Digitalisierung
05.08.2016

Verivox will Heizungen vermitteln

Foto: istock.com / Highwaystarz-Photography
Heizungsinstallateure finden ihre Kunden immer häufiger über Internetportale.

Die Preisvergleichsseite Verivox möchte in den Markt mit Energietechnik einsteigen. Dazu sondiert das Internet-Unternehmen Kooperationsmöglichkeiten mit Heizungsportalen.

 

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Die Energiesparte von Verivox wolle sich stärker zu einer Community für Verbraucher entwickeln, sagt Jan Lengerke, Mitglied der Geschäftsleitung, im Gespräch mit bizz energy. „Bereits heute bietet Verivox seinen Kunden die Möglichkeit an, die Leistung der Versorger, den Anbieterwechsel und die Leistung von Verivox zu bewerten und so andere Kunden bei ihrer Entscheidung zu unterstützen.“ Auf diese Erfahrung wolle das Unternehmen aufbauen.

„Wir wollen Kunden die Möglichkeit geben, sich untereinander mit Rat und Tat zur Seite zu stehen“, sagte Lengerke. Als Beispiele nannte er Fragen wie: „Was passt besser zu meinem Haus: eine Gasheizung oder eine Wärmepumpe? Was hat euch so etwas gekostet? Welchen Hersteller empfiehlst du? Welche Handwerker sind zuverlässig?“

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„Der Wärmemarkt ist extrem spannend“

Den Wärmemarkt bezeichnet Lengerke als „extrem spannend“. Verivox führe erste Gespräche mit verschiedenen Internetportalen über mögliche Kooperationen. Ein Sprecher des Portals Energieheld bestätigte auf Anfrage ein Treffen mit Verivox. Konkrete Verhandlungen habe es dabei aber nicht gegeben.

Das 2012 gegründete Online-Unternehmen Energieheld vermittelt Kontakte zwischen Handwerksbetrieben und Hausbesitzern, die beispielsweise ihre Heizung modernisieren möchten oder sich eine Solaranlage aufs Dach setzen lassen wollen. Ähnlich funktioniert der Konkurrenzdienst Thermondo, der sich inzwischen als größten Heizungsinstallateur Deutschlands für Ein- und Zweifamilienhäuser bezeichnet. Interessenten füllen einen Fragebogen aus, laden Fotos ihres Heizungskellers auf die Internetseite und erhalten über ein Call-Center eine telefonische Beratung. Das soll die Kosten für die Kunden senken.

 

Ein Marktplatz für Prosumer

Verivox könnte in mögliche Kooperationen seinen Kundenstamm einbringen. Verivox und der Wettbewerber Check24 sind die größten Vergleichsportale für Energietarife in Deutschland. „Über Verivox wechseln pro Jahr 1,2 Millionen Menschen ihren Strom- oder Gasanbieter. Unsere Kunden interessieren sich natürlich auch für andere Angebote rund um das Thema Energie“, erklärt Lengerke.

Das Heidelberger Unternehmen war 1998 mit der Liberalisierung des Strommarktes entstanden. Damals kippte die EU die alten Monopole in der Energiewirtschaft, Verbraucher können seitdem ihren Versorger wechseln. Seit einigen Jahren erzeugen aber immer mehr Haushalte ihren Strom teilweise selbst, vor allem über Solaranlagen. Verivox sucht nun nach Angeboten für diese neue Energiewelt.

Dabei setzen die Heidelberger auf einen weiteren Trend der Internetwirtschaft, nämlich Geschäfte unter Konsumenten. In New York hat das Start-up TransactiveGrid Anfang des Jahres mit seiner Technologie dafür gesorgt, dass Haushalte einander Solarstrom verkaufen. In Deutschland hat auch schon RWE mit der Technik experimentiert. Verivox will ähnliche Peer-to-Peer-Geschäfte ermöglichen: „Wir können uns gut vorstellen, als Plattform für dezentrale Energieerzeuger zu fungieren. Perspektivisch könnte unsere Community dazu geeignet sein, dass die Mitglieder Strom untereinander vermarkten.“

 

Versorger planen Flatrates für Strom

Als Vertragspartner klassischer Energielieferanten beobachtet Verivox auch neue Trends im Energievertrieb. Eine ganze Reihe von Versorgern denke derzeit über Flatrates für Strom nach, berichtet Lengerke. Bisher gebe es aber noch keine ausgereiften Produkte.

„Flatrates sind für manche Endkunden spannend, weil sie nicht mehr darüber nachdenken müssen, wann und wie lange sie Strom verbrauchen dürfen oder sollten. Aber das Modell bringt für die Anbieter natürlich auch große Herausforderungen mit sich“, sagt der Verivox-Manager, „ein Versorger muss das Problem lösen, dass ein Kunde nicht einfach mit einer Kabeltrommel zum Nachbarn läuft und Nachbarschaftsfeste veranstaltet.“ 

Wie herausfordernd solche Geschäftsmodelle für Stromanbieter sind, zeigt das Beispiel beegy. Der Mannheimer Versorger hat Anfang der Woche ein Produkt vorgestellt, das er mit dem Label Flatrate bewirbt. Tatsächlich geht das Angebot aber weit über die reine Stromlieferung hinaus. Es ist an den Kauf einer Photvoltaik-Anlage, eines Stromspeichers oder einer Ladestation für Elektroautos und einen Wartungsvertrag gekoppelt. Für die Wartung der Hardware und die monatliche Stromlieferung fällt eine monatliche Gebühr an. Der Kunde darf dann aber immer noch nicht so viel Elektrizität verbrauchen, wie er will. Steigt der Stromverbrauch um mehr als 20 Prozent, erhöht beegy die monatliche Rate.

Manuel Berkel
Keywords:
Verivox | Energieheld | Thermondo
Ressorts:

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