Digitalisierung
14.06.2018

Verband: Smart Meter müssen Blockchain-fähig sein

Foto: iStock
Smart Meter können mehr als dieser alte Stromzähler. Aber können sie auch Blockchain?

Beim Kongress des BDEW wird auch über das Potenzial der Blockchain diskutiert. Deren Lobbyverband fordert, die Energie-Infrastruktur für die Technologie zu öffnen.

Tempo ist das Motto auf dem diesjährigen Kongress des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) in Berlin. Schneller vorangehen soll auch die überfällige Einführung von intelligenten Stromzählern. Doch eine wichtige Eigenschaft könnte den neuen Smart-Meter-Gateways bereits fehlen: Die Kompatibilität mit der Blockchain-Technologie.

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„Wir brauchen eine Blockchain-fähige Infrastruktur, zum Beispiel bei den Smart-Meter-Gateways“, fordert deshalb Sebnem Rusitschka, Geschäftsführerin des Start-ups freeel.io und Leiterin des Arbeitskreises Energie im Blockchain Bundesverband, am Rande des Kongresses im Gespräch mit dem Magazin bizz energy. Die Zeit drängt: Die ersten intelligenten Stromzähler sollen möglichst bald vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zertifiziert und danach bei den Verbrauchern eingebaut werden. Sicherheitstechnische Lösungen für die Blockchain in Smart Meters seien vorhanden und die Anforderungen der Regulierungsbehörden sollten an neue Technologien angepasst werden können, meint Rusitschka. 

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Wegbereiter für die digitale Transformation

Eine Expertenrunde diskutierte über Technologie als möglicher Wegbereiter für die digitale Transformation. „Die Blockchain bringt Tempo“, sagt Jonas Jünger, IT-Experte der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY. Die Technologie, die vereinfacht als dezentral organisierte Datenbank beschrieben werden kann, vereine schließlich die drei Megatrends der Energiewelt: Digitalisierung, Dezentralisierung und Demokratisierung. Doch noch steht die Entwicklung ganz am Anfang – sowohl bei den Unternehmen, als auch in der Politik.

Der wohl schwierigste Punkt für die Anwendung der Blockchain sind derzeit die Geschäftsmodelle, darin ist sich die Experten-Runde einig. Schließlich wollen die Unternehmen auch Geld verdienen. Tempo bei der Entwicklung von Geschäftsmodellen auf Basis der Blockchain-Technologie machen beispielsweise die Allgäuer Überlandwerke (AÜW). Das regionale Energieversorgungsunternehmen ermöglicht im sogenannten „Allgäu Microgrid“ den direkten Stromhandel zwischen Privatpersonen (Peer-to-Peer) auf Basis der Blockchain.

"Mehr als ein Hype"

„Lokale Stromhandelsplattformen werden kommen“, ist sich AÜW-Geschäftsführer Michael Lucke sicher. Die zukünftige Rolle des Versorgers sieht er eher als Dienstleister. Bei einem Peer-to-Peer-Stromhandel auf Basis der Blockchain-Technologie entfällt der Versorger als Mittelsmann. Dennoch würden auch weiterhin vertrauenswürdige Akteure benötigt, die Strukturen schaffen und Angebote zur Verfügung stellen, sagt Lucke. Die Blockchain sieht er nicht zwangsläufig als alles verändernden „Game-Changer“, aber als Technologie, die sein Unternehmen nutzen will, um einen Teil des Kerngeschäfts abzusichern. Der AWÜ-Manager weist darauf hin, dass die derzeitigen Projekte im nichtregulierten Bereich stattfinden: „Wenn der Gesetzgeber nicht aus dem Quark kommt und einen Regulierungsrahmen abliefert, dann wird das Ding verpuffen“.

„Die Blockchain ist mehr als ein Hype“, sagt Andreas Kuhlmann. Der Vorsitzende der Deutschen-Energie-Agentur (Dena) hält die Technologie für eine „erfrischend spannende, digitale Infrastruktur“. Viktor Peter von der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) glaubt, dass auch die Bundesregierung die Dynamik der Technologie erkannt hat, was man dem Koalitionsvertrag entnehmen könne: Um das Potential der Blockchain-Technologie zu erschließen, wolle man eine umfassende Strategie entwickeln und sich für einen angemessenen Rechtsrahmen einsetzen, heißt es dort.

Alle digitalen Möglichkeiten nutzen

Sebnem Rusitschka vom Blockchain-Bundesverband fordert in diesem Zusammenhang von der Politik auch, die Rolle des Prosumers zu definieren. Prosumer sind Stromkunden, die beispielsweise mithilfe eigener Solaranlagen zu Stromerzeugern und -anbietern werden. Dies brauche eine neue Regulierung. Und Robert Schwarz, Berater von Pöyry Management Consulting, will nicht nur Smart-Meter, sondern alle am Stromnetz beteiligten Geräte über die Blockchain vernetzt sehen.

Dazu passt der Hinweis von Bundeswirtschafts- und Energieminister Peter Altmaier bei seiner Rede auf dem Kongress: „Der Rollout der Smart-Meter ist erst der Anfang, nicht das Ende“, sagt der Energieminister und fordert alle digitalen Möglichkeiten zu nutzen. Wahrscheinlich wird der Minister auch die Potenziale der Blockchain-Technologie dabei im Kopf haben.

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Carsten Kloth
Keywords:
Digitalisierung | Blockchain
Ressorts:
Technology

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