Überraschend neu sind die Forderungen nicht, die VKU-Geschäftsführerin Katherina Reiche und BVES-Geschäftsführer Urban Windelen in dieser Woche in Berlin präsentierten – der Tonfall aber hat sich deutlich verschärft: Bei der Energiewende sei erst die „Hälfte des Weges“ geschafft und mehr Windräder und ein paar Photovoltaikzellen zusätzlich würden nicht ausreichen, beschwerte sich die ansonsten eher zurückhaltende Chefin des Verbandes Kommunaler Unternehmen. Dafür genüge schon ein Blick in die jüngste Windkraftausschreibung, bei der von 650 möglichen Megawatt nur 250 tatsächlich gebaut werden.

Urban Windelen vom Speicherverband BVES konstatierte seinerseits, dass bereits die Hälfte der Legislatur herum sei. „Wenn wir irgendwie noch etwas Substantielles erreichen wollen, müssen wir jetzt loslegen“, sagte er in Richtung Bundespolitik.

"Strom ist im Vergleich zu teuer"

Seiner Branche gehe es dabei noch gut. 2018 habe sie erstmals einen Umsatz von mehr als fünf Milliarden Euro erzielt. Am stärksten wachse das Segment Industriespeicher – sowie das Auslandgeschäft, weil es hierzulande keinen funktionierenden Markt für Speicher und Power-to-X-Lösungen gebe.

Wie die Energiewende wieder Fahrt aufnehmen kann, führte VKU-Chefin Reiche in fünf Punkten aus. Zunächst müsse die Finanzierung eine neue Basis erhalten. „Strom ist im Vergleich zu anderen Energieträgern zu teuer“, sagte sie.

"Sektorkopplung regional oder lokal etablieren"

Desweiteren gehöre eine eigene Speicherdefinition ins Energierecht. Derzeit, so Reiche, seien die Speicher rechtlich entweder Verbraucher oder Erzeuger. Diese „Doppelbelastung“ führe dazu, dass sich Speichersysteme im Markt nicht behaupten könnten.

Darüber hinaus müsse – drittens – die Sektorkopplung auf der Ebene der Verteilnetze etabliert werden, also regional oder gar lokal im Sinne von Quartierslösungen. Nur zwei Prozent des Onshore erzeugten Windstroms werde direkt ins Hochspannungsnetz eingespeist, untermauert dazu ein Positionspapier von VKU und BVES.

"Kilowattstunde muss frei fließen"

Viertens benötige das Land, sagte Reiche weiter, die Markteinführung von Power-to-X-Technologien und da dürfe man „nicht kleckern, sondern klotzen.“ In dem Zusammenhang wies sie darauf hin, dass mit dem inländischen Gasnetz ein Energiespeicher bereits vorhanden ist, in dem sich nach ihren Angaben 26 Milliarden Kilowattstunden Strom aufbewahren ließe.

Im Kern gehe es bei den Vorschlägen der beiden Verbände darum, dass die Kilowattstunde „frei fließen kann“, erläuterte Windelen. Er sei dabei kein Freund so genannter Marktanreizprogramme. Die dadurch geschaffene Subventionierung von Energiewende-Projekten fließe derzeit über das falsche Abgabensystem an den Staat zurück. „Das ist ein Nullsummenspiel“, sagte er.

Hoffen auf das Klimakabinett

Einer Antwort auf die Frage, wer denn die Bremser der Energiewende seien, wich Reiche allerdings aus. Auch ihre Ansagen, wie die Energiewende weiter zu finanzieren sei, blieben im Vagen. Reiche führte nur an, dass das jetzige System dem Verbraucher im Jahr 2017 laut Bundesnetzagentur zusätzliche Netzkosten von 1,5 Milliarden Euro aufgebürdet habe, im Wesentlichen die Kosten von Redispatch und Abregelungen erneuerbarer Anlagen.

Für Reiche zeigt dies aber ziemlich eindeutig, dass das derzeitige System nicht funktioniere und in einer Sackgasse stecke. Eine Reform der Steuern und Abgaben, die auf den Strompreis lasteten, ist für die VKU-Chefin unumgänglich. Wer die aber in den nächsten Monaten beschließen solle, da blieb ihr nur der Hinweis aufs Klimakabinett, das im Sommer oder Herbst Vorschläge vorlegen will.

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Power-to-X-Technologien werden zur Sektorkopplung oder Zwischenspeicherung von Strom genutzt. (Foto: iStock)