Kohleverstromung
24.04.2018

Umweltschützer attackieren RWE vor Hauptversammlung

Foto: iStock
Insbesondere der Braunkohle-Tagebau der RWE steht in der Kritik.

Die Geschäftsstrategie von RWE sei eine Gefahr für Steuerzahler, Klima und Menschenrechte, meinen Umweltschützer. Einige Investoren ziehen offenbar Konsequenzen.

Während andere Energieversorger planen, ihre Kunden künftig auch ohne Kohleverbrennung mit Strom zu beliefern, halte RWE unbeirrt an der klimaschädlichen Kohle fest. Dies prangert die Umweltschutzorganisation Urgewald aus Sassenberg kurz vor der RWE-Hauptversammlung am 26. April in Essen an.

Anzeige

Der jüngste Deal mit Eon führe nach Ansicht der Nichtregierungsorganisation bei RWE zwar auf dem Papier zu einem Anstieg der Erneuerbaren-Kapazitäten auf knapp 20 Prozent. Dies bedeute jedoch keinen Strategiewechsel. RWE will seine Ökotochter Innogy zerschlagen und deren Verteilnetze und Kunden Eon überlassen. Im Gegenzug soll Eon die Stromproduktion mit erneuerbaren Energien an RWE abgeben.

Anzeige

Interesse am Zukauf von Kohlekraftwerken

RWE zeige großes Interesse am Zukauf von Kohlekraftwerken der Konkurrenten EnbBW Uniper und Engie, schreibt Urgewald in einem Briefing. Auch am Braunkohle-Neubauprojekt Boaplus halte der Konzern fest. Das 1.100 Megawatt-Kraftwerk in Bergheim Niederaußem befindet sich derzeit im Genehmigungsverfahren.

Das Unternehmen sei sich des Risikos bewusst, den ein auferlegter Kohleausstieg für die Rentabilität des Geschäfts mit sich bringen könnte: „Konzernchef Rolf Martin Schmitz scheint darauf zu spekulieren, am Ende vom Staat ‚gerettet‘ zu werden“, sagt Autorin Katrin Ganswindt. Die Analyse zitiert den RWE-Geschäftsführer mit den Worten „Wenn der Wunsch besteht, dass ein Kohleausstieg sehr schnell erfolgen soll, müssen wir dafür entschädigt werden.“

Finanzkonzerne wenden sich ab

RWE ignoriert nach Ansicht der Umweltschützer die Ziele des Pariser Klimaabkommens. Auch die Vorwürfe gegen die Kohlelieferanten Drummond und Prodeco ließen das Unternehmen kalt. Diesen wird die jahrelange Finanzierung und Unterstützung von Todesschwadronen in Kolumbien vorgeworfen. RWE kenne diese Vorwürfe seit langem. Doch statt Verantwortung für die eigene Lieferkette zu übernehmen, versuche der Konzern das Problem auszusitzen. Die „Better Coal Initiative“, die RWE als Lösung präsentiert, habe sich seit der Gründung im Jahr 2012 noch nie ernsthaft mit der Frage beschäftigt. Mit der Initiative möchte RWE nachhaltigen Produktions- und Transportbedingungen in der Steinkohlelieferkette mehr Nachdruck zu verleihen. Umweltschützer halten dies für ein leeres Versprechen. „Während mehrere europäische Energieversorger die Vorwürfe ernst nehmen und die Lieferanten unter Druck setzen, rechnet RWE die eigene Verantwortung systematisch klein“, sagt Urgewald-Experte Sebastian Rötters.

Die Analyse der Umweltschützer zeigt auch: Wegen der finanziellen Risiken und der Klimagefahren haben neben mehreren Kommunen auch Finanzkonzerne wie Allianz, AXA, ING, ABN Amro und die Commerzbank RWE bereits aus ihrem Portfolio ausgesondert oder dies angekündigt. „Auch weitere Großbanken und sogar die französische Zentralbank verabschieden sich inzwischen mit ähnlichen Richtlinien von der Kohle. Für Unternehmen wie RWE dürfte es in Zukunft schwieriger werden an Geld zu kommen“, hofft Ganswindt.

Lesen Sie auch: Kohlekraftwerke könnten ohne Entschädigung stillgelegt werden

Carsten Kloth
Keywords:
Klimawandel | Energiepolitik
Ressorts:
Finance | Markets

Neuen Kommentar schreiben

 

bizz energy – Sommer 2018

Die aktuelle Ausgabe gibt es bei unserem Abonnentenservice unter bizzenergy@pressup.de sowie als E-Paper bei iKiosk oder Readly.

 
 

bizz energy Research

Energie, Digitalisierung und Mobilität.
Unsere Factsheets bieten visualisierte Daten, liefern Fakten und stellen Zusammenhänge zu den Top-Themen der Energiewende dar.


Mehr Informationen