Start-ups
18.02.2016

Von kleinen Windmühlen und großen Träumen

Deutsche Energie-Agentur/Pablo Castagnola
Berliner Gründer bei der Abfahrt des dena-Startup-Busses vor dem Roten Rathaus in Berlin

Start-ups tüfteln an neuen Geschäftsmodellen für die Energiewelt von morgen. Einige von ihnen belebten diese Woche die e-World in Essen.

Ob digitale Datenauswertung, Windräder für das Hausdach oder eine Infrastruktur für intelligente Städte: Junge Unternehmer wittern im Umbruch der Energiewelt ihre Chance. Die Branche schenkt den kleinen Firmen zunehmend mehr Aufmerksamkeit. Die Deutsche Energie-Agentur Dena karrte diese Woche gleich einen ganz Bus mit Berliner Start-ups zur e-world nach Essen.

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„Die Ideen der Jungunternehmer weiten den Blick“, glaubt Dena-Chef Andreas Kuhlmann. „Vom Erfahrungsaustausch profitieren beide Seiten.“ Deswegen die Idee, mehr als 30 Start-ups mit dem Bus aus der Gründermetropole Berlin nach Essen zu bringen, dem Epizentrum der alten Energiewelt.

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Mit dabei war auch Ramin L. Mokhtari. Der Visionär will mit einem Start-up ICE Gateway Städte intelligent machen – weltweit. Mit seiner Firma bietet er in einem ersten Schritt an, die Laternen in Städten auf energieeffiziente LED umzustellen. Das soll 50 bis 80 Prozent der Energiekosten sparen. Aber nicht nur das. Die Leuchten sollen noch viel mehr können. „Per Sensoren erheben wir über die in der LED-Elektronik verbauten ICE Gateways Daten über die Umgebung “, erklärt Mokhtari. Denkbar seien damit unter anderem Verkehrszählungen oder Echtzeit-Marketing. Kurzum: Die Städte auf dem Globus sollen „smart“ werden. Ein Trillionenmarkt!“, träumt Mokhtari. Im Ruhrpott will er die Energieriesen von seiner Idee überzeugen und als Partner gewinnen. 

 

Kleine Windmühlen für den Dachfirst

Nicht alle Berliner Jungunternehmer haben so große Visionen wie Mokhtari. Es geht auch eine Nummer kleiner. 40 Zentimeter misst die von Rainer Marquardt für seine Masterarbeit entwickelte Windmühle Crestmill für den Dachfirst. Auf ein Einfamilienhaus lassen sich durchschnittlich 25 Anlagen zur Stromerzeugung installieren. Im Laufe des Jahres will der Ingenieur sein Modell in verschiedenen Regionen in Deutschland testen. Besonders im windreichen Norden könnte das Mini-Windrad für die Eigenstromversorgung eine Ergänzung zur Solaranlage werden, glaubt er, und hofft: „Wenn alles gut geht und wir Investoren finden, können wir Ende 2016 ein serienreifes Modell auf den Markt bringen."

 

Auf der Suche nach starken Partnern

Stylianos Chiotellis wittert in der Digitalisierung seine große Chance. Mit der IT-Plattform Factor-E Analytics misst und überwacht er mit seinem Team von einer Zentrale aus für Firmen den Energieverbrauch ihrer Produktionsmaschinen. „Damit können wir nicht nur Einsparpotenziale aufzeigen“, sagt Chiotellis. „Sondern erkennen bei der Datenauswertung auch, wenn eine Maschine defekt ist“. Die Installation ist einfach. Ein Elektriker kann in drei Stunden bis zu sieben Maschinen ausrüsten. Einer der ersten Kunden war der Werkzeughersteller Hilti mit Hauptsitz in Liechtenstein.  „Vielleicht ist unsere Technik mit Blick auf intelligente Messtechnik auch für Energiekonzerne interessant“, sagt Chiotellis. Das will er auf der Branchenmesse in Essen herausfinden. 

Die Chancen stehen dabei nicht schlecht. Die Energiewende hat die Karten neu gemischt. Kleine Unternehmen haben die Chance, schnell groß rauszukommen. Darauf haben auch die großen deutschen Stromriesen reagiert. Sie versuchen, bei Innovationen mitzumischen. RWE, am Messestandort Essen zu Hause, hat dazu zum Beispiel ein Innovation Hub gegründet. Dort tüfteln rund 90 Mitarbeiter an der Zukunft des Versorgers. Dabei fokussiert sich das Hub laut Leiterin Inken Braunschmidt auch auf die Themen Big Data, Digitalisierung und Smart Cities. Dafür sucht RWE Start-ups als Partner.

 

Jana Kugoth
Keywords:
Start-ups | e-World | Essen | Crestmill | Dena | E-Factor Analytics | ICE Gateway | Innovationen | Digitalisierung | Smart Cities | dezentrale Stromversorgung | Big Data | RWE
Ressorts:
Technology | Markets

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