Alternative Antriebe
29.08.2018

Wasserstoff-Busse für den Kölner Speckgürtel

Foto: Regionalverkehr Köln GmbH
30 Busse mit H2-Antrieb hat Regionalverkehr Köln bei dem belgischen Hersteller Van Hool bestellt.

Anders als viele andere Verkehrsbetriebe setzt der Regionalverkehr Köln auf die Brennstoffzelle. Dabei brauchen nicht nur die Fahrer Geduld und gute Nerven.

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Die Lieferzeiten sind länger als bei Dieselbussen: Während Ölbrenner etwa sechs Monate nach Bestellung geliefert werden, müsse man auf ein H2-Fahrzeug schon mal ein knappes Jahr warten, sagt Conrad: „Das muss deutlich besser werden.“ Eigentlich hätte der RVK seine Wasserstoff-Busse gerne bei Daimler geordert, denn auch die Diesel-Fahrzeuge des Verkehrsunternehmens stammen vom Stuttgarter Autobauer, und Steuergeld sollte im besten Fall deutschen Unternehmen zugutekommen. Doch Daimler winkte ab: Alle Brennstoffzellen-Busse aus der Citaro-Kleinserie seien bereits anderweitig vergeben.

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Der elektrische Citaro E-Cell der Tochter EvoBus, der Ende 2018 in Serienfertigung gehen soll, hat einen reinen Batterie-Antrieb. Erst ab 2020 plant Daimler auch ein BZ-Modell in Serie. Conrad ist fassungslos: „Es ist aberwitzig, wir beknien große Hersteller wie MAN und Mercedes regelrecht, aber sie können nicht liefern.“ Deshalb hat sich der RVK erst ab 2030 dazu verpflichtet, nur noch Busse mit alternativen Antrieben anzuschaffen. „Wenn es schon früher klappt, umso besser“, sagt Conrad.

Kaum Fahrgeräusche

Nach dem Ausfall des ersten BZ-Busses macht das zweite RKV-Wasserstoff-Modell eine Sonderfahrt zur nahe gelegenen Tankstelle. Diesmal funktioniert alles einwandfrei. Im Innenraum ist der surrende Ton der Brennstoffzellentechnik zu hören: Sie ist in die Rückwand des Busses eingebaut und lädt eine 24-Kilowattstunden-Batterie. Der Wasserstoff-Antrieb ist von innen deutlich leiser als ein dröhnender Dieselmotor, von außen ist praktisch gar kein Fahrgeräusch zu hören.

Ungewohnt klingt auch das Tanken. Mit einem Zischen rastet der Stutzen in der Tanköffnung ein. Ein RKV-Mitarbeiter drückt auf den Touchscreen der Zapfsäule. Sie misst den Füllstand des Tanks und betankt ihn vollautomatisch mit einem Druck von 350 bar. Weniger als zehn Minuten dauert das – Batteriebusse zu laden, zieht sich meist über Stunden. Die acht Tanks des H2-Busses fassen insgesamt 40 Kilo Wasserstoff. Zweimal täglich wird er befüllt,  in der Regel morgens und abends. Je nach Außentemperatur liegt die Reichweite bei 250 bis 400 Kilometern. Damit sei er bestens geeignet für das RVK-Gebiet, das mit 3.500 Quadratmetern Fläche bei gut 2,8 Millionen Einwohnern sehr groß geschnitten sei, sagt Conrad.

Das Tankstellen-Display zeigt 3,80 Euro pro Kilo H2 an. Häufig kostet Wasserstoff mit 9,50 Euro ein Vielfaches. „Der Preis ist hier so niedrig, weil wir direkt an der Quelle sitzen“, sagt Conrad. Die Tankstelle gehört den Stadtwerken Hürth und befindet sich am Gelände des Chemieparks Knapsack, Gasehersteller Praxair liefert das H2.

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Keywords:
Alternative Antriebe | Wasserstoff-Busse | Regionalverkehr Köln | erneuerbare Energien | Elektromobilität
Ressorts:
Governance | Technology | Markets

Kommentare

Was für eine Energieverschwendung.
Albert Einstein hat einmal auf die Frage nach dem häufigsten Element im Universum geantwortet: „Wasserstoff und die Dummheit der Menschen. Aber beim Wasserstoff bin ich mir nicht ganz so sicher“.
Es gibt längst Busse, die viel sauber, umweltfreundlicher und kostengünstiger fahren. Einmal bei SCANIA nach Bioethanol-Busse anfragen!

Bedauerlicherweise ist Bioethanol technischer Quatsch und für den öffentlichen Verkehr längst überholt. Abgesehen von thermischen Problem und oftmals vorhandenem Ärger mit der Motorschmierung, gibt es weitere Details die nicht dauerhaft funktionieren und Herstellern wie Scania und Mercedes wohl bewusst sind. Egal wie man es anstellt, der an­ti­quierte Verbrennungsmotor bittet in keiner Form etwas vergleichbar umweltfreundlicheres als eine Brennstoffzelle. Das gilt jedoch nur, wenn nicht wie bisher der Wasserstoff wie bei vielen Systemen (auch außerhalb der E-Mobilität)aus Erdgas, etc. gewonnen wird. Aber wie bei vielen technischen Lösungen ist Deutschland längst nicht mehr an der Spitze der entsprechenden Technologien. Und solange die großen Villen und privat Fahrzeuge der Aufsichtsräte und CEO´s bezahlt werden und der durchschnitts Bürger sich hinters Licht führen lässt, wird sich daran nicht ändern. Wie so oft geht es nur um Macht und Umsatz und nicht um die Sache selbst.

Und dafür dann die Urwälder für Palmöl roden.

Natürlich gehört Wasserstoff bzw. der Brennstoffzelle die Zukunft. Gemeinsam mit innovativer Batterietechnik. In einigen Jahren mit der Feststoffbatterie lachen wir über unsere heutige Diskussionen. Ich fahre übrigens seit 2 Jahren sehr erfolgreich elektrisch und bin noch nie stehen geblieben.

Das Zitat ist leider falsch wiedergegeben. Mit der Dummheit von Anderen sollte man nicht spekulieren, solange man selbst nicht sattelfest ist. Wasserstoff ist eindeutig sauberer als Bioethanol, das aus importiertem Zuckerrohr (Brasilien) hergestellt wird. Richtig ist, dass die Elektrolyse energieaufwendiger ist, was aber bei Nutzung von Überschussstrom aus Offshore-Windkraft (Power to Gas) kein Problem darstellt.

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