Auch der Energiekonzern Uniper will seine Stromerzeugung mit erneuerbaren Energien kräftig ausbauen. Bis zum Jahr 2025 soll eine Solar- und Windenergiekapazität von 1.000 Megawatt aufgebaut werden, wie Uniper am Donnerstag mitteilte. In den darauf folgenden Jahren sollen weitere 3.000 Megawatt hinzukommen.

Eine eigene Stromerzeugung mit erneuerbaren Energien sei notwendig, um auf den Märkten für sogenannten grünen Wasserstoff erfolgreich wachsen zu können.  "Grüner" Wasserstoff wird ausschließlich mit erneuerbarer Energie gewonnen.  Das aus dem Eon-Konzern abgespaltene Unternehmen, das mittlerweile zu 75 Prozent im Besitz des finnischen Energieversorgers Fortum ist, gehört zu den großen Kohleverstromern in Europa. Uniper betreibt das erst in diesem Jahr ans Netz gegangene Steinkohlekraftwerk Datteln 4.  Insgesamt betrieb der Konzern 2019 eine fossile Stromerzeugung mit einer Kapazität von rund 29.000 Megawatt.

Mit Ausnahme von Datteln 4 will Uniper seine anderen Kohlekraftwerke in Deutschland schrittweise bis 2025 abschalten. Bereits Ende des Jahres geht die erste Anlage vom Netz. Das Steinkohlekraftwerk Heyden 4 (875 Megawatt) hatte bei der ersten Stillegungs-Auktion der Bundesnetzagentur den Zuschlag erhalten. Heyden soll zum 1. Januar 2021 die kommerzielle Stromproduktion einstellen und am 1. Juli 2021 endgültig stillgelegt werden.

Fortum und Uniper präsentierten am Donnerstag erstmals eine gemeinsame Strategie. Die früheren Uniper-Manager hatten sich lange gegen eine Übernahme durch die Finnen gewehrt. Jetzt soll gemeinsam daran gearbeitet werden, spätestens bis 2050 im Gesamtkonzern und spätestens 2035 in der europäischen Stromerzeugung klimaneutral zu sein. Als Zwischenschritt solle die Erzeugungskapazität aus Kohlekraftwerken bis Ende 2025 auf weniger als die Hälfte reduziert werden, sagte Fortum-Präsident Markus Rauramo laut Mitteilung.

Für die Umweltorganisation Urgewald ist die neue Strategie von Fortum und Uniper enttäuschend. Fortum bekenne sich nicht zu einem Kohleausstieg 2030, wie er für die Einhaltung des Pariser Abkommens notwendig wäre, kritisiert Sebastian Rötters, Energie-Campaigner bei Urgewald. "Vielmehr hält der Konzern daran fest, das Skandalkraftwerk Datteln 4 bis 2038 betreiben zu wollen. Für die russischen Kohlekraftwerke nennt Fortum kein konkretes Abschaltdatum, sondern stellt gar nur eine Konversion 'over time' in Aussicht." Darüber hinaus halte Fortum, so Rötters weiter, die Erzählung von fossilem Gas als Brückentechnologie aufrecht. Auch Blutkohle und Fracking-Gas haben auch weiterhin ihren Platz bei Fortum/Uniper sicher, bemerkt Rötters.

jst/dpa

Nachdem Uniper seinen Gaskraftwerksblock in Irsching schon eingemottet hatte, führten niedrige Gaspreise und die Aussicht auf durch den Kohleausstieg steigende Strompreise zu einem Umdenken. Im Herbst 2019 ging der Block wieder offiziell ans Netz. (Copyright: Uniper)