Geldanlage
24.05.2016

Viele Anleger ignorieren Pariser Klimaziele

flickr/Die Grünen
Divestment, der Abzug von Geld aus klimaschädlichen Unternehmen, ist im Mainstream noch nicht angekommen.

Nur für ein Fünftel der Investoren spielt Nachhaltigkeit bei ihren Investitionen eine Rolle. Das ist das Ergebnis der am Dienstag veröffentlichten Nachhaltigkeitsstudie der Fondgesellschaft Union Investment.

Mehr als die Hälfte (56 Prozent) der Befragten gab an, dass Nachhaltigkeitskriterien in ihren Anlagerichtlinien noch keine Berücksichtigung finden. „Nach wie vor gibt es viele Investoren, die erst einmal abwarten wollen, bis sich Regulierungsmaßnahmen zur Nachhaltigkeit weiter konkretisieren“, sagt der Studienautor und Professor an der Universität Stuttgart Henry Schäfer. Dies zeige sich zum Beispiel bei Pensionskassen und Rentenfonds. Als Begründung gaben diese an, es fehle an Nachfrage durch ihre Gremien und Kunden. Divestment, das Abziehen von Geld aus klimaschädlichen Unternehmen, ist demnach also noch nicht im Mainstream angekommen.

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Insgesamt wurden für die Studie von Februar bis April dieses Jahres 203 Kreditinstitute, Stiftungen und Kirchen, Pensionskassen, Versicherungen, Kapitalgesellschaften und Großunternehmen befragt, die insgesamt ein Vermögen von rund 3,5 Billionen Euro verwalten.

 

Abwartende Haltung

Auch mit Blick auf künftige Strategien gaben sich die Studienteilnehmer abwartend: Rund 42 Prozent erwarten keine nennenswerten Auswirkungen des Pariser Klimaabkommens auf die Märkte. Union-Investment-Vorstand Alexander Schindler überrascht das Ergebnis. „Denn aus höheren Klimaschutzanforderungen ergeben sich nicht zu unterschätzende Bewertungsfragen und Herausforderungen im Risikomanagement der Investoren“, sagt Schindler.

Innerhalb der verschiedenen Sektoren unterscheidet sich das Anlageverhalten der Investoren jedoch voneinander: Vor allem Versicherungen, Stiftungen und Kirchen beziehen laut Studie Klimaschutzziele bei der Aufstellung ihres Portfolios ein. In dieser Gruppe haben bereits mehr als ein Drittel entsprechende Vorgaben in ihre Anlagerichtlinien aufgenommen. Neben dem Divestment, also dem Abziehen von Geld aus klimaschädlichen Unternehmen, zählen dazu vermehrt Investments in Grünstrom-Projekte.

 

Kirchen und Stiftungen als Vorreiter

Weitere 47 Prozent der Befragten aus dieser Gruppe wollen in den kommenden fünf Jahren derartige Kriterien in ihre Investitionsentscheidungen aufnehmen.

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Investoren erwarten von Vermögensverwaltern, dass sie Klimaschutzaspekte sowohl bei der Beratung als auch im Investmentprozess und Reporting berücksichtigen. Außerdem sollen Asset Manager verstärkt Lösungsangebote zur Reduktion des CO2-Fußabdrucks in den Portfolios anbieten. „Zwei Drittel der befragten Investoren sind unsicher, wie sich Klimaschutzaspekte auf Rendite und Risiko ihres eigenen Portfolios auswirken werden.“

Auf diese Unsicherheit haben andere Länder bereits reagiert. Erst in der vergangenen Woche hatte deshalb das norwegische Forschungsinstitut CICERO ein Beratergremium für Anleger und Wissenschaftler ins Leben gerufen, in dem gemeinsame Strategien entwickelt werden sollten.

Bei der Pariser Klimakonferenz im Dezember vergangenen Jahres hatten die 196 UN-Mitgliedsstaaten beschlossen, bis Ende des Jahrhunderts die Emissionen durch fossile Energieträger weltweit auf praktisch Null zu senken. Damit soll die globale Erwärmung auf deutlich unter zwei Grad begrenzt werden.

 

Jana Kugoth
Keywords:
Pariser Klimaabkommen | nachhaltige Geldanlage | Nachhaltigkeit | grüne Geldanlage | Risikomanagement | Investition
Ressorts:
Finance

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