Kommentar der Woche
10.11.2016

Warum Trumps Sieg für VW eine Niederlage ist

Foto: flickr/xddorox; CCO
Der Wahlsieg von Donald Trump bringt VW in den USA gleich mehrere Probleme.

Je mehr Wahlversprechen Trump einlöst, desto schwieriger wird es für den Wolfsburger Autokonzern in den USA. Der Kommentar der Woche von Ferdinand Dudenhöffer.

Donald Trump hat die US-Wahl überraschend gewonnen und wird im Januar ins Weiße Haus einziehen. Das ist für viele eine Hiobsbotschaft – insbesondere für den Volkswagen-Konzern. Für den könnte sich Präsident Trump als geschäftsschädigend erweisen, und zwar gleich auf mehreren Ebenen.

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Drohender Zeitverlust

Für VW-Vorstandschef Matthias Müller ist es jetzt extrem wichtig, alle Dieselgate-Themen bis zu Trumps Amtsantritt „unter Dach und Fach“ zu haben. Der Machtwechel im Weißen Haus geht einher mit dem Auswechseln von mehr als 1.000 Fachbeamten in den US-Regierungsbehörden. Bis sich die Neuen eingearbeitet haben, vergehen Monate. Diesen Zeitverlust kann sich VW nicht leisten.

 

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Audis Benzin- und Dieselmotoren 

Seit dem vergangenen Wochenende gibt es zudem neue Vorwürfe gegen Volkswagen: Demnach könnte die Konzerntochter Audi Schummel-Software auch in Benzinmotoren eingebaut haben. Hinzu kommt die bisher nicht erzielte Einigung über 85.000 Schummel-Software-Fahrzeuge mit 3,0 Liter Diesel-Motoren. Präsident Trump könnte sich den VW-Konzern vorknöpfen, ihn erneut schröpfen und so an einem ausländischen Autokonzern ein Exempel statuieren – zur Freude der weißen US-Arbeiter im Rust Belt, die Trump gewählt haben.

 

Handelshemmnisse

Trump hat im Wahlkampf gegen Freihandel gewettert. Als Präsident wird er Handelshemmnisse aufbauen, die ausländischen Anbietern den Zugang zum US-Markt erschweren. Damit sind die Autobauer mit US-Fabriken auf der Gewinnerseite, vorneweg natürlich die einheimischen Konzerne GM, Ford, Fiat-Chrysler. Die deutschen Autoriesen BMW und Daimler besitzen immerhin wichtige US-Werke, um den mit 16 Millionen Neuzulassungen zweitgrößten Markt der Welt (nach China) zu bedienen. VW aber hat große Kapazitäten (neben seinem eher „überschaubaren“ US-Werk) außerhalb der USA – insbesondere und ausgerechnet in Mexiko.  

 

Mauer gegen Mexiko 

Bekanntlich will Trump eine Mauer an der Grenze zu Mexiko bauen. Unter der würden auch Autoimporte aus dem Nachbarland leiden. Dabei hat Mexiko in den vergangenen fünf Jahren einen regelrechten Autoproduktionsboom erlebt. Der wird gebremst, wenn Trump seine Drohungen gegen Mexiko wahrmacht und unter anderem das nordamerikanische Freihandelsabkommen NAFTA entsprechend ändert. Das könnte die mexikanischen VW-Werke empfindlich treffen. 2015 hat VW mehr als 450.000 Neuwagen in Mexiko produziert. Erst im September dieses Jahres hat Audi in Mexiko ein rund eine Milliarde teures Werk für sein SUV-Modell Q 5 eröffnet. Das nagelneue Werk in San José Chiapa ist für 150.000 Audi Q5 jährlich ausgelegt. Volkswagen sitzt damit in Mexiko auf Produktionskapazitäten von insgesamt mehr als 600.000 Fahrzeugen. „Trumps mexikanische Mauer“ ist also ein hohes Risiko für den VW-Konzern. 

 

Über den Autor: Ferdinand Dudenhöffer, seit vier Jahren regelmäßiger bizz-energy-Kolumnist, hat gerade ein lesenswertes Buch über die Zeitenwende in der Autoindustrie (Titel „Wer kriegt die Kurve?“) geschrieben, das im Campus-Verlag erschienen ist. Der Autor ist Direktor des CAR-Center Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen sowie Inhaber des Lehrstuhls für allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen.

Keywords:
VW | Donald Trump | US-Wahlen | Mexiko
Ressorts:
Markets

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