Interview zu Smart City
07.02.2018

"Versorger sind die City-Manager der Zukunft"

Foto: Promo
Prof. Etezadzadeh lehrt zum Thema „Produktentwicklung für Smart Cities“ an der Technischen Hochschule Köln.

"Die Stadtbewohner sollten sich die Frage nach einer lebenswerten Zukunft stellen", sagt Chirine Etezadzadeh. Im Interview mit bizz energy spricht die Wirtschaftswissenschaftlerin über die Voraussetzungen für intelligente Städte, über Digitalisierung und soziales Zusammenleben, und die Rolle der Versorger.

Seite 1Seite 2nächste Seite

Frau Prof. Etezadzadeh, die Smart City ist Schwerpunkt auf der diesjährigen E-World. In was für einer Stadt möchten Sie in Zukunft leben?

Anzeige

In einer sehr grünen, schönen, vielfältigen und sicheren Stadt, in der alle Bewohner (auch Tiere und Pflanzen) gut leben und arbeiten können. Die Bewohner in dieser Stadt haben Wege gefunden, um sich mit guten Produkten gesund und nachhaltig zu ernähren und zu versorgen. Sie wissen, woher ihre Produkte kommen und dass sie unter vertretbaren Bedingungen produziert wurden. Diese nachhaltig agierende Stadt sorgt für eine optimale Versorgung und Mobilität ihrer Bewohner, ohne dabei die natürliche Umwelt zu belasten oder zu verbrauchen. Dabei helfen Stoffkreisläufe und Prozesse, die durch neue Technologien und smarte Ideen realisiert werden. Die Stadtbewohner interessieren sich für ihr Lebensumfeld und pflegen gemeinsam die lebendige und individuelle Kultur ihrer Stadt, was durch eine moderne Stadtverwaltung unterstützt wird.

Anzeige

Was gehört alles zu einer „intelligenten Stadt“? Was muss geschehen, damit sich eine Stadt in eine Smart City verwandelt?

Die Stadtbewohner sollten sich die Frage nach einer lebenswerten Zukunft stellen – und beantworten und dann gemeinsam mit der Stadtverwaltung einen Weg finden, dieses sich weiterentwickelnde Ziel zu verfolgen. Das ist ein enorm anspruchsvoller Prozess, der einiges an Aufklärung und Umdenken erfordert. Deshalb bietet es sich an, damit zu beginnen, die drängendsten Probleme der Stadt zu identifizieren und anzugehen. Dabei werden neue Technologien zum Einsatz kommen, wenn sie Sinnvolles bewirken. Eine Smart City zeichnet sich durch eine technologische und soziale Vernetzung aus. Das macht sie effizienter, nachhaltiger, kooperativer, resilienter und damit zukunftsfähiger.

Wer wird die intelligenten Städte in Zukunft managen – welche Rolle haben die Versorger?

Ich sehe in Deutschland die Versorger als die City-Manager der Zukunft. Sie erbringen schon heute zuverlässig die Ver- und Entsorgungsleistungen in Städten und haben sich über viele Jahre das Vertrauen der Bewohner erworben. Sie müssen aber jetzt handeln, um die Schnittstelle zum Stadtbewohner nicht an fremde Akteure zu verlieren. Das bedeutet auch, dass neue Akteure und zukunftsweisende Lösungen integriert werden müssen. Der Schlüssel zur Lösung unserer urbanen Herausforderungen liegt in der Vielfalt.

Wie sollte der Energiesektor in Zukunft ausgestaltet sein?

Das ist ganz einfach: Ohne eine ausreichende und zuverlässige Energieversorgung wird es keine Smart City geben. Wenn die Energie nicht dekarbonisiert, nachhaltig und günstig erzeugt werden kann, ebenfalls nicht. Um die Energieversorgung optimal zu gestalten, müssen wir für jede Stadt klären, welche individuellen Voraussetzungen die Stadt hat und die jeweiligen Gegebenheiten effektiv nutzen. Auch hier wird es ein Nebeneinander verschiedener Energiegewinnungsmethoden und Erzeugerstrukturen geben.

Welche Rolle kann die viel diskutierte Blockchain-Technologie in Smart Cities spielen?

Sie sichert digitale Identitäten, dokumentiert Transaktionen und schafft Transparenz. Da eine Smart City Objekte, Systeme, Prozesse und Personen miteinander vernetzt und basierend auf dieser Vernetzung vielfältige Services und Lösungen entstehen werden, werden die verschiedensten Parteien und Entitäten miteinander interagieren. So wird es einen Bedarf für die genannten Funktionalitäten der Blockchain und ein dezentrales, mächtiges Datenmanagementsystem geben.

Seite 1Seite 2nächste Seite
Keywords:
Smart City | Digitalisierung
Ressorts:
Technology

Neuen Kommentar schreiben

 

bizz energy – Sommer 2018

Die aktuelle Ausgabe gibt es bei unserem Abonnentenservice unter bizzenergy@pressup.de sowie als E-Paper bei iKiosk oder Readly.

 
 

bizz energy Research

Energie, Digitalisierung und Mobilität.
Unsere Factsheets bieten visualisierte Daten, liefern Fakten und stellen Zusammenhänge zu den Top-Themen der Energiewende dar.


Mehr Informationen