Elektromobilität
04.11.2019

VW baut in Zwickau „Volks-Elektroauto“

Foto: Volkswagen AG
Im Werk Zwickau läuft die Fertigung des ersten reinen Großserien-Elektroautos von Volkswagen an.

Hoffnungsträger für Volkswagen und für Deutschland: Der größte deutsche Autokonzern will mit dem Produktionsbeginn des ID.3 ins Elektro-Zeitalter aufschließen.

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Für Volkswagen ist der ID.3 auf jeden Fall der Einstieg in den Ausstieg aus der Ära des Verbrennungsmotors. Das Unternehmen hat daher nicht einfach ein Auto entwickelt, sondern einen Technik-Baukasten, mit dem sich künftig alle Modelle elektrifizieren lassen. Das neue Modell ist damit nur die erste Anwendung des „Modularen E-Antriebs-Baukasten“ (MEB), andere sollen schnell folgen. „Mit der MEB Plattform gelingt es – so wie Tesla – Elektroautos ganz spezifisch zu bauen und nicht als Kompromiss“, sagt Dudenhöffer. VW gehe „die Neuausrichtung der Branche sehr beherzt an.“

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Diess verteidigte am Montag seinen strengen Fokus auf Elektromobilität in Abgrenzung zu Wasserstoff und künstlichem Benzin. Die Welt brauche jetzt sofort umweltfreundliche Mobilität, und beide Alternativen seien noch nicht so weit. Sie sind zudem wegen ihres geringen Wirkungsgrades auf einen Überfluss an Ökostrom angewiesen, den es vorerst nicht gebe. „Ohne Elektroauto können wir den Kampf gegen den Klimawandel nicht gewinnen“, sagte Diess.

Verkehrsministerium veröffentlicht „Masterplan Ladeinfrastruktur“

Wie schnell sich das Elektroauto durchsetzt, hängt nun ganz konkret davon ab, wie leicht es sich laden lässt. Bisher hapert es hier noch. Das Verkehrsministerium hat ebenfalls am Montag seinen „Masterplan Ladeinfrastruktur“ veröffentlich: Um wie geplant in zehn Jahren zehn Millionen E-Fahrzeuge auf die Straße zu bringen, wären eine Million Ladesäulen nötig. Verkehrsexperte Dudenhöffer ist jedoch skeptisch, ob es wirklich so kommt. „Die Politik ist bisher wenig glaubwürdig“, die Geschichte der Elektromobilität sei eine der verfehlten Ziele und gebrochenen Versprechen.

Andere Länder investieren hier offensiver. China hat zwar im Sommer seine direkte Subvention für den Kaufpreis auslaufen lassen – doch dahinter steckt die Logik, dass das Elektroauto ab sofort die Normalität sein soll, und die Regierung kann schlecht den ganzen Fahrzeugmarkt subventionieren. Dafür ist das fernöstliche Land der Ladesäulen-Weltmeister. Dort stehen bereits eine Million Strompunkte in den Städten, die nationale Elektrizitätsgesellschaft hat zudem für eine ununterbrochene Kette von Lademöglichkeiten entlang der Autobahnen gesorgt. Bis Ende des kommenden Jahres sollen es erstaunliche 4,8 Millionen Ladepunkte sein. 

"Nicht nur die Antriebsart entscheidet"

Jetzt sorgt Volkswagen zunächst dafür, dass es auch Autos aus deutscher Massenproduktion gibt, die sich damit laden lassen. „Volkswagen wird diese Technologie für Millionen von Menschen erschwinglich machen“, sagt Thomas Ulbrich, VW-Vorstandsmitglied für Elektromobilität. Mit 1,2 Milliarden Euro Investition ist Zwickau so zum größten Elektroautowerk Europas geworden.

Ob Deutschland den Anschluss an den Fahrzeugmarkt der Zukunft behält, liegt nach Ansicht von Experten aber noch an anderen Faktoren. „Über die Zukunft der Automobilbranche entscheidet nicht nur die Antriebsart“, sagte Achim Berg, Präsident des Digitalverbands Bitkom. „Wir brauchen intelligente, vernetzte Fahrzeuge, die Staus vermeiden und insbesondere die schwächsten Verkehrsteilnehmer vor Unfällen schützen.“ Auch hier ist die Konkurrenz aus den USA schon weiter – Tesla treibt die Einführung des selbstlenkenden Autos fast rücksichtslos voran, während chinesische Modelle schon so digital sind, dass sie wie die fahrende Verlängerung des Handys wirken. „Wenn wir die Automobilindustrie als Säule der deutschen Wirtschaft erhalten wollen, brauchen wir hierzulande die weltweit besten Rahmenbedingungen für das vernetzte und autonome Fahren“, so Berg. Sonst wirken deutsche E-Autos schnell altbacken.

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Finn Mayer-Kuckuk
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Keywords:
Elektromobilität | Volkswagen
Ressorts:
Markets

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