Kohleausstieg
27.03.2019

Wettlauf ums Wärmespeicherkraftwerk

Foto: RWE
Am Braunkohlekraftwerk Niederaußem sähe Bergheims Bürgermeister gerne ein Wärmespeicherkraftwerk.

Möglichst bald wollen Nordrhein-Westfalen und Brandenburg Kohlekraftwerke mit einer neuen grünen Wärmeerzeugung ausstatten. Beim Rennen um das erste Speicherkraftwerk haben die Rheinländer die Nase deutlich vorn.

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Legenden ranken sich um die entscheidende Nachtsitzung der Kohle-Kommission vom 25. auf den 26. Januar dieses Jahres. Eine handelt davon, wie es der Brandenburger Landesregierung gelang, im Kommissions-Abschlussbericht das sogenannte „Innovationsprojekt“ unterzubringen. Es soll im Jahr 2025 für die Energiewirtschaft einen „Zwischenschritt bei der Emissionsminderung von 10 Millionen Tonnen“ leisten.

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Nach Veröffentlichung des Abschlussberichts blühten die Vermutungen, was damit gemeint sein könnte. Landeswirtschaftsminister Jörg Steinbach bejahte den Verdacht, dass es dabei um das Lausitzer Braunkohlekraftwerk Jänschwalde gehe.

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Flüssiges Salz als Stromspeicher

Das Kraftwerk solle „auf einen Mix aus fossilen Energieträgern und emissionsverträglicheren Medien – sprich: Gas oder erneuerbare Energien – umgestellt werden“, sagte er. Die Idee, Jänschwalde aus einem mit Braunkohle zu einem mit grüner Wärme gespeisten Kraftwerk umzubauen, stamme aus einer „Skizze“ des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), so der Minister im Landtag.

Bei Speicherkraftwerken werde mit Strom eine Salzschmelze über eine Hochtemperatur-Wärmepumpe auf 50 bis 500 Grad Celsius erhitzt. Bei Bedarf könne die Wärmeenergie dann an einen Niedrigtemperaturkreislauf abgegeben und eine Dampfturbine angetrieben werden.

DLR und RWE schon länger im Gespräch

Das DLR selbst hatte die Idee vom Wärmespeicherkraftwerk vor der legendären Nachtsession der Kohlekommission mit einer Presseerklärung noch einmal lanciert. Von Brandenburg und Jänschwalde war aber nichts zu lesen. Das neuartige Kraftwerk solle vielmehr an einem Kraftwerksstandort im Rheinischen Revier als Reallabor errichtet werden. Ziel dieser Pilotanlage sei es, Flüssigsalz-Wärmespeicher einem umfassenden Praxistest zu unterziehen.

Über eine Machbarkeitsstudie für ein solches Wärmespeicherkraftwerk sind sich das DLR und der RWE-Konzern schon länger einig. Inzwischen gibt sich RWE optimistisch und rechnet mit dem Baubeginn der Pilotanlage für Anfang der 2020er Jahre. Nordrhein-Westfalen nahm das Projekt in sein Programm „Das Rheinische Zukunftsrevier“ auf und stellt 2,9 Millionen Euro Förderung bereit. Die Planungen werden aber auch mit Eigenmitteln von RWE finanziert, bestätigte ein RWE-Sprecher gegenüber bizz energy.

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Keywords:
Wärmespeicher | Kohleausstieg | Braunkohlekraftwerke
Ressorts:
Governance | Technology

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