Wärmewende
16.10.2017

Umwelthilfe und Mieterbund fordern sozialverträgliche Sanierungen

Foto: iStock/Halfpoint
Wärmedämmung ist eine Möglichkeit energetischer Sanierung.

Deutsche Umwelthilfe und Deutscher Mieterbund nennen in einem Papier die „wahren“ Kostentreiber für steigende Mieten und verlangen mehr Klimaschutz bei Gebäuden.

Sind energetische Sanierungen Schuld, wenn ganze Gesellschaftsschichten aus attraktiven Wohngebieten verdrängt werden?  Deutschen Umwelthilfe (DUH) und Deutschen Mieterbund (DMB) meinen „nein“. Mit einer Kurzstudie wollen sie verdeutlichen, dass weder die energetischen Anforderungen beim Neubau noch die Sanierungen selbst die Kostentreiber sind, sondern die gesetzlichen Rahmenbedingungen und eine falsche Förderpolitik. Daher fordern sie von einer neuen Bundesregierung massive Anstrengungen für mehr Klimaschutz im Gebäudebereich zu sozialverträglichen Bedingungen.

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In ihrem Papier zur Wirtschaftlichkeit von energetischer Sanierung beschreiben die beiden Verbände die wahren Kostentreiber aus ihrer Sicht: „Steigende Mieten, gerade in Städten und Ballungsräumen, sind vor allem auf das Missverhältnis von Angebot und Nachfrage zurückzuführen“, sagt Barbara Metz, stellvertretende Bundesgeschäftsführerin der DUH. Der größte Preistreiber seien die zahlreichen Möglichkeiten von Mieterhöhungen bei Wiedervermietungsverträgen. Auch bei den steigenden Baupreisen spielten energetische Anforderungen eine untergeordnete Rolle. „Andere Faktoren wie gestiegene Grunderwerbssteuern und höhere Grundstückspreise tragen in wesentlich größerem Umfang zu steigenden Baukosten bei“, sagt Metz. Eine Senkung der Energieeffizienz-Anforderungen führe ihrer Meinung nach nicht zu mehr bezahlbarem Wohnraum. „Im Gegenteil: Langfristig profitieren Hauseigentümer und Mieter von niedrigeren Energieverbräuchen und Heizkosten.“

Modernisierungsumlage im Fokus

Die Verbände betonen, dass energetische Sanierungen am Gebäude zwingend notwendig seien, damit auch zukünftig Menschen aus allen Einkommensklassen in angemessenen Wohnungen leben können. Ohne einen klimaneutralen Gebäudebestand bis 2050 können zudem die Klimaschutzziele nicht erreicht werden.

Eine der zentralen Forderungen der beiden Verbände an die Politik ist nun, die Rahmenbedingungen für die energetische Gebäudesanierung insbesondere bei Mietwohnungen zu verbessern und sozialverträglicher zu gestalten: „Die gesetzliche Regelung, dass elf Prozent der Modernisierungskosten zeitlich unbefristet auf die Jahresmiete aufgeschlagen werden dürfen, ist ein Fremdkörper im geltenden Mietpreisrecht, führt zu völlig überzogenen Mietpreissteigerungen, ist nicht mehr zeitgemäß und sollte entfallen.“, sagt Ulrich Ropertz, Geschäftsführer des DMB. Als erster Schritt solle die Modernisierungsumlage auf sechs Prozent reduziert werden. Damit könnten Mieter entlastet werden. Sanierungsanreize für den Vermieter sollten direkt über die öffentliche Förderung gesetzt werden..

Steuerbonus als Anreiz

Eine weitere Kernforderung der beiden Verbände betrifft die steuerliche Absetzbarkeit von Kosten der energetischen Sanierung. „Um den Eigentümer zu energetischen Sanierungen zu motivieren, setzen wir außerdem auf die steuerliche Abschreibung. Ein Steuerbonus zur Absetzung der energetischen Sanierungskosten wäre ein wichtiger Anreiz für Hauseigentümer, die Gebäudesanierung voranzutreiben“, sagt Metz.

Insgesamt listen DMB und DUH sechs Punkte auf, mit denen der sozialverträgliche Klimaschutz im Gebäude vorangebracht werden soll: Die bestehenden Energiesteuern sollen um eine CO2-Komponente erweitert werden, die Modernisierungsumlage soll angepasst werden, Fördermittel sollen Anreize für Vermieter schaffen, steuerliche Anreize für energetische Sanierungen sollen gesetzt, energetische Sanierungen sollen nicht zu einer allgemeinen Erhöhung des Mietspiegels führen und energetisch sanierter Wohnraum soll einkommensschwachen Haushalten zugänglich gemacht werden.

Carsten Kloth
Keywords:
Wärmewende | energetische Sanierung
Ressorts:
Governance

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