Mobilität
12.05.2016

Wasserstoff statt Diesel

Foto: Alstom
Didier Pfleger, Geschäftsführer Alstom Deutschland und Österreich, will im Herbst den ersten Brennstoffzellenzug präsentieren.

Im Herbst will der Zughersteller Alstom Transport der Öffentlichkeit seinen ersten Zug mit Brennstoffzelle präsentieren. Die emissionsarmen Loks sollen den bisherigen Dieselantrieb ersetzen – brauchen allerdings tonnenweise Treibstoff.

 

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Nach dem Verkauf seiner Energiesparte an den US-Elektroriesen GE ist der französische Konzern Alstom jetzt zwar nur noch Zughersteller, will aber in diesem Bereich umso mehr Furore machen – mit Hilfe der Brennstoffzelle. Den ersten Prototyp seiner wasserstoffbetriebenen Lokomotive will Alstom im September in Berlin auf der Zugmesse InnoTrans vorstellen. Ein Jahr später sollen die Züge auf die Schiene gesetzt werden. „Der Probebetrieb der ersten Fahrzeuge wird bereits 2018 in Niedersachsen erfolgen“, kündigt Didier Pfleger an. Er leitet die Geschäfte von Alstom in Deutschland und Österreich. Insgesamt wollen vier Bundesländer die neuen Loks in Betrieb nehmen. „Danach werden wir sukzessive Fahrzeuge ab 2020 in Niedersachsen und NRW in den Fahrgastbetrieb bringen“, sagt Didier. Bis Ende 2021 werde der Einsatz von weiteren Fahrzeugen in Hessen und Baden-Württemberg erfolgen.

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Die entsprechende Absichtserklärung hatte der Alstom-Chef schon 2014 mit den Ministerpräsidenten der Bundesländer Niedersachsen, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg unterzeichnet. Entwickelt und gebaut werden die Züge im Alstom-Werk im niedersächsischen Salzgitter, dem Spezialisten für Nahverkehrszüge im Konzern. Ein lohnendes Geschäft: Mehr als 60 Züge sollen bis 2021 ausgeliefert werden.

 

Unterstützung von Verkehrsminister Dobrindt

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hat das Projekt mit 7,6 Millionen Euro gefördert. Gegenüber Dieseltriebwagen, die auf den nicht elektrifizierten Strecken im Regionalverkehr zum Einsatz kommen, sei der Antrieb per Brennstoffzelle energieeffizienter und kostengünstiger, argumentiert das Ministerium. Außerdem müssen keine Oberleitungen gebaut werden, über die strombetriebene Züge normalerweise mit Strom versorgt werden. „Wenn es gelingt, den Nachweis der Alltags- und Einsatztauglichkeit der Technologie zu erbringen, haben wir eine echte emissionsarme Antriebsalternative“, sagt Dobrindts Staatssekretär Enak Ferlemann.

Ob das Projekt sich tatsächlich rechnet, wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Die emissionsarmen Züge brauchen immense Mengen Treibstoff: Für den Betrieb einer Strecke mit zehn Fahrzeugen sind zwei bis drei Tonnen Wasserstoff nötig – pro Tag. Weil der sehr teuer ist und zusätzlich die entsprechenden Tankstellen noch gebaut werden müssen, hat der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr in seiner im April veröffentlichten Ausschreibung die Verantwortung dafür dem Fahrzeugbauer übergeholfen. In dem Text heißt es: Der Zughersteller solle „die Instandhaltung, langfristige Sicherstellung der Verfügbarkeit und Versorgung mit Wasserstoff über voraussichtlich 25 Jahre“ garantieren. Damit will NRW die Verkehrsunternehmen entlasten, die künftig die 50 Kilometer lange Strecke zwischen Borken im Münsterland und der Ruhrpott-Stadt Essen befahren. Das Risiko solle dort sein, wo es hingehöre, heißt es seitens des Verkehrsverbunds Rhein Ruhr, nämlich bei den Herstellern. Zugausfälle und erhebliche Mehrkosten für Verkehrsunternehmen, wie zuletzt zum Beispiel in Folge der technischen Probleme bei den Zügen der S-Bahn Berlin, sollen damit vermieden werden. 

Jana Kugoth
Keywords:
Brennstoffzelle | Alstom Transport | Salzgitter | Züge | Emissionen | Klimaschutz | Bundesverkehrsministerium
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