Offshore-Windenergie
17.06.2014

Vorsicht, große Steckdose!

Siemens
Konverterplattform Helwin Alpha nordwestlich von Helgoland

Offshore-Windkraft gilt als überteuert. Jetzt greift die Industrie an und will die Kosten radikal senken. Es ist die letzte Chance.

Im Rostocker Hafen erhebt sich eine gewaltige künstliche Insel aus Stahl aus dem Werftbecken. Der Koloss, nach den strengen deutschen Vorschriften in knalligem Verkehrsgelb angestrichen, sieht aus wie eine Ölplattform. Über Gerüste und dicke Stahltüren ist das Innere zugänglich. Ein Pfeifton fiept durch die Hallen, bei jedem Tritt bringen die Absätze den Stahlboden zum Klingen. Im Inneren des siebenstöckigen Ungetüms erwartet den Besucher jedoch kein Bohrgestänge, sondern Equipment, das die Kulisse für einen Science-Fiction abgeben könnte: Große, teils fast leere Hallen werden durchschnitten von blanken Hochspannungsleitungen. Hochleitfähiges Metall und schwarze Porzellanisolatoren blitzen im Neonlicht. In einem gewaltigen Rechenzentrum summen Computerserver und Schaltanlagen in langen Reihen vor sich hin.

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Arbeiter der Rostocker Werft von Nordic Yards sind mit den letzten Handgriffen beschäftigt. Gerade wird unüberhörbar das Alarmsystem getestet und auf dem Dach ein Gerüst aufgebaut, um die letzten Arbeiten an den gewaltigen Stelen vorzunehmen, die den gelben Riesen an seinen Bestimmungsort 23 Meter über dem Meer tragen sollen. Das ist hoch genug, um auch eine Jahrhundertwelle in der rauhen Nordsee zu überstehen. Diesen Sommer, sobald der letzte Schliff getan ist und das Wetter mitspielt, wird Sylwin Alpha innerhalb von fünf Tagen von Rostock in die Nordsee geschleppt und 70 Kilometer vor Sylt auf dem Meeresboden verankert.

Sylwin Alpha ist die fünfte große Konverterstation, die vor der deutschen Küste installiert wird: eine Art gigantische Steckdose auf dem offenen Meer. Dort wird der Wechselstrom gesammelt, der in den umliegenden, zu einem Cluster zusammengefassten Offshore-Windparks produziert wird, und in Gleichstrom umgewandelt. In dieser Form kann Elektrizität effizient an Land transportiert werden – und wird dort wieder zu Wechselstrom konvertiert. Der Gesamtverlust liegt bei unter vier Prozent. Die Konverterhalle ist folglich auch das Herzstück von Sylwin Alpha: Siemens hat dort ein strenges Fotografierverbot für Besucher verhängt. Die mit reinstem Wasser gekühlten, silbrig glänzenden Leitungen sind von einer Plane verhängt, die nur für einen kurzen Blick angelupft wird.

Sylwin Alpha ist ohne Frage ein beeindruckendes Projekt. Beim Auftraggeber, dem Netzbetreiber Tennet, und bei Siemens, das die Anlage geplant und zur Besichtigung eingeladen hat, kommen die Fachleute ins Schwärmen ob der Technik. So steuert eine ganze Armada an Computern auf der Plattform extrem genau die Sinuskurve des Wechselstroms und gibt so den präzisen Dirigenten für die Windparks. Aber es ist auch ein enorm teures Unterfangen: Mehr als eine Milliarde Euro wird der Netzanschluss kosten, für bis zu vier Windparks, von denen einer fertiggestellt und einer im Bau ist; die Gesamtleistung der Anlage liegt bei 864 Megawatt. Zu diesem Preis gibt es ein fertiges Gaskraftwerk in gleicher Größe.

Insgesamt kosten die Netzanschlüsse in der Nordsee, wo ein Großteil der deutschen Offshore-Windparks entstehen soll, laut Betreiber Tennet rund acht Milliarden Euro. Bezahlt werden die Investitionen mittels Netzentgelten von den Stromverbrauchern. Die Windräder selbst kosten noch einmal ein Vielfaches und treiben die EEG-Umlage nach oben. Bis zu 19 Cent pro Kilowattstunde gibt es, zumindest für acht Jahre, danach sinkt die Vergütung auf 3,9 Cent. Insgesamt macht das im Schnitt 12 bis 13 Cent pro Kilowattstunde. Neben der direkten Förderung erhalten Investoren umfassende Garantien, falls der Netzanschluss nicht rechtzeitig fertig wird. Bei den ersten Konvertern kämpfte Siemens mit gewaltigen Verspätungen. Netzbetreiber Tennet wiederum tut sich schwer, den Ausbau der Netze finanziell zu stemmen.

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Jakob Schlandt gehört seit Jahren zu den etablierten Energie-Journalisten Deutschlands. Zuletzt war er bei Frankfurter Rundschau und Berliner Zeitung tätig. Für das aktuelle Heft brach Schlandt zu einer Recherchereise auf hoher See auf.

Titelbild: depositphotos.com

Jakob Schlandt
Keywords:
Offshore | Offshore-Windenergie | Windenergie | Tennet | Sylwin Alpha | EEG | Erneuerbare-Energien-Gesetz
Ressorts:
Governance | Markets

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