Windenergie
11.02.2013

Umweltministerium stellt Offshore-Ziele in Frage

Foto: EnBW

Am Dienstag lädt Umweltminister Altmaier Vertreter der Windindustrie ins Kanzleramt. Es dürfte kein harmonischer Termin werden: Denn der Minister will die Ausbauziele „neu justieren“.

Am Dienstag lädt Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) Vertreter der Windenergiebranche zum Dialog über die Zukunft des Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) in das Bundesumweltministerium (BMU). Zu ähnlichen Terminen hatte der Minister bereits Vertreter der Solar- und der Bioenergiebranche in sein Haus gebeten.

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Beim Dialog mit der Windbranche dürfte es einigermaßen hoch her gehen, denn ein Thesenpapier des BMU zur Veranstaltung enthält einigen Sprengstoff. „Angesichts der Entwicklungen der Windenergie On- und Offshore erscheint es dringend notwendig, die Ausbauziele der Windenergie neu zu justieren", ist in dem Papier zu lesen. 

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Vor allem bei der Windenergie an Land will das BMU offenbar auf die Bremse drücken, um Kosten zu senken. Der zu erwartende schnellere Ausbau der Windenergie erhöhe die Differenzkosten, so das BMU. Das Ministerium moniert zudem, dass die Vergütung für Windenergie an Land seit Jahren konstant geblieben sei, wenngleich die Preise für die Anlagen deutlich gesunken seien. Es bestehe an manchen Standorten deswegen eine „massive Überforderung". Eine geringere EEG-Vergütung und der Wegfall aller Boni seien daher möglich. Die Stromnetze sieht das Ministerium durch den Windzubau zunehmend überfordert. „Bei einem flacheren Ausbaupfad wäre es leichter möglich, dass der Ausbau der Stromnetze mit dem Ausbau der Windenergie Schritt hält", heißt es in dem Papier. 

Offshorewind: Zubau nach 2015 offen

Auch die Offshore-Branche dürfte sich wenig über das Thesenpapier freuen. So räumt das Bundesumweltministerium ein, dass der Ausbau der Offshore Windenergie „deutlich hinter den ursprünglichen Erwartungen" zurückliege. Die Schuld sieht das Ministerium aber nicht bei sich. Die Bundesregierung habe eine „Vielzahl von Maßnahmen ergriffen", um den Ausbau zu beschleunigen. Bis zum Jahr 2015 sollen laut BMU Offshore-Windparks mit einer Leistung von drei Gigawatt am Netz sein. „Derzeit ist allerdings unsicher, zu welchem Zeitpunkt weitere Offshore-Windparks in Betrieb gehen werden."   

Das Ziel der Bundesregierung sieht vor, bis zum Jahr 2020 mindestens zehn Gigawatt Windenergieleistung auf hoher See installiert zu haben. Das Umweltministerium geht aber offenbar nicht davon aus, dass dieses Ziel noch erreicht werden kann. Am Dienstag soll darüber diskutiert werden, „welche Ziele für 2020 realistisch sind".

Die Branche befindet sich derzeit ohnehin in heller Aufregung. Am Wochenende hatte Bundeswirtschaftsminister Phillipp Rösler (FDP) vorgeschlagen, neue Wind- oder Solaranlagen nicht mehr über das EEG zu vergüten. Den Strom sollen die Anlagenbetreiber stattdessen direkt vermarkten. Der Bundesverband Windenergie kritisierte die Forderungen als „komplette Umstellung des EEG". Ob sich dadurch Kosten sparen ließen, sei fraglich.

Bereits vor zwei Wochen hatte Bundesumweltminister Altmaier Vorschläge gemacht, um den Anstieg der Strompreise zu begrenzen. Er will die Umlagekosten für den Ausbau der erneuerbaren Energie künftig deckeln.

 

 

Karsten Wiedemann
Keywords:
Windenergie | Offshore | Peter Altmaier | EEG-Dialog | Philipp Rösler
Ressorts:
Governance | Markets

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