Kolumne von Ferdinand Dudenhöffer
24.12.2012

Was läuft beim Elektroauto schief?

Quelle: Valentin Kaden
Automobilexperte und BIZZ energy today Kolumnist Ferdinand Dudenhöffer

Das Elektroauto sei reif für das Museum schrieb Auto-Papst Ferdinand Dudenhöffer in seiner Kolumne für BIZZ energy today. Damit sorgte er für einigen Wirbel.

Eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen bis 2020. Dieses Ziel der Bundesregierung war von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Batteriegetriebene Elektroautos haben ihre Nachteile: Geringe Reichweite, hohe Preise und lange Ladezeiten. Darüber wurde viel geschrieben, nicht nur in Deutschland. 

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Beim jüngsten E-Mobility-Gipfel im Kanzleramt hat Angela Merkel erneut Kaufprämien für Elektroautos abgelehnt. Damit liegt die Kanzlerin richtig. Selbst hohe Kaufprämien bringen wenig, wie zum Beispiel die Erfahrung in den USA lehrt. Mit bis zu 7.500 US-Dollar Zuschuss pro Fahrzeug wurde versucht, Begeisterung bei Autofahrern zu wecken. Ohne Erfolg: Weniger als 20.000 Fahrzeuge oder 0,2 Prozent aller verkauften Neuwagen waren im größten Automarkt der Welt in den ersten acht Monaten Elektroautos. In Deutschland sieht die Bilanz noch trüber aus. 2.272 zugelassene Elektroautos oder 0,1 Prozent Marktanteil in den ersten acht Monaten. Rechnet man die Zulassungen von Autobauern und Händlern heraus, bleiben 1.036 Elektroautos übrig. Eine traurige Bilanz.

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Am Angebot liegt es nicht. Es herrscht kein Mangel an Modellen. Opel hat den Ampera. Bei Citroen, Peugeot und Mitsubishi steht der ​i-MIEV in verschiedenen Formen bei den Händlern. Nissan hat den Leaf, Renault den Fluence und auch der Elektro-Smart ist zu haben.

Elektroauto auf dem besten Weg ins Museum

Doch der Verkaufserfolg bleibt aus. Der Mitsubishi i-MIEV befindet sich bereits in seinem zweiten Verkaufsjahr – und floppt. Nach 683 Verkäufen im letzten Jahr wurden in den ersten acht Monaten nur 53 Wagen abgesetzt. Selbst die kräftige Preissenkung in Höhe von 5.200 Euro auf 29.300 Euro hat nichts gebracht. Solche Hiobsbotschaften ziehen weitere nach sich: Toyota baut zwar noch immer Hybridautos, gab aber Ende September bekannt, seine Elek­troautopläne ad acta zu legen. Wenn sich an der Situation nichts ändert, ist das Elektroauto auf dem besten Weg ins Museum.

Die wirtschaftlichen Folgen dieser Malaise: Allein bei deutschen Autobauern dürften insgesamt mehr als fünf Milliarden Euro in die Entwicklung von Elektroautos geflossen sein, von denen jetzt vermutlich drei Viertel abgeschrieben werden müssen. Daimler legte Smart und A-Klasse als Elektroautos aus und schloss ein Lithium-Ionen Joint Venture mit Evonik für die Batterielieferung ab. Bei BMW starten nächstes Jahr völlig neu entwickelte Elektrofahrzeuge, der i3 und i8. Bei VW und Audi läuft die Entwicklung für eine Reihe von Elektrofahrzeugen, darunter auch der E-Golf. Eine stärkere Unterstützung dieser Aktivitäten wäre wichtig gewesen, allein, um die jetzt drohenden Steuerausfälle zu vermeiden. Bei deutlich über drei Milliarden Euro Abschreibungen gehen dem Fiskus mit Sicherheit mehr als eine Milliarde Euro verloren. 

In Sonntagsreden haben deutsche Politiker gern über die Nutzung von Busspuren, kostenlosem Parken und anderen Vergünstigungen für Elektroautos schwadroniert. Umgesetzt wurde nichts. 

Sinnvoll wäre es auch, in Großstädten strengere Abgaswerte vorzuschreiben und den Lieferverkehr in Fußgängerzonen nur noch durch Elektroautos zuzulassen. Doch diese Vorschläge wurden nicht umgesetzt. Es fehlen auch Carsharing-Systeme mit Elektroautos, die jedermann die Möglichkeit geben, diese Fahrzeuge kennenzulernen und Vorurteile abzubauen.

EU-weite Regulierungen würden verhindern, dass jeder Mitgliedsstaat beim E-Auto allein vor sich hin wurschtelt. Doch die EU-Kommission bleibt beim Thema Elektroauto stumm. Keine gemeinsame Anstrengung, keine Abstimmung. In der Bundesregierung sind gleich vier Ministerien für das Elektroauto zuständig. Viele Köche verderben den Brei.

