Green Bonds
09.08.2018

Riskante Anlage: Umweltbank begibt ewige grüne Anleihe

Foto: Creative Commons
Die Nürnberger Umweltbank hat ihren Firmensitz am Laufertorgraben.

Nachhaltige Kapitalanlagen werden immer beliebter. Die Nürnberger Umweltbank nutzt diesen Trend, um mit einem Green Bond ihre Eigenkapitalbasis zu stärken. Anlegerschützer raten zur Vorsicht.

Die Kunden der Umweltbank bekommen in diesen Tagen Werbepost von ihrer Bank. Darin die frohe Nachricht: Wer will, kann schon mit kleinen Beträgen ab 2500 Euro Anteile der ersten grünen Anleihe aus Nürnberg kaufen. Die weniger frohe Nachricht: Die Anleihe wird in den kommenden sechs Jahren mit mageren zwei Prozent verzinst. Und: Die Bank wird das eingezahlte Geld voraussichtlich nie mehr zurückzahlen, denn die Anleihe ist von unbefristeter Laufzeit und kann nur von der Bank selbst gekündigt werden.

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Auch ein Börsenhandel ist offenbar nicht vorgesehen. Thomas Hechtfischer, Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, warnt: „Bei einer Anleihe mit unbefristeter Laufzeit wäre für mich wesentlich, dass ich diese zu jeder Zeit an der Börse verkaufen kann, also an mein Geld komme. Aber vielleicht hat die Umweltbank das für dieses Papier passende Klientel.“

Handel über internen Zweitmarkt

Doch Markus Schmidt, der bei der Umweltbank die Emission des 40 Millionen Euro Papiers vorbereitet hat, zeigt sich im Gespräch mit bizz energy überzeugt, dass die erste grüne Anleihe seines Hauses von der Kundschaft gut aufgenommen wird. Die Kundenanfragen seit der Ankündigung des Papiers in der Vorwoche ließen dies erwarten, so Schmidt. Auch die bislang nicht geplante Börsennotierung sei kein Manko, da die Bank über einen internen Zweitmarkt verfüge, auf dem die Anleihe zwischen den Bankkunden verkauft werden könne. „Erfahrungsgemäß ist auf diesem Zweitmarkt die Nachfrage nach unseren Papieren höher als das Angebot“, berichtet Schmidt. Er räumt aber auch ein: „Da die Papiere ausschließlich von Kunde zu Kunde verkauft werden und die Umweltbank nicht zum Kauf eigener Papiere verpflichtet ist, besteht schlimmstenfalls das Risiko, dass sich die Papiere nicht verkaufen lassen.“

Die Umweltbank spart bei der Ausgabe ihrer grünen Anleihe einige Kosten, die für gewöhnlich anfallen: für Börsennotierung, für ein Anleihe-Rating und für die Prüfung der korrekten Mittelverwendung durch eine externe Ökoratingagentur. Das eingenommene Kapital wird ohnehin entsprechend des Geschäftszwecks der Bank zur Finanzierung von nachhaltigen Investitionen verwendet, also vorwiegend für Wind- und Solarenergie sowie energieeffiziente Immobilieninvestitionen.

Bank stärkt ihre Eigenmittel

Der Zinssatz von zwei Prozent ist nur bis zum 30. Juni 2024 fix und wird danach alle fünf Jahre neu festgeschrieben, und zwar nach der Formel: Fünfjahres-Interbanken-Swapsatz plus ein Prozentpunkt Risikoaufschlag. Die Festschreibung des Zinses auf jeweils fünf Jahre birgt Risiken und Chancen: Steigt der offizielle Swapsatz nach dem Stichtag der Zinsfestlegung, verlieren die Papiere an Wert. Sie gewinnen an Attraktivität und Wert, falls die Marktzinsen sinken.

Wäre es der Umweltbank allein darum gegangen, mehr Mittel zur Finanzierung nachhaltiger Kredite zu gewinnen, hätte sie es deutlich einfacher haben können – mit einer marktüblichen Anleihe mit fester Laufzeit und festem Zins. Doch es geht um mehr, wie Vorstand Jürgen Koppmann, gegenüber bizz energy erläutert: „Mit der Emission des Green Bond junior verfolgen wir zwei Ziele: Zum einen stärken wir dadurch die Eigenmittel der Umweltbank und zum anderen finanzieren wir weitere ökologische Projekte.“

Anleihe ist nachrangig

Die börsennotierte Bank hat ihre Eigenkapitalbasis seit Anfang 2003 immer wieder durch die Ausgabe von Genussscheinen und Genussrechten gestärkt. Doch seit die Europäische Union die verschärften Eigenkapitalanforderungen des Baseler Bankenausschusses übernimmt, können Banken die seit Jahrzehnten etablierten deutschen Genussscheine kaum noch als Eigenkapital verbuchen. Auch Anleihen gelten in der Regel nicht als Eigenkapital, sondern als rückzahlbares Fremdkapital.

Der Green Bond junior der Umweltbank kann aber als begehrtes Eigenkapital verbucht werden, weil er vom Kunden nicht gekündigt werden kann, seitens des Emittenten aufgrund der niedrigen Verzinsung kein Rückzahlungsanreiz besteht und es sich um eine nachrangige Anleihe (englisch junior) handelt. Sollte also die Umweltbank eines Tages insolvent werden, wären die Aktionäre und die Anleihehalter die Letzten, die auf Rückzahlung ihres Geldes hoffen dürfen. Von der Kölner GBB-Rating Gesellschaft für Bonitätsbeurteilung bekam die Umweltbank im Mai 2018 ein mittelmäßiges Bonitätsrating von BBB+.

GLS-Bank im Nacken

„Unser Green Bonds junior tritt die Nachfolge unserer Genussscheine an“, sagt Markus Schmidt und erklärt, dass deswegen von der 40 Millionen Euro-Anleihe 18,8 Millionen als freiwilliges Umtauschangebot an die bisherigen Genussscheinbesitzer reserviert sind, während 21,2 Millionen öffentlich angeboten werden. Die Frage, warum die Bank nicht einfach eine Kapitalerhöhung durch Ausgabe neuer Aktien gemacht hat, beantwortet Schmidt damit, dass sich die Anleihe an konservative Kunden richte, denen Aktien zu volatil in der Kursentwicklung seien.

Allerdings kennt man am Aktienmarkt noch andere Gründe: Bankaktien sind an den Börsen derzeit alles andere als gefragt. Auch die Aktie der Umweltbank hat in den vergangenen zwölf Monaten rund ein Viertel an Wert verloren. Die Emission neuer Aktien hätte den Kurs tendenziell weiter unter Druck gesetzt. Und einen niedrigen Aktienkurs kann sich die um ihre Unabhängigkeit kämpfende Nürnberger Bank nicht erlauben. Denn die Bochumer GLS Gemeinschaftsbank, die gleichfalls auf ethische und nachhaltige Finanzierungen ausgerichtet ist, steht offensichtlich bereit, die Umweltbank zu schlucken: Im April 2018 hat sie ein Aktienpaket der Gründerfamilie Popp von 15,6 Prozent übernommen. Das Ansinnen der GLS, zwei eigene Aufsichtsräte zu etablieren, wurde auf der Hauptversammlung der Umweltbank Ende Juni gerade noch abgeschmettert.

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Thomas Bauer
Keywords:
Green Bonds | Finanzen
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