Mobilität
08.07.2016

Verkehrswende in Indien: ein Tropfen auf den heißen Stein

Premierminister Narendra Modi will Diesel-Pkw von den indischen Straßen verbannen. Unterm Strich dürfte das die Luftqualität in den Megastädten nur wenig verbessern.

 

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Die zu Wochenbeginn von Indiens Umweltminister Prakash Javadekar angekündigte Kehrtwende in der Verkehrspolitik wird das Smog-Problem in den Megastädten vermutlich nicht lösen. Auf dem Petersberger Klimadialog hatte Javadekar verkündet, für Diesel-Pkw und Luxusautos eine Sondersteuer zu erheben.

Weil die Maßnahmen jedoch nicht für den Güterverkehr auf der Straße gelten, erwartet Professor Joachim Betz vom Hamburger GIGA Institut für asiatische Studien jedoch nur eine geringfügige Verbesserung der Luftqualität. Bei den auf den indischen Straßen fahrenden Lkws handle es sich überwiegend um Dieselfahrzeuge. Deren hoher Feinstaubausstoß führt dazu, dass man in der indischen Hauptstadt Neu-Delhi und anderen Megastädten an manchen Tagen die eigene Hand vor Augen kaum sieht.  

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Bis 2040 soll sich der Güterverkehr in den BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China laut einer aktuellen Prognos-Studie sogar verdoppeln. Indien hat gemeinsam mit China mit 85 Prozent den größten Anteil an der Güterverkehrsleistung in diesen Ländern. Und der Großteil aller transportierter Waren, nämlich 54 Prozent, sollen dabei per Lkw über die Straße angeliefert werden, prognostiziert die Studie.

 

Neuer Markt für Stromer

Die Extra-Steuer für Pkw ist nicht die erste Maßnahme, die die Regierung gegen die extreme Luftverschmutzung unternimmt. Die Regierung in Neu-Delhi hat schon 2015 ein Verbot für große Dieselfahrzeuge erlassen, das zunächst noch bis Ende Juli gilt. Die deutsche Autoindustrie versucht, sich gegen die neuen Auflagen zu wehren. Mercedes-Benz zog dagegen gemeinsam mit anderen Autoherstellern wie Toyota vor Gericht. Eine Entscheidung steht noch aus.  

Auf lange Sicht könnten deutsche Konzerne von den neuen Auflagen für Pkw in Indien profitieren – wenn die Nachfrage nach emissionsarmen Fahrzeugen steigt.  „Deutsche Autobauer haben Chancen, mit neuen E-Fahrzeugen auf den Markt zu kommen“, sagt Asienexperte Betz. „Wenn sie sich beeilen“, schränkt er ein. Bislang hinken Daimler und Co. bei der Entwicklung von emissionsarmen E-Fahrzeugen noch hinter China, Japan und Südkorea her. Konkurrenz von indischen Autofirmen gibt es nicht. 

Jana Kugoth
Keywords:
Indien | Elektromobilität | Steuer | Lkw | Güterverkehr | Pkw
Ressorts:
Governance | Markets

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