Energiewirtschaft
07.05.2018

Viele Energieversorger verlieren Top-Bonität

Foto: iStock
Viele deutsche Stromversorger leiden im Zuge der Dekarbonisierung und Dezentralisierung der Energiewirtschaft unter sinkenden Margen.

Die Kreditwürdigkeit vieler deutscher Stromversorger nimmt im Zuge der Energiewende ab. Die Unternehmensberatung Roland Berger stellt der Branche ein beunruhigendes Zeugnis aus.

Der Umbau der Energiewirtschaft hat für viele ihrer Unternehmen schmerzhafte finanzielle Konsequenzen: Einer Untersuchung der Unternehmensberatung Roland Berger zufolge erfüllen rund 20 Prozent der Unternehmen nicht mehr den Standard „Investment Grade“, verfügen also nicht mehr über sehr gute oder gute Bonität. Die EBITDA-Marge (Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) dieser rund 120 Energieversorger ist in den vergangenen zehn Jahren von durchschnittlich 20 Prozent auf sechs Prozent zurückgegangen. Teils liegt die Eigenkapitalquote unter 30 Prozent, was für Unternehmen dieser Branche zu niedrig sei. Der Verschuldungsgrad vieler Versorger liegt über 3,5 Prozent, dies ist nach Roland-Berger-Einschätzung „beunruhigend hoch“.

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Die Studie basiert auf einer Befragung der Restrukturierungs- und Transformationsexperten des Beratungsunternehmens. Als Treiber des für viele Unternehmen riskanten Strukturwandels betrachten diese vor allem die Trends zur Dekarbonisierung, zur Dezentralisierung, zur Sektorenkopplung sowie die Veränderung von Kundengewohnheiten im Zuge der Digitalisierung.

 

Klamme kommunale Betriebe

 

Insolvenzen unter den Energieversorgern sieht Roland Berger zwar noch nicht heraufziehen, da an den meisten die öffentliche Hand beteiligt sei. Doch ebendiese bekomme den Profitrückgang deutlich zu spüren: Kommunen hätten wegen schwindender Gewinne aus dem Energiegeschäft der Stadtwerke zunehmend Schwierigkeiten, klassische kommunale Zuschussbetriebe wie etwa Schwimmbäder zu subventionieren. (Lesen Sie auch: Stadtwerke – Cashcows an der Leistungsgrenze)

 

Auffällig in den Berechnungen der Berater ist, dass sich die EBITDA-Margen von Unternehmen ohne fossile Stromerzeugung seit Ende 2009 besser entwickeln als diejenigen von Unternehmen mit fossiler Stromerzeugung. Allerdings sind die Margen auch bei ersteren seit 2010 rückläufig.

 

Neue Geschäftsfelder

 

Energieversorger können sich nach Einschätzung der Berater helfen, indem sie angrenzende Geschäftsfelder entwickeln, darunter Breitbandnetze, Technologie zur dezentralen Energieerzeugung, Ladeinfrastruktur für die Elektromobilität sowie intermodale Verkehrsangebote.

 

Die befragten Restrukturierungsmanager vergleichen den akuten Struktur-Anpassungsbedarf verschiedener großer Wirtschaftszweige in Deutschland. Dabei liegt die Energiewirtschaft im Mittelfeld. Noch größer ist der Druck zum Umbau in der Autozulieferindustrie, im Auto-Ersatzteil- und Service-Geschäft, im Anlagenbau, und im Handel. Gleichauf mit der Energiebranche liegt der Maschinenbau. Etwas weniger drängend ist die Restrukturierung laut Roland Berger bei den Banken, den Versicherungen, im Konsumgütersektor und im Gesundheitswesen.

 

Lesen Sie auch: Stadtwerke investieren wieder mehr in Kraftwerke

Christian Schaudwet
Keywords:
Energieversorger | Bonität | Roland Berger
Ressorts:
Finance | Markets

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