Elektromobilität
22.08.2018

USA: Robotertaxis werden elektrisch

Foto: Jaguar
Google-Schwester Waymo will 20.000 elektrische Jaguar i-Pace in ihre selbstfahrende Flotte integrieren.

Sie sind längst keine Utopie mehr: Roboterautos finden den Weg in die Stadt, vor allem in den USA. Auch die Energiewirtschaft wird von den autonomen Fahrzeugen revolutioniert.

Seite 1Seite 2Seite 3nächste Seite

Die Zukunft ist in Las Vegas schon angekommen: Abenteuerlustige Touristen können sich seit Mai am McCarren-Airport auf Wunsch beim Taxi-Anbieter Lyft ein Robotertaxi ordern und fahrerlos ins Herz der Sündenmetropole chauffieren lassen. Derzeit sind die Fähigkeiten der vorerst 30 Roboter-Fahrzeuge von BMW mit der technischen Plattform des Technologieunternehmens Aptiv noch limitiert.

Anzeige

Sie pendeln zwischen dem Flughafen und beliebten Hotels auf dem Strip. Außerdem ist immer noch ein Sicherheitsfahrer an Bord, der zur Not beherzt ins Steuer greifen kann. Erst im Laufe der Zeit werden sie in Vorstädten, abgelegenen Querstraßen oder gar in der Wüste fahren. Viel hängt davon ab, wie schnell die gewonnenen Daten aus dem Experiment die Sicherheit verbessern.

Anzeige

Robo-Cars verlassen ihr Testumfeld

Der Softwareentwickler Drive.ai schickt seit Juli an selbstfahrende Minivans im texanischen Frisco auf die Straßen. In Kooperation mit der Stadtverwaltung wird ebenfalls eine Art limitierter Pendeldienst eingerichtet: zunächst mit Sicherheitsfahrer, später ohne. Für die ersten sechs Monate ist die Fahrt im Robotaxi kostenfrei. Auch wenn das noch nicht die grenzenlose Freiheit ist, die sich viele wünschen und die manche fürchten – die kleinen Testinseln sind Meilensteine auf dem Weg in neue Mobilitätswelten. Denn die Robo-Cars verlassen ihr Testumfeld und mischen sich unters Volk.

Außerdem sind sie ein wichtiger Schritt, um verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen. Am 27. März ereignete sich in Arizona ein dramatischer Unfall: Eine Frau, die nachts ihr Fahrrad über eine Ausfallstraße schob, tauchte plötzlich im Scheinwerferlicht eines umgebauten, autonom fahrenden Volvo-SUV des Fahrdienstes Uber auf. Wie man heute weiß, erkannte dessen Software das „Hindernis“  zwar, wertete es aber als Fehlalarm und leitete weder Ausweich- noch Bremsmanöver ein. Die Frau starb noch am Unfallort.

Toyota baut Testparcours

Das Unglück hinterließ tiefe Spuren in einer Industrie, die bis dahin vor Selbst- und Sendungsbewußtsein nur so strotzte. Angetreten mit der Überzeugung, Computer hinterm Steuer würden die Welt sicherer machen, steht sie plötzlich mit dem Rücken zur Wand. Zumal eine Woche nach dem Unfall in Arizona ein Tesla Model X im Auto-Modus in einen Fahrbahnteiler im kalifornischen Silicon Valley raste. Der Wagen wurde zerfetzt und brannte aus, der Fahrer starb im Wrack. Tesla zufolge konnte das Unglück nur deshalb passieren, weil der Sicherheitsfahrer nicht – wie vorgeschrieben – rechtzeitig eingriff. Warum die Software das Fahrzeug auf die Betonwand zusteuerte, kommentierte Tesla nicht. Die Ermittlungen der US-Aufsichtsbehörden laufen noch, doch der Imageschaden ist da.

Der japanische Autobauer Toyota zog nach dem Unfall in Arizona Konsequenzen: Er stellte seine Tests auf öffentlichen Straßen ein und baut in Michigan einen Testparcours, auf dem „grenzwertige Verkehrssituationen“ nachgestellt werden können, deren Simulation im normalen Straßenverkehr zu gefährlich wäre. Die japanischen Robo-Cars werden durch nachgebildete verstopfte Innenstädte zirkeln, über rutschige Straßen schlittern oder sich auf einem vierspurigen Highway-Stück in den Verkehr einfädeln. Die Google-Schwester Waymo übt auf einem abgeschotteten Terrain in Zentralkalifornien, der Fahrdienst Uber will sein Testgelände von Tempe in Arizona auf ein Gelände in Pittsburgh verlegen.

Autonome Autos fahren selbsttätig zum Laden

Wenn das Vertrauen in die fahrenden Computer wiederhergestellt ist, wird der zweite, logische Schritt folgen: Die Verbindung von autonomen Fahrzeugen und Elektromobilität. Ein kraftstoffbetriebenes, selbstfahrendes Auto braucht immer noch einen Menschen zum Tanken. Autonome E-Autos hingegen können selbsttätig zu Ladestationen fahren oder in ferner Zukunft kabellos laden. Je einfacher das Laden wird, desto schneller sinkt die Hemmschwelle der Nutzer und Käufer.

Seite 1Seite 2Seite 3nächste Seite
Keywords:
Elektromobilität | autonomes Fahren | USA | Roboterautos | Google | Waymo | Daimler
Ressorts:
Governance | Technology | Markets

Neuen Kommentar schreiben

 

bizz energy – Herbst 2018

Die aktuelle Ausgabe gibt es ab dem 03.09.2018 bei unserem Abonnentenservice unter bizzenergy@pressup.de sowie als E-Paper bei iKiosk oder Readly.

 
 

bizz energy Research

Energie, Digitalisierung und Mobilität.
Unsere Factsheets bieten visualisierte Daten, liefern Fakten und stellen Zusammenhänge zu den Top-Themen der Energiewende dar.


Mehr Informationen