Die Steuerung der Stromnachfrage bietet ein riesiges Potenzial, um den Stromspeicherbedarf deutlich zu reduzieren. Laut einer Studie vom Verband für Elektrotechnik (VDE) können heute bereits 8,5 Gigawatt (GW) Leistung pro Tag zeitlich durch intelligente Steuerung verschoben werden. Das entspricht insgesamt der Energienachfrage von rund vier Millionen Haushalten. Die Hälfte des Einsparpotenzials liege bei Stromabnehmern in der energieintensiven Industrie wie Aluminium- und Stahlproduzenten. Die andere Hälfte könne bei Haushalten, Gewerbe und Dienstleistungen eingespart werden, heißt es in der Studie.

2020 sollen rund 35 Prozent des Stromverbrauchs durch teils stark fluktuierenden Ökostrom gedeckt werden, so das Ziel der Bundesregierung. Um die Nachfrageverschiebung möglichst optimal zu nutzen, müssten laut VDE-Studie Steuerungs- und Tarifsignale an alle Verbraucher übermittelt werden. Wichtig sei dafür auch „die Verbreitung von Smart Metern, die die Kunden zeitnah über ihre Verbrauchsgewohnheiten informieren“, so der VDE. Nur so könne der Stromverbrauch in Echtzeit gemessen und weitergegeben werden. Denn ohne intelligente Stromzähler hätten private Haushalte, Gewerbe, Handel und Dienstleistungen keinen Anreiz ihre Nachfrage zu verlagern. Smart Meter für variable Tarife seien eine unabdingbare Voraussetzung dafür, „die notwendige Flexibilität im Strommarkt zu etablieren“, schreibt der Fachverband.

Auch verschiedene Förderprojekte der Bundesregierung zu Smart Energy untersuchen seit längerem das Lastpotenzial: „Die Feldversuche der E-Energy-Modellregionen zeigen, dass sich der Stromverbrauch von Haushalten und Industrieunternehmen durch den Einsatz von IT- und Informationstechnik um zehn bis zwanzig Prozent verschieben lässt“, sagt Energieberater Ludwig Karg, Leiter der E-Energy-Begleitforschung. „Im internationalen Vergleich nimmt Deutschland im Bereich Smart Energy eine Vorreiterrolle ein – mindestens auf Augenhöhe mit China, Japan, den USA und Korea.“

Die Energiewelt von morgen kennt nur noch den binären Code. (Gerd Altmann, Pixelio)