Vorbild könnte Nordfriesland sein: Der Projektentwickler GP Joule startet dort mit mehreren Verbundpartnern das bisher größte Wasserstoff-Mobilitätsprojekt Deutschlands. „eFarm“ soll „grünen“ Wasserstoff (H2) aus Windenergie herstellen und vertreiben. Dazu schafft GP Joule zwei Wasserstoff-Produktionsanlagen, zwei H2-Tankstellen in Husum und Niebüll, zwei Brennstoffzellen-Busse und fünf wasserstoffbetriebene Pkw an. Die Busse sollen ab 2020 im Linienverkehr im Kreis Nordfriesland fahren. „Wir werden im Verbund Wasserstoff produzieren, transportieren, verarbeiten und vermarkten, wie in der genossenschaftlichen Milchwirtschaft“, sagt GP Joule-Geschäftsführer Ove Petersen. Gefördert wird das Projekt vom Bundesverkehrsministerium.

Damit solche Projekte Nachahmer finden, hat die Behörde ein neues Konzept erdacht. Sie will damit sogenannte Wasserstoff-Regionen fördern. „In Deutschland herrscht ein regional ungleicher Wissensstand in Bezug auf Wasserstoff und Brennstoffzellen“, sagte Steffen Bilger, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesverkehrsministerium (CDU) am Donnerstag in Berlin bei der Vollversammlung zum Nationalen Innovationsprogramm Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NIP 2). Manche Regionen seien schon sehr weit, andere hätten sich noch gar nicht mit dem Thema beschäftigt. „Wir wollen aber jeder Region die Teilhabe ermöglichen.“

Zehn Millionen für „HyPerformer“

Deshalb setzt die Förderung an bei der „Sensibilisierung“ für das Thema und hilft dabei, die Akteure initial zu organisieren. „HyStarter“ nennt sich diese niedrigste Förderstufe, für die sich mindestens sechs Regionen qualifizieren können. Sie erhalten organisatorische Hilfe und technische Beratung, um regionale Konzepte zur Integration von grünem Wasserstoff insbesondere im Verkehr, aber auch bei Wärme, Strom und Speicher zu entwickeln.

Die nächste Förderstufe nennt sich „HyExperts“ und richtet sich an Regionen, die bereits erste Erfahrungen mit Wasserstoff und Brennstoffzellen gemacht haben. Eine Jury kürt die Gewinner, die mit insgesamt einer Million Euro bei der Weiterentwicklung und Umsetzung ihrer Konzepte unterstützt werden. Zehn Millionen Euro Preisgeld stehen insgesamt für dritte Stufe der „HyPerformer“ zur Verfügung: Regionen, die bestehende Konzepte weiterentwickeln wollen. Das Geld wird ihnen in Form von Investitionszuschüssen zur Verfügung gestellt.

Förderaufrufe überzeichnet

Bilger erhofft sich von dem Projekt eine Leuchtturmwirkung über Deutschland hinaus. „Für mich geht es nicht um die Frage, ob Wasserstoff eine bedeutende Rolle in der Mobilität der Zukunft spielen wird, sondern vielmehr darum, in welchen Bereichen und ab welchem Zeitpunkt er dies tun wird“, sagte der Staatssekretär. Er verwies auf die insgesamt 250 Millionen Euro Förderung, die das Verkehrsministerium von 2016 bis 2019 in die Forschungsförderung sowie die Anschaffung von Wasserstoff-Fahrzeugen steckt. „Egal ob Busse, Züge, Nutzfahrzeuge oder Infrastruktur, nahezu jeder unserer Förderaufrufe der letzten Zeit stieß auf erhebliche Nachfrage und war stark überzeichnet“, sagte Bilger.

Die bisherigen Bemühungen reichten aber bei weitem nicht aus, um die nationalen Klimaziele zu erreichen. Um die angestrebte Dekarbonisierung bis 2030 zu erreichen, müssten ab sofort jedes Jahr zwei bis drei Prozent mehr Null-Emissions-Pkw auf die Straßen gebracht werden, so Bilger. Der Verkehrssektor müsse künftig seinen Beitrag zum Klimaschutz leisten. „Wir wollen ganz besonders Lkw in den Blick nehmen“, sagt der CDU-Politiker. Die Brennstoffzelle sei insbesondere bei schweren Fahrzeugen mit langen Reichweiten eine Ergänzung zu reinen Batterie-Antrieben und auch für den Zugverkehr interessant.

Batterie keine Lösung für alle Verkehrsbereiche

Batterien seien im Vergleich zu Wasserstoff bei gleicher Energiemenge schwerer, weshalb sie „auch auf absehbare Zeit keine Lösung für alle Verkehrsanwendungen liefern können“, so Bilger. So verbrauche ein E-Stadtbus im Winter fast die Hälfte der Batteriekapazität für die Heizung. Diese mit fossilem Sprit zu betreiben, sorge für ein „Glaubwürdigkeitsproblem“. Deshalb sei die Batterie für kürzere Entfernungen wichtig, während die Brennstoffzelle eine gute Alternative für lange Buslinien oder topografisch anspruchsvolles Gelände sei.

Die EU setzt übrigens ebenfalls auf die Förderung von Regionen, um Wasserstoff als alternativen Energieträger zu etablieren. Bart Biebuyck, Geschäftsführer des europäischen „Fuel Cells and Hydrogen 2 Joint Undertaking“ (FCH2 JU) sagte, rund 90 Städte und Regionen hätten bereits erklärt, in Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie investieren zu wollen. Sein Programm unterstütze sie dabei. Biebuyck will darüber hinaus in Europa analog zum kalifornischen Silicon Valley ein „Hydrogen-Valley“ entstehen lassen.

Gleichzeitig drängte er die Industrie zu mehr Tempo. Momentan sei Europa noch führend bei der Wasserstoff-Technologie. Insbesondere die Fahrzeughersteller müssten sich nun aber schneller bewegen und in den nächsten zwei bis drei Jahren ihre Produkte auf den Markt bringen. „Sonst werden sie Jobs verlieren“, warnte Biebuyck.

Informationen zur Förderung: www.now-gmbh.de/de/bundesfoerderung-wasserstoff-und-brennstoffzelle/wasserstoffregionen-in-deutschland

 

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Im windreichen Nordfriesland sind die Bedingungen für „grüne“ Wasserstoff-Technologien gut. (Foto: GP Joule)