Chinas Automarkt
08.09.2016

Volkswagen steigt in Chinas boomenden E-Auto-Markt ein

Foto: Wikipedia/NAvigator84
JAC ist das neue Partnerunternehmen von VW in China. Der Hersteller hat zuletzt inbesondere SUVs abgesetzt.

Mit einem neuen Gemeinschaftsunternehmen will VW-Chef Michael Müller die Abdeckung des chinesischen Marktes verbreitern.

 

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Nachdem der Emissionsskandal von Volkswagen immer weitere Kreise zieht, versucht das Unternehmen nun, sein Profil in der Elektromobilität zu stärken – und zwar gezielt im größten Fahrzeugmarkt der Welt. Der Autohersteller hat am Mittwoch die Gründung eines neuen Gemeinschaftsunternehmens mit dem chinesischen Anbieter JAC aus der Stadt Hefei angekündigt. Die zwei Firmen wollen künftig zusammen rein batteriebetriebene Autos für den chinesischen Markt herstellen. Volkswagen wolle in der E-Mobilität an vorderster Front mitspielen, ließ Konzernchef Matthias Müller mitteilen.

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Ausländische Autohersteller sind in China gezwungen, mit örtlichen Partnern zu kooperieren, um überhaupt etwas produzieren zu dürfen. Die chinesische Regierung drängt sie zudem derzeit, kräftig in Elektromobilität zu investieren – als Nebeneffekt ergibt sich ein Techniktransfer in das Schwellenland. Daimler hat sich bereits den Batterie-Spezialisten BYD aus dem südchinesischen Shenzhen zusammengetan. Der Premiumhersteller hat das Projekt ab 2011 rasch durchgezogen. Das Ergebnis, der gediegene „Denza“ ist großflächig in Autohäusern zu haben. Das Auto ist immer wieder auf der Straße zu sehen und wird in den Medien beworben.

 

JAC: Kleines Unternehmen mit großem Erfolg

VW hinkt da deutlich hinterher. Offenbar hielt sich in Wolfsburg die Begeisterung für das chinesische E-Auto-Projekt bisher in Grenzen. Selbst die Manager von BMW, die ebenfalls nicht besonders enthusiastisch waren, haben ihr E-Auto-Vorhaben längst durchgezogen. Mit dem langjährigen Partner Brilliance haben die Münchner ein Elektroauto entwickelt - der „Zinoro“ wird jedoch anders als Daimlers Denza nicht großflächig vermarktet und beworben. Er wirkt mehr wie eine Pflichtübung. Das hat auch Sinn, schließlich bietet BMW in China auch das elektrische Modelle i3 an. Interne Konkurrenz ist da nicht willkommen

Der neue VW-Partner JAC gilt unterdessen als wertvoller Zugewinn zu den vorhandenen zwei Kooperationsfirmen. JAC ist ein Staatsunternehmen der Provinz Anhui. Sein voller Name lautet „Anhui Jianghuai Automobile“. In China ist das Unternehmen vor allem für seine preiswerten Stadtgeländewagen (SUVs) bekannt. JAC interessiert sich brennend für mögliche Auslandsmärkte und war schon länger darauf aus, eine Kooperation mit einem westlichen Volumenanbieter einzugehen.

JAC gehört bisher im internationalen Vergleich zu den kleineren Spielern. Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen 352.000 Autos abgesetzt. Doch hinter der niedrigen Gesamtzahl verbirgt sich ein riesiger Erfolg im SUV-Segment, wo der Verkauf um 250 Prozent gestiegen ist. In China erhält JAC hervorragende Noten in Crashtests und der Pannenstatistik. Auch bei Bewertungen des Kundendienstes schneidet die Firma aus Anhui gut ab.

 

Wachstum sichern

Volkswagen sucht unterdessen nach Wegen, um die Wachstumschancen im Chinageschäft zu erhalten. Die Wolfsburger sind bereits Anfang der 80er-Jahren in den Markt eingetreten und haben ihn seitdem konsequent kultiviert. Heute setzen sie jedes dritte Auto dort ab. Doch mit ihren zwei vorhandenen Partnern SAIC und FAW ist die Zusammenarbeit weitgehend ausgereizt. „Die neue Kooperation soll die gesamte Bandbreite von Forschung und Entwicklung, Produktion und Vertrieb umfassen“, teilte der Konzern mit.

Reine Elektroautos boomen derzeit in China. Im Juli hat sich ihr Verkauf um 144 Prozent auf 26.000 Stück erhöht, teilte der Autoherstellerverband CAAM Mitte August mit. Für die ersten sieben Monate des laufenden Jahres ergibt sich ein Anstieg von 161 Prozent auf 153.000 Stück.

Finn Mayer-Kuckuk
Keywords:
VW | China | JAC | BYD | Kooperation
Ressorts:
Markets

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