Erneuerbare Energien
18.09.2014

Verbände im Wettstreit: Windchef Albers bläst zum Gegenangriff

BWE
BWE-Präsident Hermann Albers

Windpräsident Hermann Albers will die Lobby-Arbeit der erneuerbaren Energien deutlich schlagkräftiger machen, um Angriffe der Konkurrenz abzuwehren. Der Dachverband BEE soll mehr Geld erhalten und die Branche nicht nur Subventionen fordern, sondern Systemverantwortung übernehmen.

In der Energiebranche bahnt sich ein hart geführter Konflikt unter den Berliner Lobbyisten an - sie ringen angesichts der Umwälzungen durch die Energiewende um den zukünftigen Vertretungsanspruch. Hermann Albers, Präsident des einflussreichsten Verbandes der Grünstrom-Branche, des Bundesverbands Windenergie (BWE), will die zersplitterten Kräfte der Öko-Energie-Vertreter bündeln und insbesondere den Stadtwerke-Verband VKU angreifen und die Attacken des Platzhirschen BDEW, des größten und einflussreichsten Energieverbandes in Deutschland, abwehren. In einem Brief von Albers, der in der Branche derzeit die Runde macht und BIZZ energy today vorliegt, skizziert Albers, wie sich die Erneuerbaren-Energien-Vertreter, die in 29 Fachverbände aufgeteilt sind, neu organisieren müssen, um weiter Marktanteile zu gewinnen. Sie müssten ihre Kräfte, so Albers, viel stärker im BEE, dem Bundesverband Erneuerbare Energie, bündeln. Der Dachverband gilt derzeit als relativ schwach und unterfinanziert. Ansonsten spalten sich die erneuerbaren Energien in den BDEW, den VKU und die Erneuerbaren-Fachverbände auf. Damit würden wir dramatisch an Einfluss verlieren. Das können wir verhindern!, schreibt Albers.

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Der BDEW, in dem auch die Energieriesen und Atomkraftwerksbetreiber Eon, RWE, EnBW und Vattenfall Mitglied sind, hatte vor knapp zwei Jahren eine Staabsstelle für erneuerbare Energien eingerichtet und erklärte die Vertretung der erneuerbaren Energien zur Chefsache. Der Verband wirbt um Mitglieder aus der Branche und geht in letzter Zeit, wie Branchenvertreter beobachtet haben, immer offensiver auf die Unternehmen zu. Zu den Mitgliedern des BDEW zählen bereits Ökostrom-Unternehmen wie Clean Energy Sourcing und Belectric. Albers sieht die Entwicklung besorgt: Viele wichtige Mitglieder reagieren bereits heute auf diese Strukturschwäche und sind auch zusätzlich Mitglieder im BDEW oder dem VKU geworden. Nur eine Reform könne den weiteren Substanzverlust verhindern. Insbesondere bei den VKU-Mitgliedern könne der BEE hingegen noch deutlich zulegen, erwartet Albers. Moderne kleine und mittlere VKU-Unternehmen wollen unsere Partnerschaft. Diese sollten wir in unseren EE-Verbänden organisieren. Dann werden viele VKU-Unternehmen auch Mitglied, schreibt Albers. Er schätzt, dass etwa die Hälfte der VKU-Mitglieder auch zu den Grünstrom-Verbänden kommen könnte.

Der BEE muss aus Sicht von Albers allerdings an Stärke gewinnen, um konkurrenzfähig zu bleiben. Die Politik hat uns zu Recht signalisiert, dass man unsere schlecht koordinierte Arbeit nicht mehr akzeptiert, so Albers. Der BEE, wo er selbst Vizepräsident ist, habe bereits eine Studie in Auftrag gegeben, die ausloten soll, wie die Arbeit der Mitgliedsverbände des BEE finanziell und strukturell zusammengeführt werden kann. Albers will also mehr Geld für den BEE. Dass er dies verklausuliert ausdrückt, deutet bereits an, dass hier ein großes Hindernis für seinen Reformvorschlag liegen könnte. Große Fachverbände wie der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) und der Fachverband Biogas kämpfen derzeit mit zahlreichen Pleiten in ihren Branchen und müssen deshalb mit Ausfällen bei den Einnahmen zurechtkommen. Ob in dieser Situation tatsächlich die Bereitschaft besteht, dem BEE mehr Geld zu überlassen, könnte in Frage stehen. Albers' Windverband BWE hingegen steht relativ stark da. 2014 wird wohl ein Rekordjahr beim Ausbau der Windenergie. Der BEE soll zudem erweitert werden, das Präsidium soll um einen Posten für erneuerbare Wärme und einen Vertreter der grünen Mobilität wachsen.

Neben der Stärkung des Dachverbands verlangt Albers auch eine inhaltliche Neuausrichtung der Grünstrom-Vertreter. Die Frage des zukünftigen Marktdesigns müsse gelöst werden. Ansonsten würde die Politik daraus schließen, dass die Erneuerbaren nicht in der Lage seien, die zukünftige Versorgung zu übernehmen. Die Fachverbände, auch Albers' BWE, müssten neue Allianzen schließen, um nicht nur als Subventions-Verhandler dazustehen. So sei zum Beispiel eine Allianz mit den Betreibern moderner Blockheizkraftwerke, die mit Gas befeuert werden, denkbar - zumindest solange, bis die Erneuerbaren das System selbst tragen können. Auch mit industriellen, dezentralen Abnehmern solle die Arbeit vertieft werden und die Transformation hin zu mehr Markt im Grünstrombereich müsse aktiver angegangen werden.

 

 

 

Jakob Schlandt
Keywords:
BDEW | VKU | BWE | BEE | BSW | erneuerbare Energien
Ressorts:
Governance | Community

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