Mehr E-Autos brauchen mehr Lademöglichkeiten – sowohl im öffentlichen, als auch im privaten Bereich. Der Bundestag hat Bauherren deshalb am Donnerstagabend zur Errichtung der notwendigen Infrastruktur verpflichtet. Das vom Parlament verabschiedete Gebäude-Elektromobilitäts-Infrastruktur-Gesetz (GEIG) schreibt vor, dass auf größeren Parkplätzen von Wohn- und Gewerbegebäuden unter bestimmten Voraussetzungen Leitungs- und Ladeinfrastruktur bereitgestellt werden muss. So müssen bei Neubau und größeren Renovierungen Gebäude künftig mit einer bestimmten Anzahl von Leerrohren ausgestattet werden, damit nachträglich der Einbau von Wallboxen erleichtert wird.

„Wer die Anschaffung eines umweltfreundlichen Elektrofahrzeugs als Alternative zum Verbrennungsmotor plant, will die Batterie seines Fahrzeugs bequem zu Hause, bei der Arbeit oder während des Einkaufens laden können“, erklärte der energiepolitische Sprecher der Unions-Fraktion, Joachim Pfeiffer (CDU). Das neue Gesetz verleihe deshalb der Ladeinfrastruktur den notwendigen Schub, ohne die Gebäudeeigentümer unverhältnismäßig zu belasten. Die Opposition zeigte sich jedoch kritisch: So ging den Grünen die Vorschriften nicht weit genug. AfD und FDP warnten vor den Kosten.

Energiewirtschaft weitestgehend zufrieden

Gerade der Ausbau der privaten Ladeinfrastruktur gilt als ein entscheidender Faktor für den langfristigen Hochlauf der Elektromobilität, denn über 85 Prozent der Ladevorgänge finden im privaten Bereich statt. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) zeigt sich entsprechend zufrieden mit dem Gesetz: „Wir begrüßen sehr, dass nun endlich eine Einigung im Sinne einer ambitionierten Umsetzung erzielt und das GEIG mit einiger Verspätung beschlossen wurde“, sagte BDEW-Chefin Kerstin Andreae. Positiv sei insbesondere, dass für den Neubau die verpflichtende Ausstattung von Parkplätzen mit Leitungsinfrastruktur nicht erst ab dem zehnten, sondern schon ab dem fünften Stellplatz für Wohngebäude beziehungsweise ab dem sechsten Stellplatz für Nicht-Wohngebäude erfolge. Damit würden aber Ein- oder Zweifamilienhäuser von der Regel nicht erfasst. „Hier wurde eine Chance vertan, zumal Ein- und Zweifamilienhäuser über 80 Prozent aller neu gebauten Wohngebäude ausmachen“, sagte Andreae. Die Kosten für eine spätere Nachrüstung seien deutlich höher.

Auch Ingbert Liebing vom Verband kommunaler Unternehmen (VKU) äußerte sich wohlwollend: „Für den Ausbau der Ladeinfrastruktur für die Elektromobilität brauchen wir dringend Flächen. Dazu müssen wir die vorhandenen Potentiale nutzbar machen. Das gilt für die öffentliche Ladeinfrastruktur, das gilt aber auch für die Ladeinfrastruktur in und an Gebäuden“, sagte der VKU-Chef. Die Verabschiedung des Gesetzes im Bundestag sei längst überfällig gewesen. Die Stadtwerke hoffen auf Geschäfte bei der Errichtung der E-Ladeinfrastruktur an Gebäuden. 

Auch Schnellladegesetz auf dem Weg

Am Mittwoch hatte die Bundesregierung zudem einen Gesetzentwurf für den Aufbau eines Schnellladenetzes auf den Weg gebracht. Das Schnellladegesetz soll den rechtlichen Rahmen für europaweite Ausschreibungen zum Aufbau von 1000 Standorten bis zum Jahr 2023 setzen. Die Stationen sollen eine Leistung von über 150 Kilowatt haben. Reichweite und flächendenke Lademöglichkeiten sind für viele potenzielle Fahrer:innen von E-Autos neben dem Preis das wichtigste Kriterium für die Kaufentscheidung.

Einer Studie der Unternehmensberatung PwC zufolge stiegen die Neuzulassungen von E-Autos 2020 in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr um fast 139 Prozent. Der Marktanteil der 2020 in Deutschland neu zugelassenen E-Fahrzeuge erreichte damit einen neuen Höchstwert von rund 25 Prozent, wobei Wachstumstreiber hierzulande immer noch die umstrittenen die Plug-in-Hybride sind. Die Corona-Krise scheint dem Trend zur Elektromobilität indes noch zu verstärken, wie eine Befragung der Unternehmensberatung Capgemini zeigt. Günstige Autokredite, staatliche Zuschüsse und eine Konjunkturerholung nach der Pandemie dürften die Nachfrage weiter antreiben, prognostizieren die Berater.

(mit dpa)

Wallbox für E-Auto
Die Nachfrage nach privaten Ladestationen steigt. (Copyright: Memodo GmbH & Co. KG)