Onshore-Windenergie
16.02.2018

Windkraft-Altanlagen: Ab 2021 regiert der Strompreis

Foto: iStock
Abbauen oder weiterlaufen lassen? Diese Entscheidung müssen Ende 2020 viele Betreiber betagter Windenergieanlagen fällen.

Alte Windenergieanlagen über das Jahr 2020 hinaus zu betreiben, kann sich lohnen. Weil dann die EEG-Förderung wegfällt, sind aber viele Details zu beachten, wie die Analyse von bizz energy Research zeigt.

Am 31. Dezember 2020 ist Schluss. Dann endet für mehr als 7.000 betagte Windkraftanlagen in Deutschland die Förderung nach dem ersten Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) aus dem Jahr 2000. Es sind  Windräder, die überwiegend vor der Jahrtausendwende aufgestellt wurden. Die Betreiber solcher Oldtimer werden in zwei Jahren entscheiden müssen, ob sie die Anlagen stilllegen und aufwändig abbauen oder weiterlaufen lassen sollen? Was lohnender ist, sollte in jedem Fall individuell geprüft werden.

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Windenergieanlagen aus den Neunzigerjahren sind in der Regel so gebaut, dass sie den Betriebsbelastungen mindestens 20 Jahre lang standhalten. Die Lebenswartung der meisten Maschinen reicht aber darüber hinaus oder kann durch den Austausch von Komponenten verlängert werden. Die Investitionskosten für den Weiterbetrieb bewegen sich mit durchschnittlich 17.000 Euro pro Megawatt in einer überschaubaren Größenordnung.

 

Kein Anspruch auf Entschädigung

 

Klar ist aber: Nachdem die Altanlagen aus der Förderung fallen, richten sich die Erlöse der Betreiber nach dem Strompreis an der Strombörse Epex Spot. Ein Weiterbetrieb kann sich unter diesen Bedingungen lohnen, wenn Repowering, also der Ersatz durch eine neue Anlage am selben Standort, nicht in Frage kommt - etwa wegenTaburegelungen aus Raumordnungsprogrammen. Es kann auch sinnvoll sein, mit dem Repowering zu warten, um den maximalen Nutzen aus der alten Anlage zu ziehen.

 

Immer größer und stärker: Windenergieanlagenbau seit dem Jahr 2000. Doch die
Wirtschaftlichkeit vieler älterer, leistungsschwächerer Anlagen steht infrage. Denn
für sie läuft 2021 die feste Einspeisevergütung aus.
Grafiken: bizz energy/Marie Bauer
Altanlagen bedürfen allerdings einer Nachweisführung zum sicheren Weiterbetrieb. und der Betreiber hat keinen Anspruch mehr auf Entschädigung durch den Netzbetreiber bei Abschaltung wegen Netzüberlastung. Gegen einen Weiterbetrieb spricht auch, dass die meisten Altanlagen weniger als 1,5 Megawatt leisten, also deutlich weniger als modernere Maschinen. Andererseits: Bei Anlagen dieses Alters schlagen normalerweise keine Finanzierungskosten mehr zu Buche.

 

Der wesentliche Faktor sind die Betriebskosten. Nach Ablauf von 20 Betriebsjahren müssen in aller Regel einige Verträge verlängert werden, darunter Pacht-, Wartungs- und Versicherungsverträge. Dabei lassen sich Betriebskosten senken, etwa durch den Wechsel von einem Vollwartungsvertrag zu einem Teilwartungsvertrag. Service-Unternehmen entwickeln solche schlankeren Vertragsmodelle. Allerdings steigt mit reduzierter Wartung in der Regel das Ausfallrisiko. Möglichkeiten, die Preisunsicherheit an der Strombörse zu umgehen, sind der Eigenverbrauch des Stroms und die Abgabe an Dritte im unmittelbaren Umfeld.

 

Das wird besonders zu Zeiten attraktiv, in denen viel Wind ins Netz eingespeist wird, in denen die Strompreise an der Börse also eher niedrig ausfallen. Allerdings müssen Betreiber dazu vor Ort zunächst geeignete Abnehmer finden. Außerdem könnte der Einsatz von Speichertechnologie notwendig werden, um eine konstante Energieversorgung zu ermöglichen.

 

Die Marktforschungs- und Beratungsagentur bizz energy Research ist ein Schwesterunternehmen der bizz energy Mediengesellschaft.

 

Dieser Artikel stammt aus der Ausgabe Winter 2017/2018 von bizz energy. Unser Magazin ist im gut sortierten Zeitschriftenhandel, bei unserem Abonnentenservice (Mail an bizz-energy@pressup.de) oder als E-Paper im iKiosk erhältlich.

 

bizz energy Research
Keywords:
Windenergie | Einspeisevergütung | EEG | Strombörse | Onshore
Ressorts:
Governance | Markets

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