Das Vorhaben des Energiekonzerns Uniper, in Wilhelmshaven ein Import-Terminal zur Produktion von grünem Wasserstoff aufzubauen, wird von Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies und der Deutschen Umwelthilfe positiv bewertet. "Die Entscheidung von Uniper ist ein ganz wichtiger Baustein dafür, dass Wilhelmshaven zu der Energiedrehscheibe für erneuerbare Energien wird", sagte der SPD-Politiker in einer Stellungnahme. Mit dem Strom aus Windkraft auf See, der an der niedersächsischen Küste ankomme, könne grüner Wasserstoff in Wilhelmshaven produziert werden. Dies biete die Grundlage für Klimaschutz in Niedersachsen und Deutschland.

Uniper hatte mitgeteilt, unter dem Namen "Green Wilhelmshaven" eine Infrastruktur zur Wasserstoff-Herstellung in der Jadestadt aufbauen zu wollen. Geplant ist ein Import-Terminal für Ammoniak, das mithilfe eines sogenannten Crackers zur Produktion von grünem Wasserstoff dienen soll. Zusammen mit einer Elektrolyse-Anlage sollen so 295.000 Tonnen Wasserstoff hergestellt werden. Laut Uniper entspricht dies rund zehn Prozent des Bedarfs in Deutschland im Jahr 2030. Eine Inbetriebnahme wird für die zweite Hälfte dieses Jahrzehnts angepeilt. Zurzeit wird an einer Machbarkeitsstudie gearbeitet.

Auch die Deutsche Umwelthilfe begrüßte am Freitag die Ankündigung Unipers, da damit das zunächst von dem Konzern in Wilhelmshaven geplante Terminal für verflüssigtes Erdgas (LNG) nun endgültig vor dem Aus stehe. Die DUH hatte Pläne für ein Flüssigerdgas-Terminal immer wieder kritisiert, da ein Betrieb mit klimaschädlichem Fracking-Gas einhergegangen wäre. Den Aufbau der Wasserstoffwirtschaft hält die DUH für einen richtigen Weg.

Unklar ist nach Angaben des Umweltverbandes allerdings, woher das Ammoniak kommen soll. "Ob die angekündigte Infrastruktur für Ammoniak aber tatsächlich die beste Lösung ist, muss sorgfältig und ergebnisoffen in den anstehenden Machbarkeitsstudien untersucht werden", meint Constantin Zerger, Bereichsleiter Energie- und Klimaschutz der DUH. Ammoniak sei extrem toxisch. Bauchschmerzen mache auch dessen Herkunft. Zerger: "Ammoniak kann zwar aus Erneuerbaren hergestellt werden, dieser Prozess ist jedoch extrem energieaufwendig und die benötigten Mengen sind in absehbarer Zeit nicht verfügbar."

Das in Wilhelmshaven geplante LNG-Terminal hatte Uniper im November zur Disposition gestellt. Als Grund gab der Konzern zu wenig konkretes Interesse von Partnern an, Einfuhrkapazitäten fest zu reservieren. Mit dem neuen Vorhaben für Wasserstoff in Wilhelmshaven sind weitere LNG-Projekte aber noch nicht vom Tisch. Planungen für entsprechende Terminals laufen noch in Stade, Brunsbüttel und in kleinerem Maßstab auch in Rostock. Auch diese Vorhaben sieht die Umwelthilfe kritisch.

jst/dpa

Schwimmendes LNG-Terminal in Wilhelmshaven.
Statt flüssigem Erdgas sollen die Tanker nun Ammoniak am Terminal in Wilhelmshaven anladen - ob das jemals passiert, steht allerdings lange noch nciht fest. (Copyright: Illustration: LNG Wilhelmshaven)