Dossier Netzausbau
27.06.2012

Verteilnetze: Künftig smart statt blind

90 Prozent des Ökostroms wird derzeit auf dem Land erzeugt. Viele der 869 Verteilnetzbetreiber in Deutschland stehen derzeit vor der Aufgabe, das Netz von rund 1,78 Millionen Kilometern Länge nicht nur auszubauen, sondern parallel möglichst intelligent zu modernisieren.

In der Eifel startet eine Energierevolution. In Bitburg läuft seit Mitte 2011 das erste intelligente Verteilnetz. Modernste Technik misst, plant, steuert und speichert künftig den Ökostrom, damit er zuverlässig abrufbar liefert. Ende Mai 2012 wurde das Gemeinschaftsprojekt von RWE und ABB mit einem Preis der Hessischen Landesregierung ausgezeichnet: „für intelligente Energie“.

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Smart Grids sind ein wichtiger Bestandteil bei der Umsetzung der Energiewende, denn bis heute sind die Verteilnetzbetreiber sozusagen blind. Sie können den Verbrauch der Haushalte nur schätzen, da die bestehende Infrastruktur nicht auf Erneuerbare ausgelegt ist. Früher flossen Elektronen wie in einer Einbahnstraße. Die gibt es nicht mehr, immer öfter kehrt sich die Stromrichtung um. Mit der zunehmenden dezentralen Erzeugung von Ökostrom
und der Zunahme an Elektroautos muss das Verteilnetz immer öfter ein- und ausspeisen. Innovationen wie Smart Grids müssten deshalb mehr belohnt werden, fordert Ewald Woste, Thüga-Chef und Präsident des Branchenverbandes BDEW. Sein Argument: Stadtwerke können diese Zusatzkosten nicht wie Übertragungsnetzbetreiber „in Form höherer Durchleitungskosten geltend machen“. Der Investitionsbedarf beträgt laut BDEW in den nächsten acht Jahren bis zu 27 Milliarden Euro.

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Um mehr gesellschaftliche Akzeptanz für den Netzausbau zu schaffen, wird oft der Einsatz von Erdkabeln diskutiert. Dabei ist Deutschland bereits ein Kabelland. „Auf Verteilungsebene bis in die Mittelspannung werden Erdkabel bereits im großen Stil eingesetzt“, erklärt ABB-Experte Jochen Kreusel. Laut BDEW sind Kabel bei Mittelspannung bis 60 Kilovolt zu 64 Prozent und bei Niederspannung mit 230 oder 400 Volt zu 80 Prozent in der Erde verlegt. Auf der Ebene der Hochspannung (220 Kilovolt) und Höchstspannung (380 Kilovolt) liegen aktuell nur vier Prozent im Erdreich.

Niels Hendrik Petersen
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