Regionale Strompreisunterschiede sind vor allem durch unterschiedlich hohe Netzentgelte zu erklären. Regionen mit hohem Anteil Erneuerbarer müssen höhere Entgelte zahlen – also gerade dort, wo viel für die Energiewende getan wird. Dies ist nicht nur unfair, sondern auch volkswirtschaftlich bedenklich, denn Betriebe siedeln sich gern dort an, wo Strompreise geringer sind.

Dies sind aber oft eben nicht die Regionen, in denen Erneuerbare zunehmen, sodass noch mehr Leitungen für weite Transporte gebaut werden müssen. Bundesweit einheitliche Netzentgelte würden auch für mehr Wettbewerb sorgen. Bei rund 900 Netzbetreibern mit unterschiedlichen Entgelten müssen viele überregional agierende Vertriebe großen Aufwand bei der Preisgestaltung ihrer Produkte betreiben – was völlig ineffizient ist. Deshalb agieren die meisten Vertriebe nur innerhalb kleiner Regionen.Einheitliche Netzentgelte bedeuten also ein ‚Level Playing Field‘, auf dem echter Wettbewerb stattfindet.

Wie schnell dies politisch durchsetzbar ist, wird man sehen. Initiativen, etwa aus Sachsen, sind bereits gestartet. Erste Schritte wären, die Integrationskosten der Erneuerbaren ins Netz (etwa Redispatch-Kosten) bundesweit zu wälzen und die vermiedenen Netzentgelte abzuschaffen. Auch ein einheitliches Netzentgelt auf Ebene der Übertragungsnetzbetreiber wäre ein Anfang.

Titelbild: 50 Hertz

 

 

 

 

Boris Schucht, Vorsitzender der Geschäftsführung bei 50 Hertz (50 Hertz)