Energiepolitik
18.12.2013

Verbände-Phalanx gegen intelligente Stromzähler

Foto: Hager Vertriebsgesellschaft

Die Unternehmensverbände im Strommarkt wenden sich gegen die flächendeckende und verpflichtende Einführung von intelligenten Zählern. Dies geht aus Stellungnahmen einer nicht-öffentlichen Anhörung im Wirtschaftsministerium hervor, die BIZZ energy today exklusiv vorliegen.

Die Phalanx der Verbände umfasst auch die beiden Schwergewichter der Branche, den Bundesverband der Elektrizitäts- und Wasserwirtschaft (BDEW) sowie den Stadtwerke-Verband VKU. 

Anzeige

Hintergrund ist, dass im Sommer ein Gutachten von Ernst & Young (E&Y) im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums einen Roll-Out-Plan für intelligente Zähler vorlegte. Das Bundeswirtschaftsministerium hat vor, den Plan der Unternehmensberater weitgehend zu übernehmen. Demnach ist vorgesehen, bei größeren Stromverbrauchern (ab 6000 Kilowattstunden Verbrauch pro Jahr) und Betreibern von Solaranlagen bis 2018 einen aufwändiges intelligentes Messsystem einzubauen. Kleinere Verbraucher sollen nach und nach bis 2029 einen intelligenten Zähler erhalten.
 
Zahlen sollten alle
 
Wirbel verursachte vor allem, dass auch Haushalte, die noch gar keinen Smart Meter eingebaut bekommen haben, acht Euro pro Jahr zahlen sollten. Dieser Vorschlag wurde schnell wieder kassiert. Doch das Wirtschafstsministerium hält bislang grundsätzlich am Ausbau-Plan von E&Y fest, dessen Umsetzung im Frühjahr beschlossen und kurz darauf gestartet werden soll.
 
Der BDEW übt in seiner Stellung vor allem ausführlich Kritik an der Unvollständigkeit der Berechnungen. Acht Kostenposten seien nicht berücksichtigt, darunter Anlauf- und Zertifizierungskosten, IT-Sicherheit, Disposition, Monitoring und Pilotvorhaben. zu niedrig angesetzt seien die Hardware- und Montagekosten sowie die Reparaturquote. Der Verband rechnet damit, dass viel häufiger als geplant ein besonders teures Messsystem statt nur ein Zähler eingebaut werden muss.
 
Kosten deutlich zu niedrig angesetzt
 
Ein Knackpunkt ist zudem die Verbindung zwischen dem intelligenten Zähler, der häufig im Keller untergebracht ist, und dem von E&Y verpflichtend vorgesehen Display, auf dem unter anderem der Verbrauch überwacht werden kann. Die Kosten dafür seien deutlich zu niedrig angesetzt, kritisiert der BDEW in dem Papier. Von einer Einbauverpflichtung sei abzusehen", fordert der Verband.
 
Der Verband Kommunaler Unternehmen (VKU) zweifelt ebenfalls massiv an den veranschlagten Kosten. Die Spar-Variante, also die intelligenten Zähler, kosten laut VKU-Schätzung 71 statt 40 Euro pro Jahr, wie aus den Unterlagen hervorgeht. Mehrkosten seien Austausch, Wartung und Installation des vorgeschriebenen Displays sowie die Inhouse-Kommunikation. Bei der großen Variante, dem intelligenten Messsystem, hätten drei Mitgliedsunternehmen des Verbands sogar eine Kostensteigerung von 90 auf 170 Euro pro Jahr festgestellt.
 
Annahmen gehen an der Realität vorbei
 
Die Stellungnahme des VKU zeigt darüber hinaus exemplarisch, wie weit die Annahmen von an der Realität in Deutschlands Kellern und Zählerräumen vorbeigehen. Geplant ist, dass alle intelligenten Zähler mit einem Display in der Wohnung verbunden werden müssen, der den Verbrauch anzeigt. Nur so lässt sich überhaupt das geringe Stromeinsparungspotenzial von einigen Prozent voll heben. Jedoch: Die Kosten dafür sind hoch. Unter Umständen müssen dafür zum Beispiel neue Kabel verlegt werden. Der VKU geht von Einbaukosten allein für das Display von bis zu 90 Euro aus, während im Roll-Out-Plan lediglich mit bis zu 25 Euro kalkuliert wird.
 