Kaufprämien alleine helfen nicht weiter, es braucht Multiplikatoren

Diese Aufzählung verpasster Chancen soll zeigen: Das Scheitern hat viele Gründe. Das Elektroauto braucht keine Verkaufsprämie, sondern einen Verkaufsmultiplikator. Der kommt nur zustande, wenn möglichst viele Menschen das Auto kennenlernen. Bei einem Großexperiment an der Universität Duisburg im Herbst 2011 ließen wir 230 Autofahrer mit Elektroautos fahren. Die Teilnehmer waren begeistert – vom leisen Fahrgeräusch, von der nicht erwarteten Agilität und der Abgasfreiheit.  

38 Prozent der Teilnehmer konnten sich vorstellen, ein Elek­troauto zu kaufen und waren auch bereit, dafür 5.000 Euro Aufpreis gegenüber der Benzinvariante zu bezahlen. Sie haben das Elektroauto kennen- und lieben gelernt. Durch praktisches Fahren.

Aber die tägliche Praxis in den Autohäusern sieht leider anders aus. Nach all den negativen Schlagzeilen der letzten Wochen und Monate bittet kaum ein (potenzieller) Kunde um eine Probefahrt im E-Auto. Warum sollte er sich das antun?  

Also stirbt das Elektroauto. Langsam. Die großen Versprechungen der Politik haben einen Wettlauf angezettelt, der nur Verlierer kennt.

 

Ferdinand Dudenhöffer

...ist Direktor des CAR-Center Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen sowie Inhaber des Lehrstuhls für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen.

Ferdinand Dudenhöffer
Keywords:
Ferdinand Dudenhöffer | Elektromobilität | Elektroauto
Ressorts:
Markets

Kommentare

Dem Manne muss ausnahmsweise Recht gegeben werden. Aber sorry, das Desaster war doch schon lange abzusehen. Wie blind und taub ist die Bundesregierung? Wie viel Millarden müssen noch in den Sand gesetzt werden? Wie wenig ist der Kunde, der Verbraucher bekannt? Bitte endlich mal eine vernünftige Politik, mit bezahlbaren Alternativen zu Benzin und Diesel.

Totgesagte leben länger.
Das hatten wir schon so oft. Zuletzt erinnere ich mich spontan z.B. an den Smart, und er ist immer noch da.
Kostet der Sprit erst mal 3 oder 5 Euro hat sich die ganze Besserwisserei von selbst erledigt und wir werden dann Töne hören wie: "na ja, dass hätte man damals noch nicht wissen können....."
Würde es das IPhone 5 geben, wenn man das 1er in den Medien so behandelt hätte wie die Elektromobilität?

5 MRD € investiert? Und welches E-Auto wird denn angeboten???
Wo gibt es denn Elektro-BMW´s, Elektro-Audi´s, Elektro-Mercedes, Elektro-VW´s usw???
Fehlanzeige, nicht wahr??? Warum die Tatsachen denn ausblenden, Herr Dudenhoffer???

Es braucht erstmal GEBAUTE E-Fahrzeuge, die auch noch zum Verkauf angeboten werden, die gibt´s aber noch fast gar nicht (von deutschen Herstellern), deswegen redet der Herr Dudenhoffer über die Sachen, die es gar nicht gibt.

Ja, den Mitsubishi i-MiEV gibt es, allerdings ist es schon seit 2009 auf den Straßen, quasi das E-Auto der allerersten Stunde (nach Tesla natürlich), zu überteuerten Preisen. Es kamen im letzten Jahr bereits bessere Alternativen.

Und wie es läuft, wenn man von Anfang an engagiert an die Sache rangeht, und auch vernünftig ausgelegte E-Fahrzeuge baut, zeigt ja Tesla mit dem S-Model sehr gut... das nächste Jahr ist schon längst ausverkauft.

Drei-Tonnen-SUVs mit Breitreifen wie ein Luchs-Spürpanzer und dem Widerstandsbeiwert einer Wohnzimmerschrankwand erfeuen sich größter Beliebtheit. Solange die Hersteller mit diesem Schwachsinn auf vier Walzen Geld verdienen können,solange ist Elektromobilität kein Thema. Auf diesem Markt bestimmt allein die Ignoranz. Solange die Käufer diese Gletscherkiller nachfragen, solange bleibt die Vernunft auf der Strecke.

Herr Ferdinand Dudenhöffer

hat ein Lehrstuhl, da könnte man doch schlussfolgern ein ganzzheitliches Konzept zu erarbeiten.

Ein Problem sehe ich auch in den 4 zuständigen Ministerien.
Da kommt dann das Thema, die Ferdinand Dudenhöffer

G r Rechte weiß nichts von der Linken, sowie vom vorderen und hinteren. Welche Kompetenzen wissen hier aufgeteilt werde?

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