Studie
17.07.2019

VDE für gleiche Förderung von Batterie und Brennstoffzelle im Schienenverkehr

Foto: iStock
Weichenstellung: Es gibt verschiedene klimaneutrale Alternativen zum Dieselzug im Schienennahverkehr.

Eine Studie des Verbands der Elektrotechnik zeigt Möglichkeiten, den Bahnverkehr trotz Elektrifizierungslücken mit erneuerbaren Energien zu gestalten.

Mit einer gleichberechtigten Förderung von Batterie und Brennstoffzelle könnten die Bahnen nach und nach aus dem fossilen Zeitalter aussteigen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Verbands der Elektrotechnik, Elektronik, Informationstechnik (VDE). Im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums begab sich der Verband auf die Suche nach Alternativen zum Dieselantrieb im Zugverkehr.

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Zu Beginn der Bahnreform 1994 reichte das deutsche Bahnnetz der Länge nach gemessen noch fast rund um den Erdball. Viele Strecken wurde mittlerweile stillgelegt. Doch mit 33.500 Kilometern Länge zählt das Netz noch immer zu einem der dichtesten auf der Welt. Die Bahn soll zwar ab 2038 nur noch mit Ökostrom fahren. Doch dieses Ziel gilt bisher nur für die elektrifizierten Strecken. 40 Prozent des Netzes, oft handelt es sich um wenig genutzte Nebengleise, können nur mit Dieselloks befahren werden. „Gut ein Drittel der in Deutschland gefahrenen Zugkilometer werden von Dieselzügen erbracht“, heißt es in der Studie.

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Laut Untersuchung ist die Elektrifizierung aller Strecken zwar die sinnvollste, zugleich aber auch eine sehr kostenintensive Lösung. Auf bis zu zwei Millionen Euro pro Kilometer beziffert der VDE den finanziellen Aufwand. Dazu kommen noch hohe Wartungskosten. Angesichts der notwendigen Planfeststellungsverfahren hält der Verband eine Nachrüstung mit Oberleitungen für zeitlich nicht machbar. Stattdessen sollten die Bahnunternehmen die Antriebsarten je nach Strecke variieren.

„Elektrifizierungsinseln“ zum Nachladen der Batterien

Die Fachleute plädieren für eine Kombination aus Elektrotriebwagen, die durch eine Oberleitung mit Fahrstrom versorgt werden, batteriebetriebenen Zügen und Brennstoffzellenfahrzeugen. Hybridantriebe schließen die befragten Experten aus. „Angesichts der beschlossenen Dekarbonisierung des Verkehrs bis 2050 wäre diese Investition eine teure Übergangslösung. Stattdessen sollen Batterieantriebe auf Trassen eingesetzt werden, deren Lücken bei der Elektrifizierung zwischen 40 und 80 Kilometern liegen. Die Fahrbatterie wird dann von der Oberleitung wieder aufgefüllt, sobald die Lücke durchfahren worden ist.

Bei größeren Distanzen ohne Stromversorgung könnten demnach „Elektrifizierungsinseln“ zum Nachladen der Batterien geschaffen werden. Wo gar kein Fahrstrom fließt oder die Abstände zwischen den Oberleitungen größer sind als 80 Kilometer, sieht der VDE die Brennstoffzelle als geeignete Antriebsart. „Notwendig ist hierfür allerdings ein Wasserstoff-Tankstellennetz, dessen Betrieb eine funktionierende Wasserstofferzeugungsindustrie voraussetzt“, schreiben die Autoren. Der Verband plädiert für eine intensive Förderung alternativer Antriebskonzepte bis zur Serienreife der Fahrzeuge. „Das Risiko ihrer Umsetzung muss mit politischer Unterstützung abgemildert werden, fordert der VDE.

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Wolfgang Mulke
Keywords:
Wasserstoff | Brennstoffzellenzug | Schienenverkehr
Ressorts:
Technology

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