Der Streit zwischen Naturschützern und Windkraftbefürwortern um die Auswirkungen von Windrädern auf Vögel ist neu entfacht. Anlass ist eine am heutigen Donnerstag in Berlin vorgestellte Studie des Schweizer Ingenieurbüros KohleNusbaumer aus Lausanne. Darin heißt es: Windräder stellten „kein erhöhtes tödliches Risiko für bedrohte Vogelarten dar.“ 

 Studienautor und KohleNusbaumer-Geschäftsführer Oliver Kohle hat insbesondere die Bestandsentwicklung des Rotmilans in Deutschland analysiert. Demnach ist die Anzahl der Brutpaare trotz 26.000 installierter Windanlagen in der Bundesrepublik in den vergangenen 15 Jahren um 40 Prozent auf „inzwischen 12.000 bis 18.000“ gewachsen. In der Studie heißt es weiter: Im Vergleich zu anderen Todesursachen sei die Gefahr einer tödlichen Kollision mit Windrädern für den als besonders schützenwert eingestuften Rotmilan außerdem „verschwindend gering“. Die Vögel würden demnach weitaus häufiger einen Strom- oder Verkehrstot sterben oder vergiftet. Die für den Rotmilan ermittelten Ergebnisse lassen sich laut Studienautor Kohle auch auf andere Vogelarten übertragen. Dazu werde in gut einem Monat eine weitere Analyse folgen, kündigte er an.

 Organisiert wurde die Pressekonferenz von Hans-Josef Fell, ehemaliger grüner Bundestagsabgeordneter und Mitautor des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes. Fell geißelte den Angriff von Naturschützern auf die Windkraft als „wissenschaftlich schlicht nicht haltbar“ und verlangte „mit diesem Vorurteil ein für alle mal abzuschließen.“ Unterstützung erhielt Fell von Umweltschützer und Planungsingenieur Günter Ratzbor. Der Klimaschutz spiele für den Arten- und Naturschutz eine entscheidende Rolle, sagte Ratzbor. Deshalb brauche Deutschland „einen vernünftigen Ausbau der Energiewende.“ Der Ausbau der Windenergie sei dabei zentral.

Bei Umwelt- und Artenschützern stieß die Studie indes auf heftige Kritik. Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) wirft dem Autor in einer 14-seitigen Gegendarstellung unter anderem vor, „selektiv ausgewählte Fakten und nicht vergleichbare Quellen“ miteinander vermengt zu haben.

Laut Studie hat die Population des Rotmilans trotz 26.000 installierter Windanlagen in Deutschland zugenommen. (foto: wikipedia)