte: "Statt individueller Insellösungen geht es uns um ein zuverlässiges Gesamtsystem." In der US-Stadt San José testen die Stuttgarter mit Bosch einen Mitfahr-Service mit autonomen Fahrzeugen. Aber auch hier stellt sich die Grundsatzfrage: Wollen hinreichend viele Kunden am Ende die komplette Kontrolle an einen Roboter abgeben? Und: Fährt der Roboter wirklich sicherer? Die Debatten unter Autoversicherern und Ethikern, die das Dilemma von Entscheidungen bei Unfällen analysieren, haben gerade erst begonnen.

6. Neue Dienstleistungen - weg vom reinen Autobauen. Bei vielen jungen Leuten hat das Auto als Statussymbol ausgedient. Auch deshalb suchen die Hersteller ihr Heil in Geschäftsmodellen, die sie an der "sharing economy" (Ökonomie des Teilens) mitverdienen lassen. In den Städten wollen mehr Kunden Fahrzeuge lieber mieten statt kaufen.

Carsharing war einer der ersten Versuche in dieser Richtung - mit bisher gemischter Bilanz. Daimler und BMW fanden mit ihren inzwischen zusammengelegten Angeboten Car2Go und DriveNow in den Zentren viele Nutzer, auf dem Land fristet das Teilen von Autos ein Nischendasein. VW stellte seine Erstvariante Quicar in Hannover wieder ein und versucht nun, mit seinem WeShare-Ansatz entschlossener ins Carsharing mit E-Autos in Berlin zu gehen. Weitere Städte folgen.

Andere Dienste sollen die Autobauer ebenfalls zu Mobilitätskonzernen umformen. Beim Ridesharing oder Ridepooling nutzen mehrere Kunden dasselbe Fahrzeug. Auch öffentliche Verkehrsunternehmen beteiligen sich daran - etwa beim Berlkönig der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) oder beim Clevershuttle der Deutschen Bahn. In Hamburg und Hannover ist der Sammeltaxi-Service Moia von Volkswagen unterwegs.

7. Und über alldem die trübere Konjunktur. Die Veränderungen treffen die Firmen in einer Zeit, in der es obendrein in der Weltwirtschaft nicht mehr so gut läuft. In vielen Ländern stockt das Wachstum, was auf die Verkäufe drückt - für die exportorientierte Branche ein Problem. Ende Oktober ermittelte der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK), dass etliche Betriebe eine tiefe Krise vorhersehen. Zu allem Überdruss überschatten die anhaltenden Zollstreitigkeiten mit den USA den gesamten internationalen Handel.

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Jan Petermann, dpa
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