Kernkraft
18.05.2016

Warum Frankreich von einem CO2-Mindestpreis profitieren würde

Foto: Wikipeida/Clicgauche
Von einem CO2-Mindestpreis könnte der französische Versorger EDF mit einem hohen Kernkraft-Anteil profitieren.

Die französische Umweltministerin Ségolène Royal hat die Einführung eines Mindestpreises für CO2-Zertifikate angekündigt. Das käme vor allem der französischen Kernkraft zu Gute, glauben deutsche Stromhändler.

 

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Frankreich will wie Großbritannien einen CO2-Mindestpreis einführen. Das verkündete die französische Umweltministerin Ségolène Royal laut Londoner Guardian am Dienstag bei einem Treffen mit EU-Botschaftern in Bonn.

„Ich habe ihnen gesagt, dass Frankreich mit dem nächsten Haushaltsgesetz einen Preis von 30 Euro pro Tonne CO2 einführen will“, sagte Royal, „und dass es sehr wichtig ist, dass andere Staaten folgen.“ Sie sieht darin einen bedeutenden Schritt für die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens. Seit Montag arbeiten Klimadiplomaten in Bonn an den technischen Details zu dessen Umsetzung. Royal ergänzte, es sei an der Zeit, die Europäische Union zu mobilisieren, damit es bei der Ratifizierung des internationalen Klimaabkommens nicht zu Verzögerungen komme.

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Bisher sollte auf europäischer Ebene beim Klimaschutz der Emissionshandel wirken – in der Theorie ein wirksames Instrument: Wer Treibhausgase ausstößt, braucht dafür ein Emissionszertifikat. Dieses wird an der Börse gehandelt, sodass sich ein Marktpreis ergibt. Das soll Unternehmen motivieren, ihre Emissionen zu verringern, um möglichst wenig kostenpflichtige Zertifikate erwerben zu müssen. In Europa ist der Handel mit Klimazertifikaten allerdings ins Straucheln geraten. In Folge der Wirtschaftskrise und einer zu großzügigen Zuteilung wurde der Markt mit Zertifikaten geflutet, die Papiere sind viel zu billig.

 

Geschenk an die heimische Nuklearindustrie

Stromhändlern sehen in der Ankündigung indes einen Vorstoß Frankreichs, den eigenen Atomstrom besser verkaufen zu können. Die Kernkraft hat den größten Anteil an der französischen Energieversorgung, fossile Kohlekraftwerke wie in Deutschland gibt es kaum. „Für die Stromerzeugung in Frankreich würde sich daher de facto nichts ändern“, sagt Tim Loppe, Sprecher beim Düsseldorfer Erneuerbaren- Anbieters Naturstrom. „Vor dem Hintergrund der aktuellen Pläne der EU-Kommission zur Stärkung der Atomkraft wäre ein französischer CO2-Mindestpreis daher vor allem als Stärkung der eigenen Atomindustrie zu verstehen“, ergänzt Loppe.

Pfingstmontag war bekannt geworden, dass die EU-Kommission an Plänen zum Ausbau der Kernenergie arbeitet. In einem Diskussionspapier nannte das Forschungsressort der EU-Kommission als Ziel, die technologische Vorherrschaft im Nuklearsektor mit EU-Forschungsgeld zu verteidigen und beim Bau neuer Reaktoren auf EU-Ebene zusammenzuarbeiten.

Würden weitere Nachbarstaaten dem französischen Vorstoß folgen, wie Royal fordert, könnte das zu einem Anstieg der Strompreise in Europa führen. Davon würde insbesondere der französische Versorger EDF profitieren.

Jana Kugoth
Keywords:
Frankreich | CO2-Mindestpreis | EDF | Segolène Royal | Klimaschutz | Deutschland | Strompreis | Nuklearenergie | Naturstrom | Emissionshandel
Ressorts:
Governance | Markets

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