Die vorerst letzte deutsche Offshore-Auktion fand im April statt. Weitere sind nicht vor 2021 vorgesehen. Der Koalitionsvertrag ermöglicht zwar eine Sonderausschreibung im Jahr 2019, doch das Bundeswirtschaftsministerium macht bisher keine Anstalten, eine solche einzuleiten. Im Gegenteil: Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier kündigte im Juni an, den Ausbau der Windenergie insgesamt zu bremsen. Nach eigenen Worten will er den im Koalitionsvertrag festgeschriebenen Zubau zeitlich strecken, um Kostensteigerungen und Netzengpässe zu verhindern.

 

Somit verschieben sich Investitionen aller Wahrscheinlichkeit nach in eine fernere Zukunft. Ihre Größenordnung ist beträchtlich: In das Arkona-Projekt beispielsweise stecken Eon und Equinor 1,2 Milliarden Euro. Die 60 Windkraftanlagen werden eine Erzeugungskapazität von 385 Megawatt vereinen. Arkona wird damit vorläufig der größte Windpark in der Ostsee sein.

 

Arkona: 400 Fachleute, 20 Schiffe

 

44 von 60 Anlagen stehen bereits, die übrigen bringt das Errichterschiff „Sea Challenger“ in den kommenden Wochen ins Baufeld. Die Investitionssumme für das Projekt bleibt nach Eon-Angaben zu 70 Prozent in Deutschland: Die 6-Megawatt-Turbinen stammen von Siemens Gamesa, ihre  Gründungspfähle von dem Rostocker Zulieferer EEW Special Pipe Constructions. Auf dem Baufeld in der Ostsee sind bis zu 400 Fachkräfte auf bis zu 20 Schiffen vom kleinen Zubringer bis zum großen Errichterschiff im Einsatz. In Mukran auf Rügen hat Eon eine hochmoderne Leitzentrale und Servicebasis mit 50 Arbeitsplätzen für mindestens 25 Jahre eingerichtet – das ist die wahrscheinliche Lebensdauer eines Offshore-Windparks.

 

Arkona dient dem Energiekonzern auch als Testfeld für technische Innovationen. So wurde bei der Erkundung des Seegebiets erstmals ein seismische Untersuchungssystem eingesetzt, das viele der zuvor üblichen Probebohrungen im Meeresgrund erübrigt. Entwickelt hat die Methode „High Resolution 3D Multichannel Seismic Campaign“ das Fraunhofer-Institut für Windenergiesysteme. Auch der Erosionsschutz für die Gründungspfähle des Arkona-Parks ist neu: Die von einem Roboter aufgesprühte Aluminiumschicht ist nach Eon-Angaben umweltverträglicher die Materialien, die in der Branche bisher verwendet werden.

 

Bald alles unter RWE-Flagge

 

Doch auf all die ansehnlichen Fortschritte in der Zukunftsbranche Offshore-Windenergie wird der Essener Konzern über kurz oder lang wohl verzichten müssen. Im Frühjahr hat er mit seinem Rivalen RWE eine Neuaufteilung des Marktes ausgehandelt. Eons gesamte Energieerzeugung soll dabei RWE zugeschlagen werden – das gilt auch für sämtliche Windparks auf See.

 

 

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