Flüssigerdgas
19.03.2019

Umweltschützer machen Front gegen LNG-Terminals

Foto: iStock
Die Bundesregierung will, dass LNG-Tanker wie dieser in Zukunft auch in Deutschland anlegen können.

Ein Klimabündnis gegen LNG kritisiert das Bundeswirtschaftsministerium scharf. Dieses wolle die Kosten der Infrastruktur für den Import von US-Fracking-Gas auf die Nutzer umwälzen.

Ein Bündnis aus 25 Umweltverbänden, Nichtregierungsorganisationen (NROs) und Bürgerinitiativen kritisiert in einer gemeinsamen Stellungnahme die Pläne des Bundeswirtschaftsministeriums in Sachen LNG-Terminal. Dieses möchte den Investoren beim Netzanschluss für Flüssigerdgas entgegenkommen.

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Im Dezember 2018 hatte die Bundesnetzagentur mitgeteilt, dass die Anbindungen von LNG-Terminals aus den Netzentwicklungsplan Gas 2018 bis 2028 herausgenommen werden sollen. Somit müsste der Investor die Kosten in Millionenhöhe für Bau und Betrieb der Fernleitungsnetzanschlüsse zahlen, nicht die Endverbraucher. Dies möchte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) nun zugunsten der LNG-Industrie ändern. Eine Verordnung soll den Rechtsrahmen für den Bau der LNG-Terminals regeln. Dabei sollen Anschluss- und Betriebskosten auf die Nutzer „umgewälzt“ werden. 

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"Fracking-Gas schlechter als Kohle"

Obwohl mittlerweile feststehe, dass die geplanten LNG-Terminals in Brunsbüttel, Stade und Wilhelmshaven darauf ausgelegt sind das klimafeindliche US-Fracking-Gas zu importieren, ignoriere die Regierung die klima- und wirtschaftspolitischen Gegenargumente, schreiben die Umweltschützer in einem offenen Brief. Die Bunderegierung wolle zusätzlich zu direkten Subventionen den bestehenden Rechtsrahmen zugunsten der LNG-Lobby ändern. 

Umweltverbände verweisen schon länger darauf, dass auch Erdgas ein fossiler Energieträger ist, der zur Rettung des Weltklimas mittelfristig aus der Nutzung genommen werden müsse. Auch wenn Gas sauberer verbrennt als andere fossile Brennstoffe, so würden bereits geringe Methanemissionen – beispielsweise bei Lecks – einen enormem Treibhausgas-Fußabdruck verursachen. Bei Fracking-Gas würde die Klimabilanz teilweise schlechter ausfallen als bei Kohle. 

Wirtschaftlichkeit der Terminals fraglich

Nach der massiven Kritik an der Gaspipeline Nord Stream 2 will die Bundesregierung US-Präsident Trump entgegenkommen. Die USA verfügen über riesige Vorräte an Fracking-Erdgas und wollen es als LNG vor allem nach Europa exportieren. „Die LNG-Debatte wird nicht von der Klimakrise und vom eigentlichen Bedarf, sondern von den geopolitischen Spannungen zwischen den USA und Russland, der anvisierten Finanzialisierung der Gasmärkte sowie der Schaffung von Derivatemärkten für Spekulationsgeschäfte gelenkt“, sagt Andy Gheorghiu von der NRO Food & Water Europe.

Die Umweltschützer bezweifeln zudem die Wirtschaftlichkeit der geplanten LNG-Terminals: Alle existierenden Anlagen in der EU hätten eine extrem geringe Auslastungsquote von unter 25 Prozent. Auch in Hinblick auf die Pflicht zur vollständigen Dekarbonisierung bis 2050 sei der Ausbau zusätzlicher fossiler Infrastruktur eine „Fehlinvestition in verlorene Vermögenswerte.“

Kurze Frist für Stellungnahmen

Mit dem Schreiben legen die Verbände auch Widerspruch gegen die aus ihrer Sicht viel zu kurz gehaltene Frist zur Einreichung einer Stellungnahme ein. Letzten Donnerstag hatte das Bundewirtschaftsministerium offiziell die Länder- und Verbändeanhörung zum Referentenentwurf eingeleitet. Nur per Zufall hätte ein Teil der interessierten Öffentlichkeit davon erfahren, dass die Anschluss- und Betriebskosten auf die Öffentlichkeit umgelegt werden solle.

Während Kritiker in Sachen LNG einen „Deal“ mit US-Präsident Trump befürchten, um US-Konzernen den Zugang zum deutschen Gasmarkt zu erleichtern, verweist die Bundesregierung auf die Versorgungssicherheit. Der direkte Import von Flüssigerdgas nach Deutschland könne zur Diversifizierung der Gasversorgung beitragen, argumentiert Wirtschaftsminister Altmaier. Wegen des Atom- und des Kohleausstiegs sei Deutschland verstärkt auf Erdgasimporte angewiesen.

Und die steigen bereits: Nach vorläufigen Berechnungen des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) lagen die deutschen Erdgasimporte im Monat Januar 2019 mit 398.425 Terajoule um 3,6 Prozent über der entsprechenden Menge des Vorjahresmonats. Der Grenzübergangspreis pro Terajoule Erdgas lag im Januar 2019 mit 5.954,83 Euro (rund 2,14 Cent pro Kilowattstunde) um 5,8 Prozent über dem Preis im Dezember 2018. Befürworter der Gaspipeline Nord Stream 2 verweisen darauf, dass das russische Gas im Vergleich zu Flüssigerdgas „erhebliche Preisvorteile“ für europäische und insbesondere deutsche Verbraucher biete.

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Carsten Kloth
Keywords:
Erdgas | Flüssigerdgas | LNG
Ressorts:

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