Windkraft
29.11.2016

Windanlagen: Schweizer Studie bestätigt besorgte Naturschützer

Foto: Pixabay/Marko Grothe
Die Studie bekräftigt die Ängste von Naturschützern: Rund 20 Vögel werden pro Windmühle geschreddert.

Naturschützer und Windmüller streiten seit Langem darüber, wie viele Zugvögel tatsächlich durch die Kollision mit einer Windanlage sterben. Eine neue Studie zeigt: Mehr Tiere als bisher angenommen fallen den Windmühlen zum Opfer.

Demnach sterben pro Jahr rund 20 Vögel durch die Kollision mit einer Windanlage. Das sind doppelt so viele Tiere wie bislang geschätzt. Erhoben wurden die Ergebnisse von der Schweizer Vogelwarte Sempach, die nach eigenen Angaben damit international die erste Studie erstellte, die konkrete Zahlen nennt. Auftraggeber war das Schweizer Bundesamt für Energie.

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Die Forscher haben für ihre Untersuchung von Ende Februar bis Mitte November 2015 das Vorbeiziehen der Vögel am Schweizer Standort Le Peuchapatte regelmäßig per Radar erfasst. Dort stehen im Schweizer Kanton Jura drei 150 Meter hohe Windräder. Deren Umgebung wurde nach Vogelüberresten abgesucht. Durchschnittlich zogen 976 Vögel an einer Windmühle vorbei, so das Ergebnis. Davon starben im Mittel 20,7 Tiere. Selbst der ermittelte Minimalwert von 14,7 Vögeln liegt damit noch über dem in der öffentlichen Diskussion vielfach angenommen Wert von 10.

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Überraschend: Betroffen waren vor allem Kleinvögel. Die meisten gefundenen toten Tiere waren Goldhähnchen, die kleinste Zugvogelart in Europa. Sie fliegen überwiegend nachts. Bislang gingen Wissenschaftler davon aus, dass vor allem Greifvögel mit den Anlagen kollidieren.

 

Zusammenhänge noch unklar

Übertragbar seien die Ergebnisse allerdings nur auf ähnliche Standorte, schränken die Forscher ein, nicht aber auf alpine Orte oder Mittelgebirge. Auch könne keine Aussage über größere und höher gelegene Anlagen gemacht werden.

Öffentlich wird oftmals ein vollständiges Abschalten der Anlagen während der Zugzeit der Vögel verlangt. Die Forscher sehen das allerdings nicht als zwingend notwendig an: Der Zusammenhang sei komplexer als bislang angenommen. Die Kollisionen schienen „nicht immer unmittelbar im Zusammenhang mit den hohen Zugintensitäten im Höhenbereich der Windanlagen“ zu stehen, heißt es zur Begründung. Sondern vor allem die Wetterverhältnisse spielten eine Rolle, vermuten die Forscher. Für eine genaue Beurteilung seien weitere Untersuchungen nötig.

Die Schweizer Vogelschutz Organisation Bird Life plädiert mit Blick auf die Ergebnisse für eine „deutlich sorgfältigere Planung von Standorten für Windanlagen in der Schweiz.“ Die Naturschützer fürchten, dass Windanlagen, „die am falschen Ort geplant werden, ganze Lebensräume zerstören“ und bisher naturnahe Flächen durch Störungen entwerten könnten. 

 

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Windkraft | Studie | Artenschutz | Zugvögel | Schweiz
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