bizz energy Research
14.05.2019

Wie Deutschland Stromexporteur bleibt

Foto: iStock
Auch ohne Kohlekraftwerke kann Deutschland Netto-Stromexporteur bleiben.

Deutschland ist bislang Netto-Stromexporteur. Der Ausbau der erneuerbaren Energien kann den künftigen Wegfall von Kohlestrom auch im Export kompensieren. Eine Analyse.

Aufgrund seiner Lage im Herzen Europas ist Deutschland ein zentrales Transitland für Strom. Durch den grenzüberschreitenden Handel mit Energie erwirtschafteten die deutschen Stromkonzerne im Jahr 2017 einen Rekordwert von 1,5 Milliarden Euro – und waren damit Europameister.

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Deutschland exportiert mehr Strom, als es importiert – bisher vor allem in die Schweiz, nach Österreich und nach Frankreich. Die Hauptursache für den Exportüberschuss ist die hohe Kohlestromproduktion hierzulande. Sie geht bislang trotz steigender Erzeugung aus erneuerbaren Quellen kaum zurück, was sich negativ auf die Klimabilanz auswirkt. Dennoch geht es trotz der hohen Überkapazitäten aus Wind- und Sonnenstrom hierzulande mangels Speicherkapazitäten noch nicht ohne Stromimporte.

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Ziel sollte sein, dass Deutschland unabhängig von Energieimporten aus den Nachbarländern wird, rät der Thinktank Agora Energiewende. Denn der Energiebedarf wird durch die Elektromobilität und die Sektorenkopplung weiter steigen. Gleichzeitig entstehen Speichermöglichkeiten für erneuerbare Energien wie Power-to-Gas, bei denen überschüssiger Wind- und Solarstrom in „grünen“ Wasserstoff umgewandelt wird. Dadurch kann mehr der erzeugten Energie innerhalb des Landes verbraucht werden.

Generell sind Stromexporte eine wichtige Einnahmequelle für die deutsche Energiewirtschaft. Damit das so bleibt, auch wenn Kohlekraftwerke stillgelegt werden, könnte der Ausbau erneuerbarer Energien den Wegfall von Kohlestrom kompensieren (siehe bizz energy Winter 18/19).

Der Exportüberschuss der deutschen Stromwirtschaft von 60 Terrawattstunden (TWh) wird ohne weitere Maßnahmen bis 2030 deutlich zurückgehen, prognostiziert Agora Energiewende. Der Kohleausstieg allein würde dazu führen, dass die Bundesrepublik 32 TWh mehr importieren müsste, als sie exportiert. Beim Kohleausstieg plus Ausbau der Erneuerbaren könnte Deutschland hingegen Netto-Stromexporteur bleiben.

Der schleppende Netzausbau in Deutschland stellt übrigens auch die Nachbarländer vor Herausforderungen: Wird beispielsweise im Norddeutschland viel Windstrom produziert, die Verbraucher befinden sich aber größtenteils im Süddeutschland, gelangt der Strom teilweise über das Ausland dorthin. Denn Strom sucht sich den Weg des geringsten Widerstands und fließt dorthin, wo die Netzauslastung gering ist. Dafür nimmt er auch Umwege über Ländergrenzen „in Kauf“. Diese physikalischen Stromflüsse sind nicht zu verwechseln mit den kommerziellen Stromflüssen, also dem grenzüberschreitenden Handel.

Stromflüsse aus/nach Deutschland 2017
Aus Deutschland wurde 2017 rund 60.000 Gigawattstunden mehr Strom verkauft,
als importiert wurden. Dieser Saldo ergab einen neuen Rekord-Exportüberschuss.
Die größten Abnehmer waren Österreich, Frankreich, die Schweiz und die Niederlande.
Am meisten Strom importierte Deutschland aus Österreich, Tschechien und Dänemark.
Die Strompreise für die Industrie sind ein wichtiger Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen. Deutschland liegt hier im Vergleich zu den Nachbarn eher am oberen Ende, wenn man die Steuern und Abgaben mit einrechnet: 196,70 Euro kostet eine Megawattstunde (MWh) hierzulande, während Unternehmen in Finnland mit 84,40 Euro pro MWh Strom weniger als die Hälfte zahlen. Diese Zahlen beziehen sich auf die erste Jahreshälfte 2018 und gelten für Industriekunden mit 500 bis 2.000 MWh Verbrauch.

Es geht aber auch teurer als in Deutschland. In Dänemark liegt der Strompreis bei stolzen 253,70 Euro pro MWh. Bemerkenswert: Vor Steuern und Abgaben hat Deutschlands nördlicher Nachbar mit 59,30 Euro pro MWh den niedrigsten Strompreis in der EU. Doch eine saftige Stromsteuer von knapp 74 Prozent katapultiert Dänemark an die Preis-Spitze. In Malta dagegen machen Stromsteuer und Abgaben nur rund fünf Prozent des Preises aus.

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Die komplette Analyse von bizz energy research lesen Sie in der Ausgabe "Das große Reinemachen".

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Keywords:
Strommarkt | bizz energy research
Ressorts:
Markets

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