Stromerzeugung
09.11.2018

USA legen immer mehr Kohlekraftwerke still

Foto: CC/U.S. Air National Guard Master Sgt. Culeen Shaffer
Donald Trump auf einer Wahlkampfveranstaltung in Pennsylvania im April 2017. Trotz der Kohlepräferenz des US-Präsidenten werden inzwischen immer mehr Kohlekraftwerke in den USA aus dem Betrieb gnommen.

Es steht schlecht um die von US-Präsident Donald Trump gehätschelte Kohleindustrie. Viele ihrer veralteten Kraftwerke haben keine Chance gegen billiges Fracking-Gas und erneuerbare Energien. Die Zahl der Schließungen erreicht 2018 einen Rekord.

Das US-amerikanische Forschungsinstitut Institute for Energy Economics and Financial Analysis (IEEFA) hat die jüngsten Daten und Ankündigungen der Energievorger in den USA ausgewertet: Ende 2018 werden 22 Stromerzeuger binnen eines Jahres 44 Kohlekraftwerksblöcke mit einer Kapazität von 15,4 Gigawatt stillgelegt haben. Damit wird der bisherige Abschaltrekord von 14,7 Gigawatt aus dem Jahr 2015 übertroffen.

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Die Ursachen sind technischer und wirtschaftlicher Natur. Wie IEEFA-Analyst Seth Feaster berichtet, ist der US-Kohlekraftwerkspark zu großen Teilen veraltet. Viele Anlagen stammen aus den Fünfziger- und Sechzigerjahren und stehen am Ende ihres technischen Lebenszyklus. Die Mehrheit ist mehr als  40 Jahre alt. Aber auch Kohlekraftwerke, die zwischen 1980 und 2000 in Betrieb genommen wurden, hätten kaum eine wirtschaftliche Chance gegen moderne und flexible Gaskraftwerke. Denn diese könnten aufgrund des Fracking-Booms in den USA auch in den kommenden Jahren auf billiges Gas zugreifen.

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Auch die stetig wachsenden erneuerbaren Energien, bei denen technischer Fortschritt mit sinkenden Anlagenpreisen einhergeht, mache die Kohlekraft zunehmend unattraktiver. (Lesen Sie auch: USA verstromen im 1. Halbjahr 2018 weniger Kohle)

Die bereits angekündigten Stilllegungen der US-Versorger summieren sich für die Jahre 2018 bis 2024 auf 117 Kraftwerksblöcke mit 36,7 Gigawatt Leistung. Das bedeutet, dass die heutige Kohlekraftwerksleistung von 246 Gigawatt bis 2024 um 15 Prozent sinkt. Feaster glaubt aber, dass die Zahl der Kraftwerksschließung – ähnlich wie 2018 – kurzfristig deutlich steigen kann.

Bergbauunternehmen in Not

Allein durch die Insolvenz des Energieerzeugers First Energy Solutions im August 2018 kamen zwei Kohlekraftwerksblöcke in Pennsylvania und Ohio kurzfristig auf die Streichliste, betont das IEEFA. Die Stilllegungen kosten nicht nur die Kohlestromerzeuger Jobs, sondern auch die Kohleminenbetreiber. So beantragte Westmoreland Coal am 9. Oktober 2018 Insolvenz. Auch das Bergbauunternehmen Murray Energy, das jährlich 6,5 Millionen Tonnen Kohle an First Energy Solutions liefert, drohte lautstark mit Insolvenz. Inzwischen heißt es bei Murray, man wolle mit einer Umschuldung und der Suche nach neuen Abnehmern eine Insolvenz abwenden.

Nach Statistiken der Behörde US Energy Information Administration hat die Kohle in den vergangenen Jahren ihre Position als wichtigster Energieträger für die Stromerzeugung an das Erdgas verloren. Die USA erzeugen derzeit ihren Strom zu 35 Prozent mit Gas und zu elf Prozent mit Wind- und Solaranlagen. Der Kohleanteil am Strom wird 2019 auf 27 Prozent sinken – nach 39 Prozent im Jahr 2014.

„Zombies" im Kraftwerkspark

IEEFA-Analyst Feaster erwartet, dass sich dieser Trend fortsetzt. Es würden stetig neue Gaskraftwerke und vor allem Photovoltaik- und Windkraftanlagen errichtet, während keine nennenswerten Neubaupläne für die Kohlekraft bekannt seien. Zudem gebe es unter den Kohlekraftwerken zahlreiche „Zombies“, sagt Feaster. Diese stünden zwar offiziell noch zur Stromerzeugung zur Verfügung, würden von ihren Betreibern aber kaum noch genutzt.

Das Forschungsinstitut IEEFA wird mit privaten Mitteln finanziert und hat eine Ausrichtung auf nachhaltige Energiepolitik. Unter seinen Geldgebern sind Stiftungen wie der Rockefeller Family Fund, die Energy Foundation und die William and Flora Hewlett Foundation.

 

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Thomas Bauer
Keywords:
Kohlekraftwerk | Donald Trump | USA | Erdgas
Ressorts:
Markets

Kommentare

Jeder muss einsehen, dass Kraftwerke mit Betriebskosten keine Chance haben gegen Kraftwerke ohne Betriebskosten.

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