Ein weiteres heißen Eisen: Für den Einbau der neuen Zähler sind häufig Umbauarbeiten nötig. Dazu hat der Netzbetreiber allerdings kein Recht, der Hauseigentümer muss den Zugang freiwillig gewähren. Darüber müsse es eine gesetzliche Klärung geben, verlangt der VIK. Für die Versorger ist möglicher Widerstand gegen den Einbau nicht nur ein mögliches Image-Problem, sondern auch ein unkalkulierbares Risiko. Der VKU fordert deshalb die gesetzliche Klärung über die Rechte und Pflichten bei der notwendigen Mitwirkung von Hauseigentümern. Erst dann kann eine seriöse Abschätzung der dort anfallenden Kosten erfolgen“.
 
Verbraucherzentrale kritisiert Einbauzwang
 
Widerstand könnte auch von hunderttausenden kleinen Solaranlagenbetreibern kommen, für die der Einbau der teuren Variante bis 2018 zur Pflicht würde. Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) fordert: Erneuerbare Energien-Anlagen sollten nicht in das Roll-Out einbezogen werden, heißt es in der Stellungnahme. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV) hatte den Zwang zum Smart Meter bereits massiv öffentlich kritisiert. Die Zusatzkosten seien laut Stellungnahme in Zeiten steigender Strompreise schwer vermittelbar, der Rollout drohe zum Selbstzweck zu werden und gefährdet die Aktzeptanz der Energiewende.
 
Der Bundesverband Neuer Energieanbieter (BNE) hält die Darstellungen von Ernst & Young hinsichtlich der Kosten für nicht ausreichend. Sie sei zum Teil nicht nachvollziehbar und die Werte in den Augen vieler Marktteilnehmer sehr niedrig. Lediglich der Verband der Elektroindustrie (ZVEI) äußerte sich nicht negativ.
 
Intelligente Zähler würden einigen der in den Verbänden organisierten Mitgliedsunternehmen gute  Umsätze bescheren. Der breite Widerstand ist daher besonde

Anzeige

ie Phalanx der Verbände umfasst auch die beiden Schwergewichter der Branche, den Bundesverband der Elektrizitäts- und Wasserwirtschaft (BDEW) sowie den Stadtwerke-Verband VKU. 

Hintergrund ist, dass im Sommer ein Gutachten von Ernst & Young (E&Y) im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums einen Roll-Out-Plan für intelligente Zähler vorlegte. Das Bundeswirtschaftsministerium hat vor, den Plan der Unternehmensberater weitgehend zu übernehmen. Demnach ist vorgesehen, bei größeren Stromverbrauchern (ab 6000 Kilowattstunden Verbrauch pro Jahr) und Betreibern von Solaranlagen bis 2018 einen aufwändiges intelligentes Messsystem einzubauen. Kleinere Verbraucher sollen nach und nach bis 2029 einen intelligenten Zähler erhalten.
 
Zahlen sollten alle
 
Wirbel verursachte vor allem, dass auch Haushalte, die noch gar keinen Smart Meter eingebaut bekommen haben, acht Euro pro Jahr zahlen sollten. Dieser Vorschlag wurde schnell wieder kassiert. Doch das Wirtschafstsministerium hält bislang grundsätzlich am Ausbau-Plan von E&Y fest, dessen Umsetzung im Frühjahr beschlossen und kurz darauf gestartet werden soll.
 
Der BDEW übt in seiner Stellung vor allem ausführlich Kritik an der Unvollständigkeit der Berechnungen. Acht Kostenposten seien nicht berücksichtigt, darunter Anlauf- und Zertifizierungskosten, IT-Sicherheit, Disposition, Monitoring und Pilotvorhaben. zu niedrig angesetzt seien die Hardware- und Montagekosten sowie die Reparaturquote. Der Verband rechnet damit, dass viel häufiger als geplant ein besonders teures Messsystem statt nur ein Zähler eingebaut werden muss.
 
Kosten deutlich zu niedrig angesetzt
 
Ein Knackpunkt ist zudem die Verbindung zwischen dem intelligenten Zähler, der häufig im Keller untergebracht ist, und dem von E&Y verpflichtend vorgesehen Display, auf dem unter anderem der Verbrauch überwacht werden kann. Die Kosten dafür seien deutlich zu niedrig angesetzt, kritisiert der BDEW in dem Papier. Von einer Einbauverpflichtung sei abzusehen", fordert der Verband.
 
Der Verband Kommunaler Unternehmen (VKU) zweifelt ebenfalls massiv an den veranschlagten Kosten. Die Spar-Variante, also die intelligenten Zähler, kosten laut VKU-Schätzung 71 statt 40 Euro pro Jahr, wie aus den Unterlagen hervorgeht. Mehrkosten seien Austausch, Wartung und Installation des vorgeschriebenen Displays sowie die Inhouse-Kommunikation. Bei der großen Variante, dem intelligenten Messsystem, hätten drei Mitgliedsunternehmen des Verbands sogar eine Kostensteigerung von 90 auf 170 Euro pro Jahr festgestellt.
 
