Energiekonzern
23.07.2013

Vattenfall muss Milliarden abschreiben

Vattenfall
Zentrale von Vattenfall Europe in Berlin

Durch zusätzliche Kostensenkungen, die Aufsplittung in zwei Unternehmensteile und Abschreibungen in Höhe von 3,5 Milliarden Euro will sich der schwedische Energiekonzern in Krisenzeiten wieder auf Kurs bringen. Trotzdem deutet sich ein Rückzug aus Deutschland an.

Vattenfall schreibt für das abgelaufene Quartal 3,5 Milliarden Euro (29,7 Milliarden Schwedische Kronen) seiner Vermögenswerte ab. Damit steigt das operative Ergebnis (Gewinn vor Steuern und Zinsen) um 3,3 Prozent auf knapp zwei Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2013 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Zufrieden ist die Unternehmensspitze dennoch nicht. „Es wiegt natürlich schwer, Abschreibungen in dieser Größenordnung vornehmen zu müssen“, erklären Aufsichtsratschef Lars Nordström und CEO Øystein Løseth gemeinsam. „Doch sie spiegeln unsere aktuelle Realität wider.“ 

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Von den Wertminderungen betroffen sind Gas- und Kohlekraftwerke in den Niederlanden (1,7 Milliarden Euro) und Deutschland (480 Millionen Euro), Blockheizkraftwerke in Skandinavien (knapp 300 Millionen Euro) und Firmenwerte aus dem Handelsgeschäft (knapp 800 Millionen Euro).

Neue Strategie gegen Marktschwäche

Vattenfall plant außerdem eine Umstrukturierung, die laut Beobachtern auch auf einen Rückzug aus Deutschland und andere europäische Länder hindeutet. Zum 1. Januar 2014 möchte sich der Konzern in eine skandinavische und eine kontinental­europäische Einheit inklusive Großbritannien aufsplitten. Offiziell wollen die Schweden mit diesem Schritt größere finanzielle und strategische Flexibilität erzielen. „Die neue Struktur ermöglicht jeder Region, sich auf ihre jeweiligen Hauptthemen zu konzentrieren“, erklärt Nordström.

Ähnlich wie die deutschen Energieriesen EnBW, Eon oder RWE, hat auch der schwedische Konzern mit trüben Marktaussichten vor allem in Europa zu kämpfen: An den Strombörsen fallen die Preise immer weiter und drücken die Gewinne. Gleichzeitig nimmt die Konkurrenz bei den erneuerbaren Energien weiter zu.

Seinen Sparkurs setzt Vattenfall indessen verstärkt fort. So sollen die Kosten im kommenden Jahr um fasst 300 Millionen Euro gesenkt werden, bisher waren lediglich 175 Millionen Euro anvisiert. Seit 2010 hat Vattenfall nach eigenen Angaben seine Kosten jährlich um rund etwa 880 Millionen Euro gesenkt. 

2002 hatte Vattenfall den größten ostdeutschen Kraftwerkskonzern Veag und den Braunkohleförderer Laubag sowie die Hamburgischen Electricitäts-Werke (HEW) übernommen. Später folgte die Übernahme des Berliner Stromversorgers Bewag.

 

Daniel Seeger
Keywords:
Vattenfall | Energieversorger | Lars Nordström | Øystein Løseth | International
Ressorts:
Markets

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