Mobilität
26.11.2013

Unterwegs in die Zukunft

Foto: deposit

Stagnation in Europa, Wachstum in China und anderen Schwellenländern: So lassen sich die Perspektiven auf dem Automarkt zusammenfassen. Für die Industrie bedeutet das auch neue Geschäftschancen. Denn auch das Mobilitätsverhalten ändert sich.

Circa drei Millionen Autos werden pro Jahr in Deutschland zugelassen. Nur rund 500.000 Wagen kommen wirklich neu hinzu, der überwiegende Anteil sind Ersatz für ältere Modelle. Seit Jahren schon stagniert die Nachfrage nach Automobilen auf hohem Niveau. Ein Ende dieses Trends ist nicht in Sicht, schließlich schrumpft die Bevölkerung in Deutschland und in fast allen westeuropäischen Staaten.

Anzeige

In den Schwellenländern, vor allem auf dem weltgrößten Automarkt China, ist dagegen weiter mit Wachstum zu rechnen, auch wenn hier immer mehr lokale Regierungen wegen des gravierenden Abgasproblems immer stärker gegensteuern. Ein Treiber der Nachfrage dort ist der Zustrom der Bevölkerung in die Städte.

Anzeige

Wie sieht also die Mobilität im Jahr 2030 aus, in Deutschland, Europa oder China? Für die Autobauer sind derlei Prognosen für die Entwicklung der Modellpaletten von großer Bedeutung. Für BMW untersucht das zum Unternehmen gehörende Institut für Mobilitätsforschung (Ifmo) die Veränderungen auf dem Markt. Wir sehen in Deutschland einen Wandel im Mobilitätsverhalten, sagt Ifmo-Leiterin Irene Feiger und fügt hinzu: Die Wahl der Verkehrsmittel wird dynamischer.“ 

Will heißen: Wenn früher ein Pendler nur mit dem Auto fuhr, entscheidet er heute zwischen Alternativen: Fahrrad, Bus und Bahn, Carsharing oder doch der eigene Wagen. 

Mehr Verkehrsmittel für einen Weg

Vor allem bei jüngeren Menschen verliert das Auto als Statussymbol. Es geht darum, von A nach B zu kommen. Autobauer wie BMW und Daimler haben darauf bereits reagiert und etwa mit Drive Now und Car to Go eigene Carsharing-Töchter gegründet, die vor allem auf junge, städtische Kunden zielen. Wir sprechen damit eine völlig neue Zielgruppe an, sagt BMW-Vorstand Peter Schwarzenbauer. Kunden unter 35 Jahren gehörten normalerweise nicht zu den klassischen BMW-Käufern, räumt er ein. 

Der Autobauer nutzt seine stetig wachsende Carsharing-Flotte auch dazu, seine elektrischen Modelle auf die Straße zu bringen. Dahinter steckt Kalkül. Ich gehe davon aus, dass wir langfristig in Städten nur noch Elektroautos sehen werden.

Der Wandel im Mobilitätsverhalten bietet auch anderen Unternehmen, wie etwa der Deutschen Bahn, neue Chancen. Die starren Grenzen zwischen den Verkehrsträgern lösen sich, sagt Bahnvorstand Ulrich Homburg. Die Bahn betreibt seit einigen Jahren eigene Carsharing- und Mietfahrrad-Flotten und vernetzt diese mit seinen Zugangeboten.

Offenbar mit Erfolg. Die Zahl der Passagiere stieg im vergangenen Jahr um fünf Prozent, obwohl die Zahl der durchschnittlich pro Kopf gefahrenen Kilometer gleich geblieben ist. Wir sehen noch weiteres Wachstumspotenzial, frohlockt Homburg.

Nachholende Entwicklung in Schwellenländern?

Lässt sich das veränderte Mobilitätsverhalten im Industrieland Deutschland auf Schwellenländer wie China oder Indien übertragen. Aus Klimaschutzsicht wäre dies wünschenswert. Denn eine im Vergleich zu Industriestaaten ähnliche Anzahl von Autos pro Kopf in diesen Ländern mit ihrer Milliardenbevölkerung wäre aus Klimaschutzsicht kaum tragbar.

Andreas Kopp, bei der Weltbank als Ökonom für das Thema Transport zuständig, gibt sich optimistisch, dass es in China bei der Mobilität keine nachholende Entwicklung geben wird. Die Behörden dort haben mittlerweile erkannt, dass der drohende Verkehrskollaps auch das Wirtschaftswachstum beeinträchtigt.

 

 

 

Karsten Wiedemann
Keywords:
E-Mobilität | Deutschland | China | USA | Autos | Zulassungen
Ressorts:
Markets

Neuen Kommentar schreiben

 

Newsletter bestellen – Wunschausgabe erhalten

Jetzt den wöchentlichen
Newsletter bizz energy weekly abonnieren
und eine Ausgabe
Ihrer Wahl kostenlos erhalten.

Hier geht es zur Aktion!

 
 

bizz energy Research

Energie, Digitalisierung und Mobilität.
Unsere Factsheets bieten visualisierte Daten, liefern Fakten und stellen Zusammenhänge zu den Top-Themen der Energiewende dar.


Mehr Informationen