Biokraftstoffe
06.12.2012

Verbio stoppt Expansion

Der Leipziger Biokraftstoffproduzent verzichtet auf den geplanten Bau von Biomethan-Anlagen in Osteuropa. Derzeit gebe es keine verlässlichen Rahmenbedingungen für weitere Investitionen, begründete Vorstandschef Claus Sauter. Verbio will zudem Personal abbauen.

Verbio reagiert mit einem Kostensenkungsprogramm auf die zunehmend schwierige Situation für die Biokraftstoffhersteller. „Derzeit haben wir kein Fundament auf dem wir verlässlich unsere Investitionspläne realisieren könnten", sagte Vorstandschef Claus Sauter. Es gebe aktuell für die von der EU geplanten Biokrafstoffe der zweiten Generation, also auf Basis von Reststoffen, keine verlässlichen Rahmenbedingungen. Das Unternehmen hatte geplant, in Osteuropa große Biogasanlagen zu bauen. Dort sollte aus Reststoffen Biogas produziert werden. Insgesamt waren laut eigenen Angaben bis zum Jahr 2015 Investitionen von 100 Millionen Euro geplant. Solche Anlagen betreibt das Unternehmen bereits an den Standorten Zörbig und Schwedt.

Anzeige

Anzeige

Verbio will sich nun das bestehende Geschäft, also die Produktion von Biodiesel und Ethanol, konzentrieren. Im kommenden Geschäftsjahr will der Hersteller die internen Strukturen optimieren und fünf Millionen Euro einsparen. Auch Entlassungen sind geplant. Die Mitarbeiter wurden darüber bereits informiert.

Die gesamte deutsche Biokraftstoffbranche leidet unter zu großen Produktionskapazitäten, denn im Schnitt sind die Anlagen nur zu 58 Prozent ausgelastet. Den Herstellern machen unter anderem die Importe von billigem Biodiesel aus Argentinien und Indonesien zu schaffen. Der Export wird von den dortigen Regierungen gefördert. Die EU-Kommission hat bereits ein Anti-Dumping-Verfahren eingeleitet. 

EU-Kommission will weniger Biokraftstoffe

Viele Biokraftstoff-Hersteller beklagen sich zudem über die Rahmenbedingungen für Biokraftstoffe. Die EU-Kommission hatte vor kurzem angekündigt, ihre Ziele für die Beimischung von Biokrafstoffen auf Basis von Nahrungsmittelpflanzen abzusenken. Anlaß sind Studien der EU-Kommission, die besagen, dass beim Anbau von Pflanzen für die Biokraftstoffproduktion zusätzliche Treibhausgasemissionen entstehen. Die Klimabilanz einiger Biokraftstoffe sei daher negativ. In der Branche stoßen diese Pläne auf Kritik. „Das sorgt für große Unischerheit im Markt", sagt Frank Brühning, Sprecher des Verbands der Deutschen Biokraftstoffindustrie zu BIZZ energy today. Die Branche zweifelt die Ergebnisse der Studien an. „Die EU-Kommission hat im Bezug auf Biokraftstoffe in vielerlei Hinsicht ihre Hausaufgaben nicht gemacht", betonte Brühning.

Analysten sehen die Zukunft der Branche mit Skepsis. „Für einige Hersteller, insbesondere solche, die nicht in entsprechenden Mengen produzieren, könnte es existentiell werden“, sagte Stephan Wulf, von Warburg Research in Hamburg.

 

 

 

 

Karsten Wiedemann
Keywords:
Biokraftstoffe | Biodiesel | Ethanol | Verbio | EU-Kommission | Iluc | Biomethan | Argentien
Ressorts:
Finance | Markets

Neuen Kommentar schreiben

 

Newsletter bestellen – Wunschausgabe erhalten

Jetzt den wöchentlichen
Newsletter bizz energy weekly abonnieren
und eine Ausgabe
Ihrer Wahl kostenlos erhalten.

Hier geht es zur Aktion!

 
 

bizz energy Research

Energie, Digitalisierung und Mobilität.
Unsere Factsheets bieten visualisierte Daten, liefern Fakten und stellen Zusammenhänge zu den Top-Themen der Energiewende dar.


Mehr Informationen