Die frischgegründete Energiegenossenschaft Ladegrün ist ein Gemeinschaftsprojekt einiger etablierter Genossenschaften. Die Ökostromer EWS, Greenpeace Energy und Naturstrom - letztere ist war keine Genossenschaft, aber eine Aktiengesellschaft, die mehrheitlich über 1000 Einzelpersonen gehört - wollen zusammen mit der Inselwerke eG  sowie der GLS-Bank ein bundesweites Netz von E-Auto-Ladestationen errichten, in dem es nur Ökostrom gibt, der den Ansprüchen genügt, die die drei Stromerzeuger an sich stellen.

Ladegrün gehörte zu einem von vier innovativen Projekten, die sich auf dem jährlichen Bundeskongress genossenschaftliche Energiewende am Dienstag vorstellten. Die ersten Ladepunkte will Ladegrün im Sommer in Betrieb nehmen, bis 2025 sollen es 4000 sein, auch in Wohnquartieren. "Wir konzentrieren uns nicht nur auf den öffentlichen Raum", sagte EWS-Vorstand Roland Philipps auf dem Kongress. Auch für Firmenfuhrparks und -parkplätze bietet sich Ladegrün an. Auf diese Weise verspricht sie sich auch, einfacher an begehrte Standorte zu kommen.

Schließlich ist das Rennen um das lukrative E-Ladenetz längst eröffnet - und zum Teil vielleicht sogar schon vorbei. "Der Schnell-Lademarkt steuert auf eine Sättigung zu", meint Philipps. Nach Möglichkeit sollen auch lokale Energieerzeugungsanlagen eingebunden werden. Die Bank GLS bringe ein "innovatives Bezahlsystem" ein. Bezahlt werden soll mit EC- und Kreditkarte, so dass die Abrechnung nicht erst Monate später komme. Das Laden soll nicht teurer als bei der Konkurrenz sein.

E-Bus "on demand" für ländlichen Raum

Wer nicht mehr selbst Auto fahren kann oder will, profitiert möglicherweise vom Pilotprojekt "Shuttle im Quartier mit altersgerechten Assistenzdienstleistungen“ (SHIQ) in Ehrenfriedersdorf im Erzgebirge. Dort wird das "Shuttle im Quartier" ausprobiert. Von Quartieren ist normalerweise in Städten die Rede, aber hier geht es vor allem um den ländlichen Raum. Der dortigen Mobilität alter Menschen widmet sich das mit 1,4 Millionen Euro vom Bundeswirtschaftsministerium geförderte Projekt.

Wenn für mobilitätseingeschränkte Menschen der öffentliche Nahverkehr nicht gut erreichbar ist und sowieso nicht oft kommt, kann das zu einem gravierenden Problem werden. Die Idee von ShiQ ist deshalb: Elektrisch getriebene Kleinbusse mit zehn bis zwölf Sitzen holen die bedürftigen Menschen an der Haustür ab und bringen sie zu ihren täglichen Zielen.

Das solle "überwiegend on demand", also auf Abruf, passieren, erklärte Sven Winkler vom Verband Sächsischer Wohnungsgenossenschaften am Dienstag, die E-Busse sollen also individuell gerufen werden können. Feste Touren zu den einschlägigen Orten soll es aber auch geben.

Das große Plus dabei sollen die "Assistenzdienstleistungen" werden: Den Passagieren wird in und aus dem Bus geholfen, der Rollator während der Fahrt gesichert und eventuell sogar die Tasche bis zur Haustür getragen. Und: "Es geht nicht nur um Mobilität", wie Winkler festhielt, sondern das Ganze habe auch einen sozialen Aspekt. Die Busse als eine Art Begegnungsorte also.

Ein weiterer Aspekt ist die Förderung des lokalen Gewerbes. Wer mit dem Auto etwa eines Familienmitgliedes normalerweise zu einem großen Supermarkt gefahren werden würde, kauft mit Hilfe des ShiQ eventuell im kleineren Laden ein paar Straßen von zu Hause entfernt ein. Deshalb sollen diese Gewerbe einen Teil der Kosten des Shuttles tragen, eventuell auch in Form von Werbeanzeigen im Bus.

Die zweite Säule der Einnahmen sollen Kommunen, Wohnungsunternehmen in den betroffenen Quartieren und die Krankenkassen sein, für die diese Art der Mobilität eventuell billiger ist, als den Versicherten Taxifahrten zu medizinischen Terminen zu bezahlen. Drittens bleibe dann immer noch ein Betrag von 1,50 bis 2 Euro pro Fahrt zu bezahlen, hielt Winkler fest, wobei auch ein Abomodell ausprobiert werden soll.

Ab September soll das Shuttle rollen, bis 2023 wird es erprobt. Die regionalen Wohnungsgenossenschaften unterstützen es, weil sie hoffen, mit ihm die alten Bevölkerungsgruppen länger in den Häusern im ländlichen Raum halten zu können, wie Winkler gegenüber bizz energy sagt.

Wenn eine Wohnungsgenossenschaft ihr städtisches Quartier attraktiver, vielleicht sogar autoarm machen will, kann sie Stationen für elektrische Verleih-Lastenräder einrichten. Am Dienstag bot dazu die Sigo GmbH ihre Dienste dafür an. Ihre beheizten, kabellos zu ladenden Lastenräder stehen rund um die Uhr zur Verfügung und werden schon in einem Dutzend Städten angeboten - zum Teil sogar "in Brennpunkten", wie Geschäftsführer Tobias Lochen auf dem Kongress sagte, und trotzdem sei noch keines gestohlen worden.

Im Erzgebirge haben mehrere Partner das Projekt "Shuttle im Quartier mit altersgerechten Assistenzdienstleistungen“ (SHIQ) ins Leben gerufen. (Copyright: Verband Sächsischer Wohnungsgenossenschaften e. V.)