Annahmen gehen an der Realität vorbei
 
Die Stellungnahme des VKU zeigt darüber hinaus exemplarisch, wie weit die Annahmen von an der Realität in Deutschlands Kellern und Zählerräumen vorbeigehen. Geplant ist, dass alle intelligenten Zähler mit einem Display in der Wohnung verbunden werden müssen, der den Verbrauch anzeigt. Nur so lässt sich überhaupt das geringe Stromeinsparungspotenzial von einigen Prozent voll heben. Jedoch: Die Kosten dafür sind hoch. Unter Umständen müssen dafür zum Beispiel neue Kabel verlegt werden. Der VKU geht von Einbaukosten allein für das Display von bis zu 90 Euro aus, während im Roll-Out-Plan lediglich mit bis zu 25 Euro kalkuliert wird.
 
Ein weiteres heißen Eisen: Für den Einbau der neuen Zähler sind häufig Umbauarbeiten nötig. Dazu hat der Netzbetreiber allerdings kein Recht, der Hauseigentümer muss den Zugang freiwillig gewähren. Darüber müsse es eine gesetzliche Klärung geben, verlangt der VIK. Für die Versorger ist möglicher Widerstand gegen den Einbau nicht nur ein mögliches Image-Problem, sondern auch ein unkalkulierbares Risiko. Der VKU fordert deshalb die gesetzliche Klärung über die Rechte und Pflichten bei der notwendigen Mitwirkung von Hauseigentümern. Erst dann kann eine seriöse Abschätzung der dort anfallenden Kosten erfolgen“.
 
Verbraucherzentrale kritisiert Einbauzwang
 
Widerstand könnte auch von hunderttausenden kleinen Solaranlagenbetreibern kommen, für die der Einbau der teuren Variante bis 2018 zur Pflicht würde. Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) fordert: Erneuerbare Energien-Anlagen sollten nicht in das Roll-Out einbezogen werden, heißt es in der Stellungnahme. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV) hatte den Zwang zum Smart Meter bereits massiv öffentlich kritisiert. Die Zusatzkosten seien laut Stellungnahme in Zeiten steigender Strompreise schwer vermittelbar, der Rollout drohe zum Selbstzweck zu werden und gefährdet die Aktzeptanz der Energiewende.
 
Der Bundesverband Neuer Energieanbieter (BNE) hält die Darstellungen von Ernst & Young hinsichtlich der Kosten für nicht ausreichend. Sie sei zum Teil nicht nachvollziehbar und die Werte in den Augen vieler Marktteilnehmer sehr niedrig. Lediglich der Verband der Elektroindustrie (ZVEI) äußerte sich nicht negativ.
 
Intelligente Zähler würden einigen der in den Verbänden organisierten Mitgliedsunternehmen gute  Umsätze bescheren. Der breite Widerstand ist daher besonders bemerkenswert – er stellt die gesamte Strategie der Bundesregierung beim Thema Smart Meter in Frage.
Jakob Schlandt
Keywords:
Smart Meter | Smart Grid | intelligente Stromzähler | Bundesregierung | VKU | BDEW | BNE | ZVEI | BEE
Ressorts:
Markets

Kommentare

Für Haushalte und Gewerbe gibt es inzwischen deutlich bessere Konzepte als Smart Meter: Die eigene Stromproduktion mit einer stromorientierten µKWK- oder PV-Anlage (z.B.lion-Powerblock). Dabei wird der Strom zeitgerecht so produziert, wie er im Haus benötigt wird. Unterstützt wird dies mit einer simplen Verbrauchserfassung im Zählerschrank und einer zugehörigen Funkbasierten Übermittlung an die Mikro-KWK-Anlage. Das ist einfach und benutzerfreundlich. Strom selbst gemacht, wenn man ihn braucht und nicht, wenn er billig oder teuer ist. Ein ähnliches Konzept verfolgt Fa. Kostal mit dem Piko-System: Nur soviel Strom aus dem PV-Batterie-System wie das Haus gerade braucht. Netzentlastung und Netzsystemdienstleistung sind dabei automatisch integriert. Infos:
http://www.kostal-solar-electric.com und www.powerblock.eu

Neuen Kommentar schreiben

 

Newsletter bestellen – Wunschausgabe erhalten

Jetzt den wöchentlichen
Newsletter bizz energy weekly abonnieren
und eine Ausgabe
Ihrer Wahl kostenlos erhalten.

Hier geht es zur Aktion!

 
 

bizz energy Research

Energie, Digitalisierung und Mobilität.
Unsere Factsheets bieten visualisierte Daten, liefern Fakten und stellen Zusammenhänge zu den Top-Themen der Energiewende dar.


Mehr Informationen