Emissionen
17.08.2016

Weltklimarat seziert 1,5 Grad-Ziel

Foto: malivoja/istock.com
Um das 1,5 Grad zu erreichen, müssen Emissionen wieder aus der Atmosphäre genommen werden, sagen Experten.

Der CO2-Gehalt in der Atmosphäre steigt und steigt. Und mit ihm die Erdtemperatur. Wie die globale Erwärmung auf 1,5 Grad begrenzt werden könnte, sollen jetzt führende Wissenschaftlern erarbeiten. Ohne sogenannte negative Emissionen geht es nicht, sagen die Experten.

 

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In diesen Tagen kommt im schweizerischen Genf der Weltklimarat (IPCC) zusammen. Die Klimaforscher aus aller Welt sollen bis 2018 einen Bericht vorlegen, wie der globale Temperaturanstieg auf 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit begrenzt werden kann.

Das ist nötig, weil sich die Weltgemeinschaft in Paris ein ambitioniertes Ziel gesetzt hatte als ursprünglich angenommen. Die UN-Mitgliedsstaaten wollen die globale Erwärmung auf "deutlich unter zwei Grad begrenzen", heißt es in dem in Paris verabschiedeten Vertragstext.
In seinem letzten Sachstandsbericht von 2014 war der IPCC allerdings noch von einem Zwei-Grad-Ziel ausgegangen.

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„Der Auftrag an den Weltklimarat zeigt, dass die internationale Politik mehr über die möglichen Optionen zum kurzfristigen Klimaschutz wissen will“, sagt Jan Minx, Klimaforscher am Mercator Institute für Global Commons and Climate Change. In seinen Berichten berechnet der Weltklimarat regelmäßig, welche Klimawandelfolgen zu erwarten sind, wie sich die Staaten daran anpassen müssen und wie das Ziel erreicht werden könnte.

 

CO2-Budget schrumpft

Eine wichtige Rolle spielen dabei die sogenannten negativen Emissionen. Das heißt: Einmal ausgestoßene Treibhausgase müssen der Atmosphäre weitestgehend wieder entzogen werden. „Anders ist das 1,5-Grad-Ziel nicht zu halten", ist Klimaforscher Minx überzeugt.

Nach Berechnungen des Weltklimarates dürfen zur Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels maximal noch 200 Gigatonnen Klimagase in der Atmosphäre abgelassen werden. Derzeit werden jedes Jahr etwa 40 Gigatonnen in die Luft geblasen. Machen wir weiter bisher, hätten wir also das noch verbleibende CO2-Budget in fünf Jahren aufgebraucht. „Deshalb müssen wir uns quasi Emissionen von der Atmosphäre leihen, die wir dann mit Zinsen zurückzahlen“, sagt Minx.

Denkbar wäre beispielsweise die Verfeuerung von Biomasse und die anschließende unterirdische Speicherung von klimaschädlichem Kohlendioxid, aber auch die Verwendung von Bio-Kohle oder die Aufforstung neuer Bäume. Durch derartige Verfahren „zur Einhaltung des 1,5 Grad-Ziels müsste so viel CO2 aus der Atmosphäre genommen werden, wie wir derzeit weltweit in 10 bis 25 Jahren ausstoßen“, rechnet Wissenschaftler Minx vor.

 

Die Zeit drängt

Warum ist das 1,5 Grad Ziel so wichtig? Schon bei dessen Überschreitung würden Wetterextreme zunehmen, Korallenriffe wären bedroht und der Meeresspiegel würde drastisch ansteigen. Bis 2300 prognostizieren Forscher einen Anstieg um 1,5 Meter. Bei zwei Grad sagen die Projektionen des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung sogar einen Anstieg zwischen zwei und drei Metern voraus. Für viele kleine Inselstaaten im Pazifik würde das im wahrsten Sinne des Wortes den Untergang bedeuten.

Die Zeit drängt also. Der vergangene Juli war laut Wetterexperten der wärmste Monat seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Ein aktueller Bericht der US-Wetter und Meeresbehörde (NOAA) prognostiziert: 2016 wird insgesamt ein Hitzerekordjahr. Insgesamt haben in der Studie 450 Wissenschaftler aus aller Welt zehntausende Messdaten ausgewertet. 

Jana Kugoth
Keywords:
Weltklimarat | IPCC | negative Emissionen | Bio-Kohle | CCS | 1 | 5-Grad-Ziel
Ressorts:
Governance

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