Die Lieferzeiten sind länger als bei Dieselbussen: Während Ölbrenner etwa sechs Monate nach Bestellung geliefert werden, müsse man auf ein H2-Fahrzeug schon mal ein knappes Jahr warten, sagt Conrad: „Das muss deutlich besser werden.“ Eigentlich hätte der RVK seine Wasserstoff-Busse gerne bei Daimler geordert, denn auch die Diesel-Fahrzeuge des Verkehrsunternehmens stammen vom Stuttgarter Autobauer, und Steuergeld sollte im besten Fall deutschen Unternehmen zugutekommen. Doch Daimler winkte ab: Alle Brennstoffzellen-Busse aus der Citaro-Kleinserie seien bereits anderweitig vergeben.

Der elektrische Citaro E-Cell der Tochter EvoBus, der Ende 2018 in Serienfertigung gehen soll, hat einen reinen Batterie-Antrieb. Erst ab 2020 plant Daimler auch ein BZ-Modell in Serie. Conrad ist fassungslos: „Es ist aberwitzig, wir beknien große Hersteller wie MAN und Mercedes regelrecht, aber sie können nicht liefern.“ Deshalb hat sich der RVK erst ab 2030 dazu verpflichtet, nur noch Busse mit alternativen Antrieben anzuschaffen. „Wenn es schon früher klappt, umso besser“, sagt Conrad.

Kaum Fahrgeräusche

Nach dem Ausfall des ersten BZ-Busses macht das zweite RKV-Wasserstoff-Modell eine Sonderfahrt zur nahe gelegenen Tankstelle. Diesmal funktioniert alles einwandfrei. Im Innenraum ist der surrende Ton der Brennstoffzellentechnik zu hören: Sie ist in die Rückwand des Busses eingebaut und lädt eine 24-Kilowattstunden-Batterie. Der Wasserstoff-Antrieb ist von innen deutlich leiser als ein dröhnender Dieselmotor, von außen ist praktisch gar kein Fahrgeräusch zu hören.

Ungewohnt klingt auch das Tanken. Mit einem Zischen rastet der Stutzen in der Tanköffnung ein. Ein RKV-Mitarbeiter drückt auf den Touchscreen der Zapfsäule. Sie misst den Füllstand des Tanks und betankt ihn vollautomatisch mit einem Druck von 350 bar. Weniger als zehn Minuten dauert das – Batteriebusse zu laden, zieht sich meist über Stunden. Die acht Tanks des H2-Busses fassen insgesamt 40 Kilo Wasserstoff. Zweimal täglich wird er befüllt,  in der Regel morgens und abends. Je nach Außentemperatur liegt die Reichweite bei 250 bis 400 Kilometern. Damit sei er bestens geeignet für das RVK-Gebiet, das mit 3.500 Quadratmetern Fläche bei gut 2,8 Millionen Einwohnern sehr groß geschnitten sei, sagt Conrad.

Das Tankstellen-Display zeigt 3,80 Euro pro Kilo H2 an. Häufig kostet Wasserstoff mit 9,50 Euro ein Vielfaches. „Der Preis ist hier so niedrig, weil wir direkt an der Quelle sitzen“, sagt Conrad. Die Tankstelle gehört den Stadtwerken Hürth und befindet sich am Gelände des Chemieparks Knapsack, Gasehersteller Praxair liefert das H2.