In den ersten neun Monaten des Jahres haben erneuerbare Energien wie Wind- und Solarkraft knapp 48 Prozent des Stromverbrauches in Deutschland abgedeckt - also fast die Hälfte. Das waren fünf Prozentpunkte mehr als im Vorjahreszeitraum, wie aus Berechnungen des Zentrums für Sonnenenergie und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) und des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hervorgeht.

Zu verdanken sei dieser Anstieg zum einen den günstigen Wetterverhältnissen, etwa einem windreichen ersten Quartal und vielen Sonnenstunden. Insbesondere im ersten Quartal konnte laut den Angaben deutlich mehr Strom aus Wind erzeugt werden als im Vorjahr - bei Wind an Land beträgt das Plus sieben und bei Wind auf See 10 Prozent. Ungewöhnlich viele Sonnenstunden sorgten zudem für einen deutlichen Anstieg der solaren Stromerzeugung um 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Etwa die Hälfte der Steigerung komme zum anderen auch daher, dass der Stromverbrauch in den ersten drei Quartalen als Folge der Corona-Pandemie um knapp fünf Prozent gesunken sei. Zeitweise war die Wirtschaft in der Corona-Krise stark heruntergefahren.

2030 soll der Ökostrom-Anteil bei 65 Prozent liegen. Bis dahin sei es noch ein weiter Weg, erklärte BDEW-Chefin Kerstin Andreae zu den Zahlen. Dafür müsse der Entwurf des EEG 2021, den das Bundeskabinett gerade verabschiedet hat, an einigen Stellen nachgeschärft werden. So rechne das Bundeswirtschaftsministerium für das Jahr 2030 mit einem kaum veränderten Stromverbrauch. Andreae; "Das ist jedoch nicht realistisch, wenn wir von bis dahin 10 Millionen Elektrofahrzeugen und einem steigenden Strombedarf in Wärmemarkt und Industrie ausgehen."

Ausbau muss schneller vorangehen

ZSW-Vorstandsmitglied Frithjof Staiß mahnte, die Zahlen dürften nicht darüber hinwegtäuschen, "dass noch sehr viel Arbeit vor uns liegt". Der Ausbau der Erneuerbaren muss künftig deutlich schneller gehen, nicht nur in Deutschland, sondern europaweit. Dies ist für Staiß nicht nur eine wesentliche Voraussetzung für eine Umsetzung des EU-Klimaziels von mindestens 55 Prozent. Auch die Nationale Wasserstoffstrategie der Bundesregierung ebenso wie die europäische Wasserstoffstrategie verlangten einen wesentlich schnelleren Ausbau der erneuerbaren Stromerzeugung.

Insgesamt wurden den Angaben zufolge in den ersten drei Quartalen gut 192 Milliarden Kilowattstunden (kWh) Strom aus Sonne, Wind und anderen regenerativen Quellen erzeugt, 2019 waren es im gleichen Zeitraum 181,9 Milliarden. Den größten Anteil lieferte mit 76 Milliarden kWh Wind an Land, gefolgt von knapp 46 Milliarden kWh aus Photovoltaik.

jst/dpa

 Mit dem EEG 2021 sollen Kommunen an neuen Windrädern finanziell beteiligt werden.
 Mit dem EEG 2021 sollen Kommunen an neuen Windrädern finanziell beteiligt werden. (Copyright: iStock)