Russland
25.08.2016

Wie Uniper in Russland zum Problemfall wurde

Foto: Unipro
Block 3 des russischen Kraftwerks Beresovskaja von Uniper steht derzeit wegen Brandschäden still.

Eigentlich wollte die neue Eon-Sparte für fossile Kraftwerke von der Liberalisierung des russischen Strommarktes profitieren. Doch ein Brand und Moskaus Politik machen es Uniper schwer.

 

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Eine knappe Meldung auf der Seite des russischen Katastrophenschutzministeriums sollte weitreichende Folgen für den deutschen Energiekonzern Uniper haben. 3:48 Uhr Moskauer Zeit: Brand in Block 3 des Heizkraftwerks Beresowskaja auf einer Fläche von 850 Quadratmeter. 9:08: Brand bekämpft. An den Löscharbeiten waren 341 Menschen und 98 Technikeinheiten beteiligt. Das karge Behördenrussisch lässt das Ausmaß des ein halbes Jahr zurückliegenden Unfalls im Uniper-Kraftwerk in Sibirien nur erahnen. Heute ist klar: Der Brand hat der Russland-Sparte des Konzerns, die mit fünf Kraftwerken knapp fünf Prozent des russischen Stroms produziert, gründlich die Bilanz verhagelt.

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Dabei gab sich Uniper-Chef Klaus Schäfer bei der Inbetriebnahme der modernisierten Anlage Ende 2015 noch zuversichtlich. „Russland ist einer der wichtigsten Partner von Eon, uns verbinden Jahre gewinnbringender Partnerschaft“. Der Chef von Unipro – wie die Eon-Abspaltung in Russland offiziell heißt – erklärte, dass es seit einem Vierteljahrhundert kein so großes Neubau-Projekt in der Energiewirtschaft des Landes gegeben habe.  Insgesamt stieg die Leistung des Beresowskaja-Kraftwerks durch die Modernisierung um 800 auf 2.400 Megawatt (MW).

 

Entgangene Gewinne von 700 Millionen Euro

Heute ist klar, dass der einstige Hoffnungsträger für Uniper in Russland zum Problemfall geworden ist. Aus der Halbjahresbilanz, die der Konzern Anfang August nach russischem Recht vorlegte, geht hervor, dass fast der gesamte Gewinn der ersten sechs Monate für die Instandsetzung nach dem Brand draufgegangen ist. Das Russlandgeschäft bescherte Uniper im ersten Halbjahr einen Verlust von etwa 8 Millionen Euro, während im Vorjahreszeitraum noch ein Plus von 80 Millionen in den Büchern stand.

Noch im Frühjahr hieß es aus dem Unternehmen, dass die Reparaturarbeiten bis 2017 andauern würden und etwa 15 Milliarden Rubel kosten sollen – umgerechnet 200 Millionen Euro. Der Halbjahresbericht nennt nun Mitte 2018 als Ziel, die Kosten wurden auf 330 Millionen Euro nach oben korrigiert. Nach den jüngsten Schätzungen hatte der Brand – Folge eines Treibstofflecks – den Kessel des dritten Blocks zur Hälfte beschädigt. Analysten schätzen den entgangenen Gewinn für die Dauer der Reparaturarbeiten auf etwa 700 Millionen Euro.

 

Eine Kette von Problemen

Dabei ist die aktuelle Schieflage von Unipro nur ein weiteres Glied in einer ganzen Kette von Problemen, die den Eon-Ableger seit dem Einstieg auf dem russischen Energiemarkt begleiten. Bereits die 5,6 Milliarden Euro schwere Übernahme des russischen Stromkonzerns OKG-4 im Herbst 2007 werteten viele Analysten als zu teuer. Dann folgte die weltweite Wirtschaftskrise, die Russland besonders hart traf. Die geplante Erhöhung der Strompreise, die den Erzeugern zu Gute kommen sollte, wurde seitens der Regierung zusammengestrichen.

Dennoch erwartete Eon in Russland noch 2010, dass der Gewinn vor Steuern und Abschreibungen bis 2013 auf knapp eine Milliarde Euro anschwellen werde. In der Realität schaffte das Unternehmen 2014 nur etwa 500 Millionen Euro, auch weil die Regierung die Tarife nicht schnell genug steigen ließ. Im vergangenen Jahr verhagelten Strafzahlungen für die Verspätung der Inbetriebnahme des Kraftwerks Beresowskaja und der Rubelabsturz die Bilanz. Nach Berichten der Moskauer Wirtschaftszeitung Kommersant musste Eon für ein knappes halbes Jahr Verspätung bis zu 30 Millionen Euro Strafe zahlen.

Doch der Optimismus bei Unipro ist noch nicht komplett verschwunden. Der Konzern geht davon aus, dass zumindest die Kosten für die Reparatur des Beresowskaja-Kraftwerks von der Versicherung gedeckt werden. Die Obergrenze der Zahlungen beläuft sich laut Vertrag auf 26 Milliarden Rubel – nur wenig mehr als die jüngsten Schätzungen zu den Reparaturkosten. Beobachter warnen jedoch, dass diese sich noch erhöhen könnten.

Maxim Kireev
Keywords:
Uniper | Eon | Russland | Beresovskaja | Kohlekraftwerk
Ressorts:

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