Strommarkt
04.08.2016

Wettbewerbshüter verbessern Preisinfos

Foto: istock.com / Rallef
Mit einem günstigen Stromtarif können Haushalte auf einfache Art Geld sparen.

Das Bundeskartellamt und die Bundesnetzagentur wollen künftig detaillierter darüber berichten, wie sich die Strompreise in Deutschland entwickeln. Das kündigte ein Behördensprecher gegenüber bizz energy an.

 

Anzeige

Jedes Jahr im Spätherbst schaut die gesamte Energiebranche nach Bonn, dann treten die Präsidenten des Bundeskartellamtes und der Bundesnetzagentur gemeinsam vor die Presse und präsentieren ihren aktuellen Monitoringbericht. Die beiden Behörden untersuchen darin, wie sich der Wettbewerb im Strom- und Gasmarkt entwickelt hat. Besonders aufmerksam werden die Kennzahlen zum Strompreis verfolgt: Ist Elektrizität für die Verbraucher teurer geworden? Wie viel Geld spart ein Haushalt im Schnitt, wenn er aus der örtlichen Grundversorgung in einen anderen Vertrag wechselt? All diese Fragen lassen sich mit den amtlich ermittelten Durchschnittspreisen beantworten.

Anzeige

Im Monitoringbericht für 2016, der im November oder Dezember erscheint, soll es nun wichtige Änderungen geben, wie die Bundesnetzagentur auf Anfrage von bizz energy ankündigte. Bisher gingen die Behörden für den deutschlandweiten Preis pro Kilowattstunde Strom immer von einem Musterhaushalt aus, der pro Jahr 3.500 Kilowattstunden (kWh) verbraucht. „Der bisherige Abnahmefall wird durch eine differenzierte Preisdarstellung ersetzt“, sagte ein Sprecher der Netzagentur. Ab dem laufenden Jahr werden die Preise für vier unterschiedliche Typen von Haushalten ausgewiesen: einen Jahresverbrauch von weniger als 1.000 kWh, 1.000 bis 2.500 kWh, 2.500 bis 5.000 kWh und 5.000 bis 10.000 kWh.

 

Verbraucherschützer kritisieren bisherige Berichte

Die Wettbewerbsbehörden prüfen außerdem, ob sie im Monitoringbericht nicht mehr nur Durchschnittswerte, sondern auch Preisspannen zwischen niedrigen und hohen Tarifen angeben. „Der Strommarkt hat sich ausdifferenziert und es gibt außerhalb der Grundversorgung immer mehr Tarife“, sagte der Sprecher der Netzagentur zur Begründung.

Verbraucherschützer begrüßen die Ankündigungen der beiden Bonner Behörden. „Die differenzierte Darstellung der Preise erhöht die Transparenz im Strommarkt und hilft, Fehlentwicklungen besser zu erkennen“, sagte Thomas Engelke, Leiter des Teams Energie und Bauen beim Verbraucherzentrale Bundesverband, und kritisiert die bisherige Praxis der Wettbewerbsbehörden: „Viele Haushalte liegen mit ihrem Verbrauch deutlich unter 3.500 Kilowattstunden, weil sie beispielsweise keine Stromheizung haben.“

 

Einfluss der Netzentgelte könnte transparenter werden

Der Verband geht davon aus, dass Geringverbraucher pro Kilowattstunde mehr zahlen, als der bisherige Durchschnittspreis vorgibt. „Das ist bedauerlich, weil Haushalte mit geringem Stromverbrauch häufig auch ein geringes Einkommen haben. Der neue Monitoringbericht der Bundesnetzagentur wird diesen Missstand nun zumindest transparenter machen“, sagt Engelke. Künftig werde die Mehrbelastung für Haushalte mit geringem Stromverbrauch sogar weiter steigen, erwartet der Verbraucherschützer.

Netzbetreiber tendierten dazu, die Netzentgelte immer stärker auf den Grundpreis umzulegen. „Das bewirkt eine überdurchschnittliche Mehrbelastung von Haushalten mit geringem Verbrauch gegenüber Industrie- und Gewerbekunden und auch Haushalten, die zum Beispiel wegen einer Sauna, einer Wärmepumpe oder eines Elektroautos einen höheren Strombedarf haben“, kritisiert Engelke. „Sollte das neue System der nächsten Monitoringberichte diese Tendenz bestätigen, wäre das für die Politik das Signal gegenzusteuern.“

Die Verbraucherzentralen würden auch die Darstellung von Preisspannen begrüßen, weil sie ein weiteres Problem transparenter machen können: die hohen Unterschiede bei den Netzentgelten. In ländlichen Regionen Ostdeutschlands sind die Netzentgelte nach einer Studie der Denkfabrik Agora Energiewende teilweise doppelt so hoch wie in westdeutschen Großstädten. „Auch durch den Ausbau der erneuerbaren Energien werden die Netzentgelte voraussichtlich in den nächsten Jahren regional unterschiedlich schnell steigen“, sagt Engelke. „Dieser Trend wird durch das neue System mit der Darstellung von Preisspannen ebenfalls transparenter.“

Manuel Berkel
Keywords:
Bundeskartellamt | Bundesnetzagentur | VZBV | Strompreis | Strommarkt
Ressorts:

Neuen Kommentar schreiben

 

Newsletter bestellen – Wunschausgabe erhalten

Jetzt den wöchentlichen
Newsletter bizz energy weekly abonnieren
und eine Ausgabe
Ihrer Wahl kostenlos erhalten.

Hier geht es zur Aktion!

 
 

bizz energy Research

Energie, Digitalisierung und Mobilität.
Unsere Factsheets bieten visualisierte Daten, liefern Fakten und stellen Zusammenhänge zu den Top-Themen der Energiewende dar.


Mehr Informationen